Interview mit Theresa Miller, Principal Technologist bei Cohesity

Women in Tech: „Es ist spektakulär, wenn Frauen andere Frauen ermächtigen“
Keine Kommentare

In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Theresa Miller, Principal Technologist bei Cohesity

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Theresa Miller, Principal Technologist bei Cohesity

Theresa Miller ist als Principal Technologist bei Cohesity tätig und eine professionelle Informatikerin mit einem MBA-Abschluss. Seit über 20 Jahren arbeitet sie als technische Expertin und hat einen einzigartigen Stand in der Tech-Branche als Microsoft MVP, Citrix CTP und VMware vExpertin hat. Ihre Fachgebiete sind Cloud, Hybrid Cloud, Office 365, VMware und Citrix, zudem ist sie ebenfalls die Gründerin des Community-Blogs https://24x7itconnection.com.

Was hat Dein Interesse für die Tech-Branche geweckt?

Ich bin in gewisser Hinsicht eher in die Technik “hineingestolpert”. Ich hatte bereits sehr früh daran gedacht, Buchhalterin zu werden, doch nach meinem ersten Jahr an der Universität und belegten Seminaren zur Buchhaltung, stellte ich fest, dass das für mich der falsche Karriereweg war. Ich suchte dann nach anderen Karriereoptionen und fand, dass die technischen Studiengänge zu dieser Zeit eine 100% Vermittlungsquote besaßen. Da war es einfach sinnvoll, diesen Karriereweg zu wählen. Ich machte dann weiter und schloss mit einem Bachelor in Business Administration und Office Systems ab.

Wie verlief Dein Weg bis zum jetzigen Beruf? Welche Hindernisse musstest du überwinden?

Zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn gab ich technische Trainingskurse und versuchte mich im Desktopbereich, wo ich selber Hand bei der Computerreparatur anlegte, bevor ich mich der Arbeit mit Servern und Software zuwandte. Von da ab beschritt ich verschiedene Wege in meiner Berufslaufbahn, die von dem Wunsch nach steter Veränderung und Wachstum angetrieben waren. Ich vertraute auf mein Bauchgefühl, wann immer ich mehr lernen oder mich umstellen und verändern musste, und ging diesem nach, unabhängig davon, ob es sich dabei um das Unternehmen handelte, in dem ich gerade arbeitete oder um ein anderes. Ich baute kontinuierlich auf meinen bereits vorhandenen Fähigkeiten auf, um meine Karriere voranzubringen.

Hattest Du Unterstützung von Freunden oder Familie erhalten?

Ja, die Familienunterstützung war entscheidend, denn ich habe über 15 Jahre meiner Karriere in Positionen verbracht, in denen es notwendig war, auch nach Arbeitsschluss auf Abruf oder auch über die Nacht und das Wochenende hinweg bezüglich eines Wartungsfensters auf Abruf zu stehen. Ohne sie wäre ich nicht dort, wo ich heute in meiner Karriere stehe.

Hat man Dir Steine in den Weg gelegt?

Lernen ist etwas, dass ich kontrollieren kann. Wenn ich etwas lernen wollte, sich aber die Möglichkeit dazu nicht ergab, dann tat ich andere Mittel und Wege auf, um das zu finden, nach dem ich auf der Suche war und das ich erlernen wollte. Zum Beispiel sah ich online nach anstatt jemanden persönlich zu fragen. Denkt immer daran, dass es, wenn es darum geht, zu lernen und sich selbst zu bilden, immer einen Weg gibt, es zu verwirklichen, ob jemand es gutheißt oder nicht. Wenn z.B. der Grund für die Ablehnung einer Ausbildungsmöglichkeit das Budget war, dann ist es wichtig, sich bei der nächsten Gelegenheit wieder zu Wort zu melden, wenn die Budgets abgearbeitet werden, um sicherzustellen, dass sie bei der nächsten Gelegenheit berücksichtigt wird.

Ein Tag in Theresas Leben

Ich bin derzeit einer von drei Principal Technologists bei Cohesity, einem Unternehmen für Firmendatenmanagement mit Sitz im Silicon Valley, das die Art und Weise verändert, wie Unternehmen ihre Daten verwalten, schützen und Wert aus ihnen schöpfen. In meiner derzeitigen Funktion konzentriere ich mich auf die Cloud, einschließlich Microsoft Azure, AWS und Office365. In dieser Funktion arbeite ich mit einer Vielzahl von Teams im gesamten Unternehmen zusammen und knüpfe Beziehungen zu den Produktmarketing-Managern, Produktmanagern, Vertriebsteams und technischen Ingenieuren. Auf der Kundenseite gebe ich Feedback auf der Grundlage von Gesprächen, die ich mit Kunden und Branchenexperten führe, um die strategische Richtung vorzugeben. Es ist eine Rolle, die mir wirklich Spaß macht.

Worauf bist Du besonders stolz in deiner Karriere?

