Interview mit Janine Eichler, Consulting Architect bei Red Hat

Women in Tech: „Einfach keine Berührungsängste haben und loslegen! In der Tech-Branche steht einem die Welt offen.“
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In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Janine Eichler, Consulting Architect bei Red Hat.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Women in Tech: Janine Eichler

Janine Eichler

Janine Eichler ist Consulting Architect bei Red Hat. An einem typischen Arbeitstag besucht sie als klassische Beraterin den Kunden vor Ort und versucht die beste Lösung für individuellen Anforderungen zu finden. Für kleinere Projekte hat sie früher auch selbst entwickelt, diese Zeiten sind jetzt aber vorbei.

Was hat dein Interesse für die Tech-Branche geweckt und wie verlief deine bisherige Karriere?

Mein Interesse für den Tech-Bereich wurde erst sehr spät und eigentlich durch einen Zufall geweckt. Ich wollte ursprünglich Lehrerin in den Fächern Mathematik und Latein werden, stellte dann aber während eines Praktikums fest, dass eine Schulkarriere nichts für mich ist. Freunde haben mir dann ein Praktikum bei SAP vermittelt, in Walldorf bin ich das erste Mal überhaupt mit der IT-Welt in Berührung gekommen. Ich habe Feuer gefangen und somit war klar, dass ich eine entsprechende Ausbildung mache, um in der IT-Branche arbeiten zu können. Ich habe mich für ein Studium der Wirtschaftsinformatik entschieden, weil ich tatsächlich ein bisschen Angst vor Informatik hatte.

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Nach dem Studium verlief mein Karriereweg relativ geradeaus. Durch mein Praktikum und der anschließenden Tätigkeit als Werkstudent bei SAP hatte ich kein Problem studienbegleitende Jobs zu finden und auch der Einstieg ins Berufsleben verlief problemlos. Angefangen habe ich bei einem Consultingunternehmen – meine Maxime war, dass ich gerade am Anfang meiner Karriere so viel wie möglich lernen will. Man arbeitet eng mit den Kunden zusammen, muss sich immer wieder neuen Herausforderungen stellen und lernt so Technologien wirklich gut kennen. Während dieser Zeit haben mich Freunde gefragt, bei welchem Unternehmen ich gerne arbeiten würde, wenn ich es mir aussuchen könnte. Meine Antwort war Red Hat. Zwei Wochen später – und da gibt es wirklich keine Verbindung – hat mich ein Recruiter auf LinkedIn angeschrieben und wollte mich für einen Job bei Red Hat gewinnen. Ich war damals extrem eingespannt in meiner Arbeit und hatte eigentlich keine Zeit – glücklicherweise war der Recruiter hartnäckig, immerhin ging es um ein Job-Angebot bei meinem Wunscharbeitgeber.

Steine wurden mir nie in den Weg gelegt, als Frau begegnet man aber hin oder wieder Vorurteilen.

Manche Kunden sind zudem überrascht, wenn ihnen eine Frau als IT-Consultant gegenübersteht.

Vor allem eine Frau, die eher klein von der Statur her ist, und nicht nach 30 Jahren Berufserfahrung aussieht. Dieses kurze Staunen hat sich aber sofort erledigt, wenn sie sehen, dass ich meinen Job verstehe. Klischees oder Stereotypen sind mir daher eigentlich keine begegnet. Ein Kunde gibt viel Geld für mein Wissen und meine Dienste aus, da ist es in seinem eigenen Interesse, mir offen gegenüber zu stehen.

Wieso gibt es nicht mehr Frauen in der Tech-Branche?

Das hat viele Gründe und fängt bereits bei der Bildung an. Deutschland hängt im internationalen Vergleich hinterher, was eine vielschichtige Umsetzung des Fachs IT angeht. Allerdings werden bereits in diesem Alter die Weichen gestellt. Weiter geht es im familiären Umfeld: Fehlt hier eine Exponierung für IT-Themen, wird das Interesse eher selten geweckt. Ein anderer Punkt sind verstaubte Rollenbilder, die heute noch gelebt und vermittelt werden, uns zum Beispiel auch in der Werbung begegnen. Bis sich hier etwas verändert, wird – befürchte ich – noch einige Zeit vergehen.

Gerade im IT-Sektor ist ein Um-die-Ecke-Denken gefordert, um sich vom Wettbewerb abzuheben.

Ich würde diese Diskussion auch nicht nur auf Frauen reduzieren. Diversity spielt hier eine wirklich wichtige Rolle. Eine diverse Unternehmenskultur fördert unabhängig von Geschlecht, Alter, Herkunft, Religion, Behinderung und sexueller Orientierung die Vielfalt und Unterschiede in der Belegschaft. Diversity Management sichert Unternehmen wirtschaftliche Vorteile und wird helfen, Diskriminierung abzubauen.

Zukunft der Diversity-Debatte

Das wird noch länger dauern, bis diese Debatte Geschichte ist. Selbst im IT-Sektor, der im Vergleich zu vielen anderen Branchen fortschrittlicher in puncto Vielfalt ist, sind Frauen und Menschen aus anderen Kulturkreisen oder mit Einschränkungen noch in der Minderheit. Wie die Lösung dieses Problems aussieht, lässt sich nicht so einfach beantworten. Die Frauenquote ist für mich persönlich allerdings ein schwieriges Thema – ich möchte mich ungern fragen müssen, ob ich wegen der Quote oder doch wegen meiner Kenntnisse eingestellt worden bin. Ich glaube daran, dass Diversity irgendwann der Standard ist.

Tipps & Tricks

Mein Tipp: Einfach keine Berührungsängste haben und loslegen! In der Tech-Branche steht einem die Welt offen. Untereinander unter den Kollegen gibt es keine Unterschiede zwischen Frauen und Männern – wir sind einfach alle Tekkies.

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