Interview mit Juliette Palacios, Gründerin und Geschäftsführerin von "Computing Minds"

Women in Tech: „Der erste Schritt ist der schwerste, aber am Ende lohnt es sich“
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In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Juliette Palacios, Gründerin und Geschäftsführerin von „Computing Minds“.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Juliette Palacios, Gründerin und Geschäftsführerin von „Computing Minds“

Juliette Palacios ist die Gründerin und Geschäftsführerin der gemeinnützigen Organisation Computing Minds. Computing Minds möchte Mädchen und Frauen schon in jungen Jahren die Grundlagen des Programmierens vermitteln und inspirieren. Deswegen bietet sie kostenlose Programmierkurse für Mädchen im Alter von 9 bis 12 Jahren an. Schon früh erkannte Juliette, dass es in der Welt der Computerprogrammierung eine digitale Kluft (basierend auf Ethnie und Geschlecht) gibt und beschloss, etwas dagegen zu tun.

Wann hast du angefangen, dich für die Tech-Branche zu interessieren?

Als ich in der vierten Klasse war, kam eines Tages nach dem Mittagessen jemand in meine Schule, um uns eine kurze Lektion über die Grundlagen der Informatik zu geben. An diesem Tag habe ich eine Figur dazu gebracht, sich auf dem Bildschirm zu bewegen und durch eine Art Hindernislauf zu gehen, indem ich Codeblöcke zusammengesetzt habe. Diese erste Erfahrung hat mir richtig Spaß und hat mich offener dafür gemacht, mehr darüber in der Zukunft zu lernen.

Als ich 14 Jahre alt war, belegte ich einen Anfängerkurs in Informatik namens „The Joy of Computing“. Ich war dem Kurs gegenüber offen eingestellt, weil ich mich daran erinnerte, wie viel Spaß mir das Programmieren in der vierten Klasse gemacht hat. „Joy of Computing“ wurde schnell zu meinem Lieblingskurs. Ich liebte es, so viele lustige Projekte am Computer erstellen zu können.

Allerdings merkte ich bald, dass in meiner Klasse viel mehr Jungs als Mädchen waren. Außerdem waren viele der Mädchen aus der Klasse nicht daran interessiert, den Kursstoff zu lernen. Als ich mich auf professioneller Ebene in der Informatik umsah, wurde mir klar, wie überaus stark Frauen unterrepräsentiert waren. Ich wusste, dass ich etwas dagegen tun konnte, also fing ich an, Mitfahrgelegenheiten zu organisieren oder mit dem Bus zu örtlichen Grundschulen in Oakland zu fahren, um Mädchen von 9-12 Jahren die Grundlagen der Informatik zu vermitteln.

Je mehr ich anfing, meine Organisation zu entwickeln, desto mehr wurde mir klar, welche Vorteile es hätte, sie in eine gemeinnützige Organisation umzuwandeln. Mit 15 Jahren erledigte ich also den Papierkram, um meine Organisation, Computing Minds, in eine gemeinnützige Organisation umzuwandeln. Es gab eine Menge Papierkram und die Arbeit mit dem Finanzamt war manchmal eine Herausforderung, aber ich kaufte mir ein Nolo-Selbsthilfebuch für die Gründung einer gemeinnützigen Organisation, das mir bei diesem Prozess wirklich geholfen hat.

Ich bin jetzt 16 Jahre alt und bin die Gründerin und Geschäftsführerin meiner gemeinnützigen Organisation Computing Minds

Unterstützung und Hindernisse

Herr Mattix, mein Informatiklehrer, hat mich sehr stark beeinflusst. Er hat mich sehr stark bei allen meinen Projekten unterstützt und er legte die meisten von ihnen in seinen „Hall of Fame“-Projektordner als Beispiele für zukünftige Klassen.

Als ich ihn bat, im Vorstand meiner gemeinnützigen Organisation mitzuarbeiten, nahm er das Angebot gerne an. Seitdem hat er mir als Schülerin, die Informatik liebt und eine gemeinnützige Organisation hat, weiterhin geholfen und mich unterstützt.

Dagegen hat niemand in meinem Leben je versucht, mich davon abzuhalten, Informatik zu lernen, aber es war manchmal schwer. Wenn ich mir anschaue, was ich in der Zukunft machen möchte – in der Wirtschaft und in der Informatik arbeiten – habe ich manchmal das Gefühl, dass es schwer sein wird, erfolgreich zu sein.