Ich habe eine einzigartige Reihe von Anerkennungen in der Technologiebranche, die weltweit hoch angesehen sind. Ich habe die Zertifizierung als Microsoft MVP, Citrix CTP und VMware V-Expertin erlangt. Nur sehr wenige Menschen erreichen alle drei dieser Anerkennungen und es hat mir eine Reihe von Kontakten verschafft, die mir in meiner Karriere zum Erfolg verholfen haben. Außerdem schafft es eine neue Ebene der Sichtbarkeit für mein Unternehmen.

Warum gibt es nicht mehr Frauen in der Tech-Branche?

Im Verlauf meiner Karriere war ich Teil eines akademischen Bildungsausschusses, der sich näher damit befasst hatte. Aus diesen Nachforschungen ergaben sich ein paar Punkte, die vielleicht nicht vollständig zutreffend, aber dennoch interessant sind. Die Studie ergab, dass wenn man Mädchen in der Mittelschulaltersgruppe nicht an MINT heranführt, sie Technik oft nicht als Berufsweg in Betracht ziehen oder gar nicht daran denken, dies zu tun. Und wenn man sich das ansieht, dann gibt es heute immer mehr Programme für Mädchen dieser Altersgruppe. Der andere Teil dieser Studie hat gezeigt, dass Frauen typischerweise Berufe wählen, die ihnen eine Form von menschlicher Reaktion bieten, und die meisten Berufswahlentscheidungen wurden für den Gesundheits- und Bildungssektor getroffen.

Welche Hindernisse haben Frauen in der Tech-Branche zu überwältigen?

Die Diversität als Ganzes ist so breit gefächert, da sie Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Verbände, Überzeugungen und mehr einschließt.

Sofern eine Frau Karriere im MINT-Bereich macht, so denke ich, dass eine der größten Herausforderungen darin besteht, einfach zu lernen, wie man sich Gehör verschafft. Für einige mag das einfach sein, aber für die meisten ist es das nicht und das ist etwas, an dem man arbeiten und es überwinden muss. Mir persönlich wurde in meiner Jugend nicht beigebracht, mir Gehör zu verschaffen oder jemanden zu unterbrechen. Dies war für mich eine Herausforderung, die es zu bewältigen galt. Jeder im Raum sollte in jeder Sitzung das Wort ergreifen, auch wir Frauen und alle Frauen müssen sich das Recht dazu nehmen.

Wäre unsere Welt eine andere, wenn mehr Frauen in MINT arbeiten würden?

Eine der größten Herausforderungen besteht darin, zu lernen, wie man sich Gehör verschafft

Vor kurzem sprach ich auf der Watermark-Konferenz für Frauen in San Jose, Kalifornien und meine Anwesenheit gab mir einige Einblicke darin, wie es sein könnte, wenn es mehr Frauen in diesem Bereich gäbe.

Was mir als erstes auffiel, war das Maß an Unterstützung und Energie von allen. Die Teilnehmer schlossen alle Geschlechter ein, aber es waren definitiv mehr Frauen anwesend, was das Gegenteil aller anderen Technologieveranstaltungen war, bei denen ich je gewesen war. Was ich gelernt habe, ist, dass es spektakulär ist, wenn Frauen andere Frauen ermächtigen. Die Realität sieht so aus, dass wir in allen Unternehmen alle am Tisch brauchen, aber der Einfluss von mehr Frauen im Technologiebereich ist definitiv etwas, worüber man nachdenken sollte, und das bedeutend sein könnte.

Die Diversitätsdebatte gewinnt an Aufwind. Wie lange wird es dauern, bis man Erfolge sieht?

Insgesamt ist die Diversität so breit gefächert, weil sie Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Zugehörigkeiten, Überzeugungen und mehr einschließt. Ich stimme zu, dass die Diskussion über die Diversität in der Öffentlichkeit definitiv an Dynamik gewinnt, aber die unternehmerische Umsetzung einer wirklich diversifizierten Erfahrung liegt immer noch im Rückstand. Wir müssen die Diskussionen in Gang halten und immer alle unterstützen – solange, bis es kein Problem mehr ist.

Tipps & Tricks

Die unternehmerische Umsetzung einer wirklich diversifizierten Erfahrung liegt immer noch im Rückstand

Es ist wichtig zu verstehen, dass die Karrieremöglichkeiten ein breites Spektrum abdecken und sich nicht nur rund um Computerbildschirme ohne menschliche Interaktion drehen, wenn man eine Karriere in der Technologie in Betracht zieht. Gelegenheiten in der Technologie gibt es in vielen Formen und es gibt Gelegenheiten, die alle Persönlichkeitstypen ansprechen. Ja, Coden ist eine Option, aber es gibt auch andere Möglichkeiten in den Bereichen Engineering, Architektur, Networking, Anwendungen, Führung, Projektmanagement, technisches Marketing und vieles mehr.

Noch ein Rat zum Schluss: Verschafft euch in jedem Meeting Gehör, baut ein professionelles Netzwerk über eure Karriere hinweg auf und seid euch sicher, dass ihr nie die klügste Person im Raum seid, um bescheiden zu bleiben. Aber stellt ebenfalls sicher, dass ihr immer etwas Neues lernt.

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments
X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -