Interview mit Tanja Hofmann, Pre-Sales Engineer

Women in Tech: „Der Vorteil von mehr Frauen in der Tech-Branche ist ganz klar eine Team-Vielfalt am Arbeitsplatz“
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In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Tanja Hofmann, Pre-Sales Engineer bei McAfee.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Tanja Hofmann

Tanja Hofmann

Tanja Hofmann hat an der Universität Hamburg einen Master-Abschluss in Informatik mit dem Schwerpunkt System- und Infrastruktursicherheit erworben. Sie ist Pre-Sales Engineer bei McAfee und arbeitet mit namhaften deutschen Kunden. Sie begann ihre Karriere im Bereich Firewall und Verschlüsselung, verbrachte einige Zeit mit Netzwerkanalyse-Techniken, liebte aber immer die Sicherheit. Tanja arbeitet seit dem ersten Tag der Produktversion mit McAfee Endpoint Security zusammen. In ihrer Kundenarbeit unterstützt sie bei der Aktualisierung und Optimierung der Sicherheitsinfrastruktur. Dazu gehören nicht nur Upgrades auf Sicherheitstechnologien der nächsten Generation, sondern auch die strategische Planung mit dem Kunden, um den Security Lifecycle zu leben.

Was hat dein Interesse für die Tech-Branche geweckt?

Ich hatte schon relativ früh einen Rechner (das C64 Zeitalter), wir hatten Computerkurse in der Schule und ich war immer schon mehr auf dem Mathematik-/Physik-/Technik-Trichter, fand Puppen doof und Kettcars toll. Ich denke, das kommt also sehr stark aus dem Eigeninteresse. Ich war dann in der Oberstufe auf einem technischen Gymnasium und bin dort entsprechend schon viel mit Elektrotechnik und Informatik in Berührung gekommen. Da hat sich auch mein Wunsch ausgebildet eigentlich Bauingenieurwesen zu studieren, am Ende ist es dann aber doch Informatik geworden.

Ich habe schon relativ schnell begriffen, dass IT ein Zukunftsthema sein wird.

Ich hatte Glück, dass es an der Uni Hamburg schon früh einen Schwerpunkt für Computer-Sicherheit gab – ein Thema, das mich schon früh interessiert hat. So haben wir damals schon viel über die Gefahren des Internets diskutiert, wieviel IT in Flugzeugen steckt und wieviel IT in Krankenhäusern eingesetzt wird. Ich habe schon relativ schnell begriffen, dass das ein Zukunftsthema sein wird und bin dann in diesem Bereich geblieben. Damals gab es an der Uni das sogenannte Virus Test Center (VTC). Hier hat die Uni unter Professor Brunnstein schon früh angefangen AV Tests durchzuführen. So kam man relativ schnell in Kontakt mit den Herstellern der Produkte. Auch damals waren Fachkräfte schon schwierig zu finden – sicherlich nicht so extrem wie heute – aber auch damals haben die Firmen Nachwuchs an der Uni gesucht und über das VTC gab es hier gute Kontakte. Ich habe dann als Studentenjob bei „Dr. Solomon’s Software“, einer der ersten Hersteller von AV-Software, angefangen. Damals gab es Signatur Updates noch auf Disketten und die wurden einmal pro Woche verschickt. Hier hat sich viel geändert.

Vorbilder und Unterstützer

Zum großen Teil hat mich sicherlich damals mein Professor unterstützt. Wir waren damals in meinem Studiengang nur ungefähr zehn Frauen und ich war die einzige in dem Bereich Computer-Security. Durch die Bekanntheit meines Professors (Computer-Security war Mitte der 90er Jahre ein noch nicht so verbreitetes Thema) gab es bei jedem Vorfall, wie etwa einem Malware-Ausbruch oder einem Flugzeugabsturz, Besuch von der Presse. Da auch Studenten für Kommentare oder Interviews gesucht wurden, war ich meist dabei. Später war es dann mein amerikanischer Chef, der mich immer wieder ermuntert hat, in Richtung technischer Pre-Sales zu gehen. Bestimmte weibliche Vorbilder gab es aber eigentlich nicht so richtig.

Ein Tag in Tanjas Leben

Ich bin Pre-Sales Engineer bei McAfee. Das Produktportfolio ist sehr groß, so dass man sich mit vielen unterschiedlichen Themen beschäftigen kann und viele Teile der Anforderungen an die IT-Security abgedeckt werden können. Der Job hat in der Industrie viele unterschiedliche Bezeichnungen, wird aber meist als SE – also Sales Engineer oder Systems Engineer oder Security Engineer abgekürzt. Aufgabe eines SEs ist es in erster Linie, Kunden in technischen Fragen zu beraten und Produkte zusammen mit dem Kunden zu evaluieren. Als SE hat man keine direkt geregelten Arbeitszeiten und ist viel unterwegs, da direkte und persönliche Kundenbetreuung ein wichtiger Punkt ist. Mein ehemaliger Chef sagte einmal, als SE muss man 40 Prozent Techniker, 40 Prozent Vertriebler und 20 Prozent Entertainer sein. Ich denke das trifft es ganz gut!

Ich fokussiere mich auf die Themen, die die Industrie aktuell bewegen.

Ich habe selbst bisher nichts entwickelt. Mir war schon relativ früh klar, dass Programmierung nicht mein Ding ist. Ich fokussiere mich auf die Themen, die die Industrie aktuell bewegen und auf die Entwicklung der (hoffentlich!) guten Beziehung zu unseren Kunden.

