Interview mit Tzofia Shiftan, Engineering Manager bei Intercom

Women in Tech: „Das Imposter-Syndrom ist real, aber man kann dagegen ankämpfen“
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In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir spannende und inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Tzofia Shiftan, Engineering Manager bei Intercom.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Tzofia Shiftan, Engineering Manager bei Intercom

In den letzten fünf Jahren arbeitete Tzofia bei OverOps, einem Startup mit Sitz in Tel Aviv, wo sie das Anwendungs-Team leitete. Dort half sie Entwicklern herauszufinden, wann und warum ihr Code in der Produktion abbricht. Darüber hinaus ist sie Gründerin der R&D Leaders Group in Tel Aviv. Tzofia spricht auf Konferenzen und bei Meetups und schreibt gelegentlich über Technologie. Auf Twitter findet man sie unter dem Handle @tzofias.

Was hat dein Interesse für die Tech-Branche geweckt?

Meine Liebe zu Computern begann in den frühen 90ern, als meine Eltern einen brandneuen Computer nach Hause brachten. Ich erinnere mich daran, wie ich stundenlang dieses eine Spiel spielte, dass wir auf einer großen Diskette hatten. Auch mein zweiter Computer ist mir noch lebhaft im Gedächtnis und wie ich gelernt habe, Windows, Word und Powerpoint zu benutzen. Wenn ich heute daran zurückdenke, muss ich (nostalgisch) lachen. Aber abgesehen von der Nostalgie war es etwas anderes, das mich dazu brachte, mich in die Technologie zu verlieben.

Als ich sechs Jahre alt war, bekam ich einen Elektro-Bausatz. Ich werde mich immer an die Zufriedenheit erinnern, die ich empfand, wenn ich einen Stromkreis fertiggestellt hatte und das Licht aufleuchtete. Eine weitere starke Erinnerung verbinde ich auch mit der Fertigstellung meines ersten selbstgeschriebenen Programms. Ich war von der Möglichkeit fasziniert, etwas aus dem Nichts zu erschaffen. Dieses Gefühl des Kreierens hat mich wirklich an diese Welt gebunden.

Nachdem ich dachte, ich hätte alles über Computer gelernt, brachte mein großer Bruder Informatik-Lehrbücher mit nach Hause. Ich war wirklich neugierig, also begann ich, sie zu lesen und lernte so die Grundlagen der Programmierung. Als alle meine Freunde in der High School waren, fand ich meinen ersten Job als Entwicklerin und ich genoss jeden Moment. Später, als ich die High School abgeschlossen hatte, leistete ich meine Wehrpflicht in einer technologischen Einheit ab. Als es darum ging, danach einen Studiengang zu wählen, habe ich mich ohne zu zögern für die Informatik entschieden.

Gegen Ende meines Bachelor-Studiums wurde mir klar, dass ich mich in der Forschung probieren möchte und habe daraufhin meinen Master-Abschluss in Informatik gemacht. Gleichzeitig begann ich, nach meinem ersten Vollzeitjob zu suchen.

Was lange währt…

Es gab damals zwei Stellen, die ich wirklich haben wollte. Die erste war bei einem jungen Startup namens Takipi, dass gerade erst gegründet worden war. Zwischen mir und den Gründern herrschte eine tolle Chemie und das Produkt war sehr innovativ, allerdings war ich damals zu jung, also passte es nicht. Ich entschied mich für die zweitbeste Stelle und trat dem Innovationsteam von Thomson Reuters bei. Zusammen mit einem brillanten Manager und modernster Technologie war es der ideale Ort, um mir einen großes technologisches Hintergrundwissen anzueignen.

Eineinhalb Jahre später kamen die Gründer von Takipi auf mich zu und boten mir den Job an, den ich 18 Monate zuvor nicht bekommen hatte.

Ich hatte nie das Gefühl, dass mich jemand oder irgendetwas am Vorankommen hindern wollte.

Ich war der achte Mitarbeiter bei Takipi und als ich fünf Jahre später ging, hatte das Unternehmen, das inzwischen seinen Namen in OverOps geändert hatte, weltweit mehr als 100 Mitarbeiter. Die ganzen Jahre hatte ich das Privileg, mit super talentierten Menschen und einem unglaublichen Manager zu arbeiten, dem ich den größten Teil meiner Entwicklung zu verdanken habe. Rückblickend war es eine der besten Entscheidungen, die ich getroffen habe, einem Startup in einer so frühen Phase beizutreten. Es hat meine Sicht auf Technik, Produktion und Strategie erweitert und mir ermöglicht, aus erster Hand mitzuerleben, wie man ein Unternehmen aufbaut und Wachstum generiert. Es gab mir auch viele Möglichkeiten, mich selbst zu entwickeln: vom Engineer über die Leitung eines Teams hin zum Engineering Manager.

Hilfe und Hindernisse

Bei mir Zuhause wurde nie ein Unterschied zwischen dem gemacht, was weiblich und was männlich ist.

