Interview mit Rebecca Simmonds, Senior Software Engineer für Red Hat

Women in Tech: „Mehr Frauen in Tech sind der Schlüssel für eine gleichberechtigte Welt“
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In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Rebecca Simmonds, Senior Software Engineer bei Red Hat.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Rebecca Simmonds, Senior Software Engineer bei Red Hat

Rebecca Simmonds

In ihrer Rolle als Senior Software Engineer bei Red Hat arbeitet Rebecca in einem disziplinübergreifenden Team mit Datenwissenschaftlerinnen und Entwicklerinnen zusammen, um die Community bei der Entwicklung intelligenter Anwendungen zu unterstützen. Ihre Forschung konzentriert sich auf neue Erkenntnisse im Bereich des maschinellen Lernens und der künstlichen Intelligenz, um die Entwicklung intelligenter Anwendungen zu unterstützen.

Rebecca hat an der Universität von Newcastle in Informatik promoviert.

Was hat dein Interesse für die Tech-Branche geweckt?

Ich begann mich für Technologie zu interessieren, als wir unseren ersten Computer und Einwahlmodem bekamen. Das erste Mal, dass ich es als Karriere in Betracht zog, war als ein inspirierender IT-Lehrer mir das Selbstvertrauen und den Anstoß gegeben hatte, meine Ziele im Technikbereich zu erreichen. Von diesem Punkt an beschloss ich, dass ich meinen Bachelor in Informatik machen wollte. Und das, obwohl ich eine der wenigen Frauen seien würde (was sich damals entmutigend anfühlte) und ich noch nie in der gewählten Kurssprache programmiert hatte. Dieser Druck war bedeutend und sorgt auch heute noch dafür, dass ich meinen Ehrgeiz und meine Karriere innerhalb der Tech-Branche vorantreibe.

Wie verlief dein Weg bis zum jetzigen Job?

Ich beging meine Reise als Informatikstudentin an der Universität Newcastle und promovierte anschließend mit einer skalierbaren geospatialen Twitter-Analyse. Dies gab mir die Fähigkeiten und das Selbstvertrauen, um eine Karriere im Tech-Bereich einzuschlagen. Danach ging ich zu einem Startup-Unternehmen, das jungen Menschen mit Hilfe einer Datenanalyseplattform dabei unterstützte, bessere Karriereentscheidungen zu treffen. Dies ermöglichte es mir, einen Einfluss auf junge Leute im Nordosten Englands auszuüben, indem ich an MINT-Veranstaltungen teilnahm, um mehr Frauen im Tech-Bereich zu unterstützen. Anschließend wechselte ich zu einer anderen Java-EE-Firma für Wohnungsbau und landete danach bei Red Hat. Red Hat hat mir die Chance gegeben, meine datenwissenschaftlichen Fähigkeiten zu verbessern und an Projekten zu arbeiten, die mir sehr am Herzen liegen. Nun hoffe ich, dass ich von meiner individuellen Rolle als Mitarbeiterin ins Management wechseln kann, um anderen Menschen eine großartige Karriere in der Technik zu ermöglichen.

Hindernisse

Ein Hindernis, dass ich überwinden musste, bestand darin, dass ich mich bei ersten Begegnungen mit anderen Leuten mehr beweisen musste als Männer. Ich fand bei diesen ersten Treffen heraus, dass das Weiblichsein mit einem Stigma verbunden ist – dass man weniger weiß als der männliche Gegenpart. Ich habe ebenfalls festgestellt, dass das Stereotyp der “dummen Blondine” nur schwer zu überwinden ist, denn dieser ist fest in der Vorstellung der Menschen verwurzelt. Doch das hat mich umso mehr angespornt, Frauen im Tech-Bereich auf jede nur erdenkliche Art und Weise zu unterstützen, um diese Stereotypen loszuwerden. Auch verhielten sich nicht alle auf die gleiche Weise, ich hatte viele männliche Kollegen als Mentoren, die mir dabei halfen, meine Karriere vorwärts zu bringen.

Weiblichsein ist mit einem Stigma verbunden, dass man weniger weiß als der männliche Gegenpart.

Vorbilder und Unterstützer

Ich hatte immer das Glück von meiner Familie und meinen Freunden unterstützt zu werden. Insbesondere von meinen Eltern und meiner Schwester, die mir dabei halfen, mein Studium zu finanzieren und mir den Antrieb gaben, nach den Sternen zu greifen. Mein Vorbild ist meine Großmutter, die unermüdlich für mehr Gleichberechtigung an ihren Arbeitsplätzen kämpfte. Sie inspirierte mich zu Tatkraft und Ehrgeiz und dass das Geschlecht kein Makel oder etwas derartiges ist, das mich zurückhalten würde.