Ich sehe so viele Männer, die das tun, was ich tun möchte, aber ich sehe kaum weibliche People of Color wie mich. Diese Art von Unterrepräsentation zu sehen, kann manchmal entmutigend sein, aber ich nutze sie, um daran zu wachsen. Es ist mir sehr wichtig, dass meine gemeinnützige Organisation für eine vielfältige Gruppe von Mädchen zugänglich ist.

Juliettes Alltag

Was mich am meisten mit Stolz erfüllt, sind die Schülerinnen, die ich für Informatik begeistern konnte.

Aufgrund der Pandemie ist Computing Minds dazu übergegangen, Zoom und Scratch (eine visuelle, blockbasierte Codierungssprache) zu verwenden. Zuerst war ich mir nicht sicher, wie gut das funktionieren würde, aber es war großartig. Vorher konnte ich nur Schüler erreichen, die in Fahrreichweite waren, aber jetzt kann ich mehr Schüler unterrichten, die noch weiter weg wohnen und die Reichweite von Computing Minds vergrößern.

Ein typischer Tag beinhaltet bei mir das Beantworten von E-Mails, das Organisieren und Unterrichten von Klassen und andere Arbeiten für die allgemeine Aufrechterhaltung der gemeinnützigen Organisation.

Worauf bist du besonders stolz in deiner Karriere?

Was mich am meisten mit Stolz erfüllt, sind die Schülerinnen, die ich für Informatik begeistern konnte. Es gibt ein starkes Gefühl von Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit, das den Mädchen hilft zu erkennen, dass sie Unterstützung haben, wenn sie in der Zukunft in die Informatik wollen.

Warum gibt es nicht mehr Frauen in der Tech-Branche?

Je mehr Frauen in die Informatik gehen, desto eher wird es die Norm werden, dass vielfältige Menschengruppen zusammenarbeiten.

Es wird einfach nicht als eine Option für sie betrachtet. Vielen Mädchen sagt man, dass sie, wenn sie groß sind, Lehrerin oder Sekretärin werden können. Derzeit ist es in der Gesellschaft noch nicht üblich genug, dass man jungen Mädchen sagt, dass sie auch den Informatik-Bereich in Betracht ziehen können.

Meine Non-Profit-Organisation arbeitet daran, diesen Mädchen zu vermitteln, dass sie dies in ihrer Zukunft tun können, wenn sie es wollen. Es ist auch schwer, sie dazu zu bringen, das zu verfolgen, weil sie so viele Männer in diesem Bereich sehen, sodass es schwer sein kann, sich selbst auch dort vorzustellen.

Könntest du ein paar Hürden nennen, die Frauen in der Tech-Branche überwinden müssen?

Ein schwaches Gefühl für Gemeinschaft und Empowerment. Männer haben andere Ansichten und versuchen, sich durchzusetzen, Frauen werden hingegen nicht als „fähig“ genug betrachtet.

Wie würde unsere Welt aussehen, mit Frauen in der Tech-Branche?

Je mehr Frauen in die Informatik einsteigen, desto mehr wird es zur Norm werden, eine vielfältige Gruppe von Menschen in der Wissenschaft zusammenarbeiten zu lassen. Frauen können auch unterschiedliche Perspektiven einbringen. Wenn sie also an der Entwicklung von etwas arbeiten, können sie wissen, was andere Frauen vielleicht sehen wollen.

Die Diversity-Debatte gewinnt an Fahrt – wie lange meinst du, wird es dauern, bis wir Ergebnisse sehen können?

Es ist schwer, einen konkreten Zeitrahmen zu nennen. Die Geschichte hat Männer und Frauen so lange unterschiedlich behandelt und ihnen unterschiedliche Karrierestereotypen gegeben, dass es noch viele, viele Jahre dauern wird, bis alles zu 100 % ausgeglichen ist.

Tipps & Tricks

Sie sollten wissen, dass sie den Weg für zukünftige Generationen ebnen, obwohl es sich manchmal schwierig anfühlt, eine der einzigen Frauen zu sein. Irgendwo muss man ja anfangen, und die ersten Schritte sind immer die schwersten, aber am Ende wird es sich auszahlen.

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