Interview mit Sivan Nir, Senior Analyst bei Skybox Research Lab.

Women in Tech: “Ihr müsst wissbegierig sein und eine Leidenschaft für’s Lernen haben”
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In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Sivan Nir, Senior Analyst bei Skybox Research Lab.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Sivan Nir, Senior Analyst bei Skybox Research Lab.

Sivan Nir ist die leitende Analystin im Skybox Research Lab, einem Team engagierter Schwachstellenforscher, das Schwachstellendaten aus mehr als 30 öffentlichen und privaten Schwachstellendatenquellen sammelt und analysiert. Sivan Nir verfügt über mehr als 10 Jahre Erfahrung in der Analyse von Business-Intelligence-Daten. Sivan hat einen MBA und einen Bachelor-Abschluss in Biotechnology Engineering.

Was hat dein Interesse für die Tech-Branche geweckt?

Ich glaube, bei mir war es eher eine intuitive Entscheidung. Schon vor dem Gymnasium habe ich einfach gemerkt, dass ich mich in den exakten Wissenschaften wohler fühle. Ich bin mir nicht sicher, ob es die Technik war, die mich anfangs angezogen hat, sondern eher Wissenschaft und Mathematik. Während der Zeit im Gymnasium wurde mir klar, wie breit die wissenschaftlichen Grundlagen im wirklichen Leben anwendbar sind, und dann wurde Technik zu einem interessanten Thema.

Wie kamst du zu deiner aktuellen Berufslaufbahn?

Am Gymnasium lernte ich Physik, Informatik und Mathematik. Ich habe dann das Hauptfach Biotechnologie an der Universität studiert. Daher war es nur natürlich, dass ich später einen technisch orientierten Berufsweg wählte. Ich fing als Verfahrenstechnikerin an, bevor ich merkte, dass das nichts für mich war. Die analytischen Fähigkeiten, die ich während meines Studiums erworben habe, halfen mir eine Business-Intelligence- und Analyseteamleiterin zu werden. Später schloss ich meinen Master in Betriebswirtschaft ab und nahm eine Stelle als Produktmanagerin an. Ich bekam dann später die Gelegenheit, bei Skybox Security einzusteigen und das Forschungsteam für Cyber-Bedrohungen zu leiten.

Ich persönlich habe mich nie davon abgehalten gefühlt, mich für Wissenschaft und Technik als Beruf zu entscheiden. Dies war sicherlich kein leichter Weg. Anspruchsvolle Studien, lange Arbeitszeiten, unmögliche Zeitpläne, intensives Arbeitstempo und endloses Forschen gehören dazu, aber ich betrachte dies nicht als Hinderniss, sondern eher als Herausforderung.

Die Arbeit in technologischen Bereichen sollte als spannend, mit einer glänzenden Zukunft – und nicht als einschüchternd – angesehen werden.

Hattest du Unterstützung?

Ich bin in einer sehr unterstützenden und fürsorglichen Umgebung aufgewachsen und wurde ermutigt, meinen eigenen Weg zu wählen. Für mich bedeutete dies, die mir gebotenen Möglichkeiten zu ergreifen, um einen technologischen Weg zu beschreiten. Die Hochschulbildung wurde in meiner Familie immer gefördert und sowohl meine Schwestern als auch ich haben fortgeschrittene Abschlüsse in verschiedenen Bereichen. Mein Vater war Elektroingenieur und ich interessierte mich schon in jungen Jahren für seine Arbeit. Er brachte mir Sachen bei und ließ mich dabei helfen, Dinge zu reparieren. Er hatte trotz allem einen großen Einfluss auf mich.

Hat jemals jemand versucht, dich vom Lernen oder vom Vorankommen im Beruf abzuhalten

Die kurze Antwort lautet nein, aber ich glaube, dass ich in dieser Hinsicht einfach sehr viel Glück hatte.

Ein Tag aus Sivans Leben

Ich leite ein Team hochqualifizierter Sicherheitsanalytikerinnen, die täglich Dutzende von Datenfeeds und Quellen der öffentlichen und privaten Sicherheit durchkämmen, darunter auch Untersuchungen, bei denen das Darknet zur Schaffung von Erkenntnissen über Bedrohungen genutzt wird. Wir entwickeln unsere eigenen Werkzeuge und Rahmenbedingungen, um diese Aufgaben präzise und täglich ausführen zu können. Ich finde es sehr erfüllend, mit meinem Team ein Brainstorming darüber durchzuführen, wie wir uns verbessern und über Neuigkeiten im Bereich der Sicherheit auf dem Laufenden halten können. Die sich ständig verändernde Bedrohungslandschaft sorgt dafür, dass meine Karriere interessant bleibt. Kein Tag gleicht dem anderen.

Worauf bist du in deiner Karriere am meisten stolz?

Ich bin stolz darauf, einen Haufen außergewöhnlicher Menschen zu leiten, die ihre Arbeit lieben und wirklich darin brillieren. Es gibt da zudem ein professionelles Gefühl der Erfüllung, denn ich weiß mit Sicherheit, dass unsere Bemühungen etwas bewirken. Wir helfen Unternehmen, mit ihren sich ständig verändernden Cyber-Bedrohungen umzugehen und Cyber-Angriffe zu verhindern.

Wieso gibt es nicht mehr Frauen in der Tech-Branche?