Wenn ich darüber nachdenke, war eine gesunde Wahrnehmung meiner selbst die beste Unterstützung, die ich von meiner Familie erhielt. Bei mir Zuhause wurde nie ein Unterschied zwischen dem gemacht, was weiblich und was männlich ist. Als ich mich entschied, Informatik zu studieren, fühlte ich mich nicht eingeschüchtert, weil ich einen „männlichen“ Beruf gewählt hatte. Ganz im Gegenteil, ich fühlte einfach, dass ich das Feld auswählte, für das ich eine Leidenschaft habe.

Ich hatte nie das Gefühl, dass mich jemand oder irgendetwas am Vorankommen hindern wollte. Im Gegenteil. Es gibt in unserer Branche so viele Möglichkeiten, dazu zu lernen und zu wachsen. Alles, was man tun muss ist, sie zu erkennen und sich nicht von Selbstzweifeln aufhalten zu lassen.

Ein Tag in Tzofias Leben

Ich werde bald eine neue Aufgabe übernehmen und würde mich daher freuen, zu einem späteren Zeitpunkt mehr darüber zu berichten.

Ein Jahr nach der Übernahme meiner ersten Führungsrolle versuchte ich herauszufinden, wie ich ein besserer Manager werden kann. Ich stellte fest, dass es in unserer Branche zwar viele Meetup-Gruppen für Entwickler gibt, aber für Manager von Entwicklern gibt es nichts dergleichen. Also habe ich beschlossen, diese Lücke zu füllen und selbst eine zu gründen.

Vor 18 Monaten gründete ich also zusammen mit dem großartigen Henn Idan eine neue Gruppe namens R & D Leaders. Die Idee war, Tech-Managern einen Ort zu geben, an dem sie andere Manager treffen, deren Managementpraktiken kennenlernen, sich über Methoden und Herausforderungen austauschen, Ratschläge erteilen und erhalten sowie sie dabei zu beraten, wie sie ihren Job am besten machen. Heute besteht die Gruppe aus über 500 Managern aus verschiedenen Unternehmen und Branchen. Alle machen mit dem Ziel mit, besser zu werden, in dem was sie tun und ihren Mitarbeitern zu helfen, sich ebenfalls zu verbessern. Die monatlichen Meetups waren ein großer Erfolg und wir sind dabei, bald eine weitere F & E Leader Community in London zu eröffnen.

Wieso gibt es nicht mehr Frauen in der Tech-Branche?

Ich glaube, dass wir als Gesellschaft dafür verantwortlich sind, wie es heute ist. Schon in jungen Jahren ziehen wir Grenzen und definieren was richtig und was falsch ist. Es beginnt mit den Eltern, die Mädchen in rosa und Jungen in blau kleiden, und später den Mädchen Puppen und den Jungs Autos kaufen. Wenn wir einen Beruf wählen müssen, sind wir dadurch voreingenommen. Erst wenn wir aufhören, Technologie als ein männliches Feld zu betrachten und zu vermitteln, werden wir mehr Frauen in diesem Gebiet finden.

Ich denke, dass wir bereits Ergebnisse der aktuellen Diversitätsdebatte sehen, was wirklich großartig ist. Aber wir sind weit von einem Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern entfernt. Ich glaube wirklich, dass wir erst dann echte Gleichheit sehen werden, wenn wir aufhören Stereotypen in unserem täglichen Sprachgebrauch und Verhalten zu verwenden.

Ich glaube, dass wir als Gesellschaft dafür verantwortlich sind, wie es heute ist.

Herausforderungen

So wie ich das sehe, stehen Frauen in der Technologiebranche vor den gleichen Herausforderungen wie Männer. Aber eine Minderheit zu sein und immer wieder feststellen zu müssen, dass du die einzige Frau im Raum bist, könnte für einige von uns manchmal eine Herausforderung sein.

Tipps & Tricks

Zu den schönsten Dingen unserer Branche gehört, dass sie das Lernen fördert, sie den Menschen erlaubt zu sein, wer sie sind, und originelles Denken und Kreativität wertgeschätzt werden. Wer eine Tech-Karriere anstrebt – sollte es durchziehen und jeden Moment genießen.

Und ein paar letzte Tipps:

  1. Sucht euch einen Arbeitsplatz anhand der Mitarbeiter und eurem zukünftigen Manager aus, da dieser einen großen Einfluss auf eure Entwicklung haben wird.
  2. Nehmt euch Zeit eure Ziele zu erkennen, setzt sie euch entsprechend und arbeitet aktiv daran, diese zu erreichen.
  3. Geht zu Meetups und Konferenzen, stellt sicher, dass ihr immer dazulernt und gute Kontakte zu anderen Menschen in der Branche aufbaut.
  4. Seht ein, dass das Imposter-Syndrom existiert und es Möglichkeiten gibt, dagegen anzukämpfen.
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