Interview mit Ina Einemann, Consultant HEC GmbH

Women in Tech: „In jedem Team ist es gut, einige Frauen und Männer vertreten zu haben“
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In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Ina Einemann, Consultant bei der HEC GmbH.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Ina Einemann

Ina Einemann

Ina Einemann ist als Consultant bei der HEC GmbH in Bremen tätig. Ihr Tätigkeitsumfeld umfasst neben ihrer Arbeit als Scrum Master das Requirements Engineering und die Qualitätssicherung. Sie beschäftigt sich mit agilen Methoden und Vorgehensmodellen und berät Teams bei der Umsetzung agiler Praktiken, insbesondere im Bereich ATDD und BDD. Weiterhin ist Ina Trainerin der HEC-Software-Akademie.

Was hat dein Interesse für die Tech-Branche geweckt?

Ich hatte früh einen eigenen Computer und wollte auch gerne in die Richtung eine Ausbildung machen, weil es mir Spaß gemacht hat und ich dort die Zukunft gesehen habe. Ich habe dann einen Platz als IT-Systemkauffrau bei der Telekom bekommen. Während der dreijährigen Ausbildung habe ich viel Zeit im Büro der angehenden Fachinformatiker verbracht, da ich mich den Leuten dort sehr gut verstanden habe. Es hat sich da schon herauskristallisiert, dass ich mit Entwicklern auf der gleichen Wellenlänge liege.

Danach habe ich einen Job in Bremen angenommen. Richtung Marketing und dann leider mit den Jahren immer mehr Vertrieb. Da daraus immer mehr Kaltakquise wurde, das mir immer weniger Spaß gemacht hat, habe ich nebenbei ein Studium der Wirtschaftsinformatik begonnen. Mein Ziel war es, wieder mit Entwicklern auf Augenhöhe zu kommunizieren. Die Entwicklungsabteilung und die anderen Abteilungen, von den Entwicklern liebevoll Overhead genannt, waren in der Bremer Firma in verschiedenen Etagen und liefen doch sehr nebeneinander her.

Mein Ziel war es, wieder mit Entwicklern auf Augenhöhe zu kommunizieren.

Kurz vor Ende des Studiums habe ich dann zu meiner jetzigen Firma HEC GmbH in Bremen gewechselt und durfte dort auch meine Bachelorarbeit schreiben. Hier lernte ich agile Arbeitsweisen kennen und damit auch neue Rollen die es in einem Team zu besetzen gab. Schnell merkte ich, dass ich im Bereich Anforderungsmanagement und agile Beratung zu Hause bin. Ich kommuniziere täglich mit Entwicklern und Testern, aber auch Kunden, Product Ownern und anderen Business Analysten und diese zentrale und abwechslungsreiche Stelle macht mir unglaublich Spaß.

Vorbilder und Unterstützer

Mein Group Lead Frank Düsterbeck hat mich sehr viel unterstützt und macht es immer noch. Er sieht sich eher als Mentor und Coach und genau durch diese Art der Kommunikation auf Augenhöhe habe ich viel gelernt. So ein freundschaftliches Verhältnis hatte ich vorher zu „Vorgesetzen“ (er darf das hier nicht lesen, er hasst dieses Wort) nie.

Lasst euch nicht unterkriegen und traut euch einfach.

In meinem ersten Projekteinsatz in dem ich ja noch sehr unerfahren mit den agilen Methoden war und mich so langsam als Scrum Master ausprobiert habe, hat mir eine Kollegin danach gesagt, dass ich dem Team unglaublich gut getan habe, weil es vorher irgendwie fest gefahren und eine schwierige Stimmung war. Das hat mich sehr motiviert, dass ich trotz meiner wenigen Erfahrungen in den Techniken und Methoden dem Team helfen konnte.

Ein Tag in Inas Leben

Ich arbeite als agile Beraterin, Richtung Anforderungsmanagement und als Scrum Master bei der HEC GmbH in Bremen. Zur Zeit betreue ich eines unseres Teams als Scrum Master und unterstütze sie dabei ein Team zu werden bzw. zu bleiben und Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Das Projekt gibt es schon eine ganze Weile und mit den Jahren hat sich einiges eingeschlichen, was nun ein wenig aufgeräumt werden muss. Die Kommunikation zwischen Anforderern und Team, der Iterationsprozess, die Meetingkultur und weitere Baustellen haben sich mit der Zeit ergeben. Dadurch dass es auch einige Wechsel bei den Teammitgliedern gab, gibt es genug zu tun. Vorher war ich auch schon Mitglied von Teams die sich komplett neu gebildet haben. Beides sehr abwechslungsreiche und interessante Aufgaben.

Ansonsten mache ich verschiedene Workshops beim Kunden, meistens zum Thema Anforderungsmanagement und bin auf einigen Konferenzen um über Anforderungsmanagement oder agile Methoden zu sprechen. Ein Projekt selbst entwickelt habe ich allerdings bisher nicht. Natürlich hatte ich im Rahmen meines Studiums Programmierung, sogar schon in der Realschule als Wahlpflichtkurs, aber ein richtig tolles Projekt ist dabei nie rumgekommen. Mir fehlt einfach die Praxis zum selber entwickeln. Ich verstehe worüber sich meine Kollegen austauschen, spreche also ihre „Sprache“, aber würde alleine wenig umgesetzt bekommen. Dafür spreche ich zusätzlich noch die Sprache des Kunden und helfe beide zueinander zu finden und optimal zusammen zu arbeiten.

Wieso gibt es nicht mehr Frauen in der Tech-Branche?

Dass es nicht mehr Frauen in der Tech-Branche gibt, liegt glaube ich daran, dass einige Frauen sich nicht trauen bzw. sich auch zu wenig für den Bereich interessieren. Hürden sehe ich wenige. Bei der HEC gibt es sehr viele Frauen, daher habe ich nicht das Gefühl eine von sehr wenigen zu sein.

Frauen in MINT-Fächern

Ich sehe allgemein einen Vorteil bei gemischten Teams, nicht nur im STEM-Bereich.

Wir brauchen gemischte Teams für verschiedene Perspektiven.

Ich denke in jedem Team ist es gut einige Frauen und Männer vertreten zu haben. Obwohl ich überhaupt kein Fan von Klischees bin, denke ich schon dass Männer und Frauen verschiedene Eigenschaften mitbringen und es für jede Aufgabe und jedes Team nur gesund ist eine Mischung aus diesen Eigenschaften zu haben.

Es wäre toll, wenn diese ganze Diversity-Debatte bald Geschichte wäre. Wie gesagt, ich glaube wir brauchen gemischte Teams für verschiedene Perspektiven um zukünftige Aufgaben gut lösen zu können.

Hindernisse

Ich hatte das Glück, dass man mir keine Steine in den Weg gelegt hat. Ich habe nie Nachteile dadurch gehabt, dass ich eine Frau bin.

Natürlich habe ich auch schon den typischen Entwickler kennengelernt, der meint er bräuchte sich mit mir sowieso nicht austauschen, da ich ihm ja eh nicht verstehen und weiterhelfen könnte. Die meisten konnte ich aber nach einer Weile überzeugen, dass sich der Austausch lohnt. Und die wenigen festgefahrenen Exemplare sollten einem nicht den Tag verderben.

Tipps & Tricks

Lasst euch nicht unterkriegen und traut euch einfach. Es ist eine tolle Branche mit vielen Möglichkeiten. Und was meinen Arbeitgeber angeht um einiges familienfreundlicher als viele andere Bereiche in anderen Firmen.

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