Hat jemals jemand versucht dich auszubremsen?

Ich hatte Herausforderungen in der Voreingenommenheit gegenüber Frauen in der Technik erlebt und mir wurde gesagt, dass ich nie so gut sein konnte wie die Männer in der Tech-Branche. Ich halte es dennoch für wichtig, dass man versucht, diese Menschen aufzuklären, um Frauen in der Tech-Branche zu unterstützen und welchen Nutzen die Industrie von uns hat. Allerdings hat das nicht immer geklappt und der letzte funktionierende Ausweg besteht darin, von solchen Menschen Abstand zu nehmen.

Ein Tag in Hannas Leben

Derzeit arbeite ich für Red Hat, ein Unternehmen für Unternehmenssoftware mit einem Open-Source-Entwicklungsmodell. Ich übernehme eine Managementfunktion, um andere Personen in einem KI-Projekt innerhalb des Unternehmens zu unterstützen. Diese Arbeit wird dazu beitragen, erklärbare KI innerhalb des Unternehmens zu ermöglichen, so dass wir den Kunden helfen können, Routineaufgaben in ihrem Arbeitsalltag zu automatisieren, um die Produktivität zu verbessern. Ein typischer Arbeitstag besteht für mich derzeit aus einigen Einstellungsgesprächen, die sich in Orientierungs- und dann in Managementgespräche verwandeln. Außerdem programmiere und forsche ich rund um den bereits erwähnten neuen Anreiz, den das Unternehmen für diese Spitzenforschung hat.

Worauf bist du besonders stolz in deiner Karriere?

Am meisten stolz bin ich auf die MINT-Veranstaltungen und die Arbeit, die ich leiste, um jungen Menschen, insbesondere Frauen, den Einstieg in die Technik zu erleichtern. Bei Red Hat nehmen wir unsere Beteiligung in MINT sehr ernst und leiten Initiativen wie die jährliche Open Schools Coding Competition, die Mädchen und Jungen im Alter von 11 bis 14 Jahren dabei hilft, Apps für ihre Lieblingswohltätigkeitsorganisation zu erstellen.

Ich bin stolz auf die MINT-Veranstaltungen und die Arbeit, die ich leiste, um jungen Menschen, insbesondere Frauen, den Einstieg in die Technik zu erleichtern.

Das Ziel des Wettbewerbs ist es, Schülerinnen für Informatik zu begeistern und sie schon vor der Wahl ihres Faches für den mittleren Schulabschluss (GCSE: General Certificate of Secondary Education) zu gewinnen. Ich fand die jungen Schüler und jungen Frauen inspirierend und es ist ein großartiger Motivator, um die gute Arbeit fortzusetzen und meinen Ehrgeiz in meiner derzeitigen Karriere aufrechtzuerhalten.

Wieso gibt es nicht mehr Frauen in der Tech-Branche?

Ich denke, es ist ein Mangel an Bildung und die Angst vor dem Unbekannten. Ich habe schon früher mit Mädchen gesprochen, denen von den Eltern gesagt wurde, dass sie eine Karriere als Krankenschwester oder Friseurin anstreben müssten – dieses Vorurteil ist traurig. Ich denke jedoch, dass dies ein Mangel an Bildung ist und durch MINT-Veranstaltungen und die Einbeziehung von Menschen in diese Veranstaltungen gestoppt werden kann. Ebenso wie durch die Präsentation von Frauen, die jetzt in diesem Sektor tätig sind (mit Konferenzen usw.). Wir müssen auch dafür sorgen, dass mehr Unternehmen die Führung bei der Unterstützung von Initiativen für Diversität und Integration übernehmen und ein wirklich integratives Umfeld schaffen. Bei Red Hat ist die Kultur in den Open-Source-Werten verwurzelt und fördert die Einbeziehung von Ideen aller, unabhängig von Hintergrund, Berufsbezeichnung oder Dienstalter.

Welche Hindernisse müssen Frauen in Tech-Branche überwinden?

Überwindung von Stereotypen, die die Glaubwürdigkeit einer Frau am Arbeitsplatz untergraben können, und härter für den Respekt meiner Kollegen arbeiten zu müssen.

Würde unsere Welt anders aussehen, wenn mehr Frauen in MINT arbeiten würden?

Mehr Frauen im Tech-Bereich zu haben, öffnet die Tür zu einer gleichberechtigteren Welt. Dies könnte dazu beitragen, die Gleichberechtigung auch für andere Minderheiten zu erhöhen.

Wenn mehr Frauen in der Lage sind, zu forschen und Mittel für verschiedene Projekte zu erhalten, trägt dies zur Vielfalt der geleisteten Arbeit bei und könnte dazu beitragen, die Forschung in wichtigen Themenbereichen zu verbessern.

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