Der Bereich der Cybersicherheit wird oft als männlich angesehen, was Frauen manchmal davon abhalten kann, diesen Bereich zu betreten. Dies sollte Frauen jedoch nicht davon abhalten, sich auf Management- oder technische Positionen zu bewerben, insbesondere nicht auf solche, die mit der Cybersicherheit in Verbindung stehen.

Da der Bereich der Cybersicherheit so neu und dynamisch ist, lebt er zudem von der Diversität, nicht nur in Bezug auf die Geschlechter, sondern auch in Bezug auf den Hintergrund. Mein eigenes Team kommt aus allen Gesellschaftsschichten, was einer der Hauptgründe dafür ist, dass wir bei der Erforschung und dem Verständnis des Kontexts von Cyberbedrohungen so erfolgreich sind. Es bedarf einer konzeptionellen Veränderung; nicht nur Männer mit einem Informatikstudium oder einem gleichwertigen Abschluss können auf diesem Gebiet erfolgreich sein.

Darüber hinaus denke ich, dass junge Frauen ermutigt werden müssen, bereits in der Schule mehr technikorientierte Bildungsentscheidungen zu treffen. Die Arbeit in technologischen Bereichen sollte als spannend, mit einer glänzenden Zukunft – und nicht als einschüchternd – angesehen werden. Praktikumsprogramme für junge Frauen sind auch eine Möglichkeit, mehr Frauen zu ermutigen, in diesem Bereich tätig zu werden.

Tatsache ist, dass das MINT-Verhältnis in Israel bei etwa 2:5 zugunsten der Männer liegt. Die nordamerikanischen Zahlen sind ähnlich und Großbritannien liegt mit 1:7 noch weiter zurück. In gewisser Weise ist dies ein Teufelskreis; Technik wird als ein männlich dominierter Sektor angesehen und zieht daher weniger Frauen an, was im Gegenzug dazu führt, dass Frauen im Technikbereich wieder unterrepräsentiert sind.

Man könnte versuchen, dieses Phänomen damit zu erklären, indem man bis in die frühe Kindheit zurückgeht und die Geschlechterrollen (Barbies vs. Trucks) betrachtet. Die Wahrheit ist jedoch die, dass Mädchen in den meisten Fächern in der Schule besser abschneiden als Jungen und ich denke, dass es wirklich schade ist, dass weniger Frauen eine technische Laufbahn einschlagen.

Welche Hürden müssen Frauen heute immer noch überwinden?

Während meiner gesamten Karriere ist mir aufgefallen, dass Frauen in der Regel etwas stärker auf Chancen und Anerkennung drängen müssen. Aber das sollte Frauen nicht davon abhalten, sich auf Management- oder technische Positionen zu bewerben, insbesondere nicht auf solche, die mit der Cybersicherheit in Verbindung stehen.

Leider ist auch Sexismus immer noch weit verbreitet. Ich hatte großes Glück und bin an den Orten, an denen ich gearbeitet habe, nicht auf Sexismus gestoßen. Außerdem ist das Gehaltsgefälle zwischen Männern und Frauen in der Branche immer noch sehr frustrierend.

Lasst Euch nicht von der Komplexität und den Wissenslücken entmutigen und überwältigen.

Würde unsere Welt anders aussehen, wenn mehr Frauen im MINT-Bereich arbeiten würden?

Unsere Welt steht vor mehreren Herausforderungen und wir brauchen jedes Mittel, um diese Bedrohungen zu verstehen und praktikable Lösungen zu finden. Die Bereiche Wissenschaft, Technologie, Ingenieurwesen und Mathematik (MINT) stehen bei der Schaffung von Werkzeugen und innovativen Lösungen an vorderster Front. Um die besten Lösungen zu erreichen, ist Diversität erforderlich. Dazu gehören auch Frauen.

Teams mit Diversität sind effizienter, wenn es um Problemlösungen geht, wenn unterschiedliche Stimmen, Standpunkte, Fachkenntnisse und Lebenserfahrungen zum Tragen kommen. Die Einbeziehung von Frauen als Innovatorinnen, Entscheidungsträgerinnen und Akteurinnen der Gemeinschaft wird zu besseren Lösungen für die sich ständig verändernden Herausforderungen führen.

Die Diskussion über Diversität nimmt Fahrt auf. Wie lange wird es dauern, bis wir Ergebnisse der aktuellen Debatte sehen?

Ich hoffe, dass es nicht lange dauern wird, sodass, wenn meine 2 und 5 Jahre alten Töchter ans Gymnasium gehen, die MINT-Fächer ebenso selbstverständlich zur Wahl stehen werden, wie die Geistes- und Sozialwissenschaften.

Tipps & Tricks

Ihr müsst wissbegierig sein und eine Leidenschaft fürs Lernen haben. Man sollte einen ausgeprägten Sinn für Neugier haben, zusammen mit einem hartnäckigen Bedürfnis, Probleme zu lösen und Antworten zu finden. Findet einen Weg, euch mit den technischen Fähigkeiten vertraut zu machen, die ihr benötigt, um in dieser Branche erfolgreich zu sein. Lasst euch von der Komplexität und den Wissenslücken nicht entmutigen und überfordern. Ihr solltet in der Lage sein, die technischen Lücken nach und nach zu schließen. Ich empfehle auch, das man sich die Zeit für die Vernetzung mit anderen Fachleuten der Branche nimmt.

Nehmt euch auch die Zeit, die richtige Stelle für euch zu finden, und berücksichtigt dabei das Arbeitsumfeld und die Besonderheiten des Projekts oder Produkts, an dem ihr arbeiten werdet. Ihr solltet euch für eure Arbeit begeistern können.

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