Wieso gibt es nicht mehr Frauen in der Tech-Branche?

Ich glaube, dass uns unser altes Bildungssystem immer noch nachhängt und der Grund dafür ist, dass wir nicht viele Frauen in technischen Berufen sehen. Technische Fächer waren früher oft mehr für Jungs ausgelegt und viele Mädchen haben sich davon eingeschüchtert gefühlt und eine Art Self-Fulfilling-Prophecy entwickelt – im Sinne von „das sind technische oder mathematische Fächer, da bin ich bestimmt nicht gut darin, das ist eher etwas für Jungs“. Zum Glück hat sich das aber geändert. Es gibt im Bildungssystem immer mehr Initiativen, die Mädchen dazu motivieren sich auf technische und naturwissenschaftliche Fächer zu spezialisieren, und das bereits von einem jungen Alter an. Es ist also wichtig, dass Mädchen nicht mit dem Glauben aufwachsen, dass diese Fächer nur etwas für Jungs sei. Da dies zuvor leider oft der Fall war, sehen wir heute entsprechend wenig Frauen in der IT.

Frauen in MINT-Fächern

Der Vorteil von mehr Frauen in der Tech-Branche ist ganz klar eine Team-Vielfalt am Arbeitsplatz. Unterschiedliche Ideen und Ansätze sind gerade bei der Problemlösung und in der Teamarbeit unabdingbar. Besonders im Bereich Threat Hunting und Innovation profitieren Teams von Diversity. Es ist schade, dass Frauen in Tech immer als etwas Besonderes dargestellt werden. Es gibt so viele andere Felder in denen Frauen und Männer genau die gleichen Jobs haben und niemand hinterfragt wer es nun besser macht. Die Antwort ist jedenfalls: ja, sehr viele Bereiche würden durch Vielfalt in den Teams profitieren und mehr Frauen stellen einen klaren Vorteil im Bereich Innovation dar.

Aktuell muss das Bewusstsein für das Thema Diversity allerdings noch weiter gefördert werden.

Ich hoffe, dass die Diversity-Debatte bald Geschichte sein wird! Andernfalls werden wir uns immer fragen, ob Frauen bestimmte Jobs nur bekommen, weil Unternehmen eine Quote erfüllen müssen. Aktuell muss das Bewusstsein für das Thema allerdings noch weiter gefördert werden, damit wir irgendwann an diesen Punkt kommen, an dem keine Quote mehr notwendig ist. Wie bereits erwähnt, gibt es viel Initiativen, die die Diversity-Debatte vorantreiben. Zum Beispiel gibt es bei McAfee das „Return to Work“-Programm, das MitarbeiterInnen nach der Elternzeit den Wiedereinstieg in den Job erleichtert. Das Programm stellt sicher, dass Angestellte wieder professionell und erfolgreich in den Arbeitsalltag und ihren Karriereweg eingegliedert werden können. Außerdem hat McAfee die WISE-Initiative ins Leben gerufen – Women in Security. WISE stärkt Frauen in der IT-Sicherheitsindustrie durch personalisierte Unterstützung auf jedem Karrierelevel. Im Rahmen der Initiative werden auch regelmäßige Networking-Veranstaltungen durchgeführt, die einen Austausch zwischen Frauen in der Industrie ermöglichen. Diese Art von Initiativen tragen längerfristig dazu bei, dass die Diversity-Debatte bald überflüssig wird.

Hindernisse

Eigentlich hat man mir keine Steine in den Weg gelegt und heute ist das auch noch einfacher als damals. Nach meinem Bachelor-Studium war ich für ein Semester in den USA an der Uni. Hier lernt man zwar in der kurzen Zeit nicht viel Fachliches, aber dafür die Sprache. Da Englisch ein absolutes Muss in der IT-Branche ist, hat mir das auch viel Selbstvertrauen geschenkt.

Ich habe manchmal das Gefühl, dass man sich als Frau erst Mal beweisen muss.

Es ist immer wieder amüsant, wenn ich mit einer Vertriebskollegin zusammen zum Kunden gehe – zwei Frauen in der IT, die etwas Technisches verkaufen wollen. Insbesondere bei Management-Terminen, wo doch oft noch die „ältere“ Generation vertreten ist, habe ich manchmal das Gefühl, dass man sich als Frau erst Mal beweisen muss. Das ist bei SOC-Terminen meist kein Problem, da hier die Mitarbeiter jünger sind. Es wird aber besser. Früher gab es deutlich mehr Vorurteile. Hier hätte ich etliche Beispiele, die aber alle bereits weit in der Vergangenheit liegen. Das Bild hat sich in den letzten 5-7 Jahren doch stark geändert hat.

Tipps & Tricks

Die Tech-Branche ist definitiv ein Gebiet mit Zukunft und Jobsicherheit. Die Industrie wird sich immer weiterentwickeln, man hat also keinen langweiligen Job. Und beim aktuellen Fachkräftemangel sollte es kein Problem sein, einen Job zu finden. Allerdings muss man sich auch im Klaren sein, dass das kein klassischer 9-5 Job ist, bei dem man um Punkt 17 Uhr seine Arbeit getan hat. Der Einstieg ist glaube ich immer ein wenig Glückssache, man kann SE ja nur eingeschränkt „lernen“, wobei sich auch dies positiv entwickelt.

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