Interview mit Sandra Rapp

Women in Tech: „Ich finde es wichtig, dass sich Frauen nicht entmutigen oder beirren lassen“
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In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Sandra Rapp, Frontend-Entwicklerin und Teamleiterin bei der IBM Research & Development GmbH.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Women in Tech: Sandra Rapp

Sandra Rapp begann nach dem Studium der Wirtschaftsinformatik ihre Karriere bei der IBM Research & Development GmbH. Innerhalb von 12 Jahren sammelte sie bei unterschiedlichen internationalen Projekten Erfahrung in der Software-Entwicklung. Aktuell arbeitet sie als Frontend-Entwicklerin und Leiterin eines UI-Teams im Bereich IBM Cloud. Neben dem Programmieren gehören Kundensupport, Projektplanung, Maintenance und Operations des Produktes zu ihren Aufgaben.

Zusätzlich engagiert sich Sandra Rapp in der lokalen Frontend-Entwickler-Community, in deren Rahmen sie regelmäßig Talks zu Frontend-Development-Themen organisiert.

Wann entstand dein Interesse für IT und wie hast du die ersten Kontakte zum Tech-Themenbereich geknüpft?

Gut in Erinnerung ist mir noch, dass mein Vater unseren ersten PC mit Windows 95 kaufte als ich ungefähr in der 7. Klasse der Realschule war. Ich fing an mir MS Office, hauptsächlich Powerpoint, und Word, anzueignen, um meine schulischen Vorträge und Arbeiten damit zu erstellen. Ich bekam zudem die Gelegenheit an einem “Internetkurs”, den die ansässige Hochschule für Schülerinnen und Schüler anbot, teilzunehmen. In dessen Rahmen habe ich mir meine erste E-Mail-Adresse angelegt und gelernt wie eine Webseite in HTML erstellt wird.

Während der Klassen 11 bis 13 auf dem Wirtschaftsgymnasium entdeckte ich meine Vorliebe für das Fach “Datenverarbeitung”. Dort ging es sowohl um Grundlagen der Informationstechnologie als auch um die praktische Anwendung von Programmen für Tabellenkalkulation und Datenbanken. In Klasse 13 belegte ich weiterhin freiwillig das Fach und erlangte Basiskenntnisse in der Programmiersprache Java. Das weckte mein Interesse und der Spaß am Programmieren veranlasste mich schließlich dazu, Wirtschaftsinformatik zu studieren.

Während meines Wirtschaftsinformatikstudiums habe ich schnell gemerkt, dass mein Interesse hauptsächlich in der Softwareentwicklung und Programmierung liegt.  Mein zweites Praxissemester absolvierte ich bei der IBM R&D und auch meine Diplomarbeit schrieb ich dort. Nach Abgabe der Diplomarbeit bekam ich kurz darauf auch meine Festanstellung in derselben Gesellschaft. Meine bisherigen Tätigkeitsfelder waren

  • Services (Entwicklung beim Kunden von Ort), viel mit Reisen verbunden
  • Mehrere Jahre 3rd Level Support für unterschiedliche Produkte
  • Schließlich 2012 Wechsel ins Application Software Development im Cloud Umfeld.

Im Cloud-Bereich bin ich bis heute tätig und habe dort in mehreren Projekten verschiedenste Entwicklungsaufgaben übernommen. Dies beinhaltet sowohl die Entwicklung von Backend-Funktionalität, Tests, DevOps als auch Frontend-Entwicklung.

Gibt es Menschen, die dich auf deinem Weg gefördert haben? Hast du Vorbilder?

Sowohl im Privat- also auch im Berufsleben habe ich diesbezüglich gute Erfahrungen gemacht. Meine Familie, Lehrer/innen und Trainer/innen in Vereinen haben mich immer befähigt und gefördert. Auch später im Studium und im Berufsleben habe ich viel mit Menschen zusammengearbeitet, die mich stets unterstützt und gefördert haben. Bei der IBM waren dies im Besonderen meine Manager/innen. Allerdings habe ich kein konkretes Vorbild.

Ich hatte auch nie das Gefühl, dass mir irgendjemand Steine in den Weg gelegt hätte. Im Gegenteil: Ich habe immer große Unterstützung und Ermutigung erfahren. Dafür bin ich ausgesprochen dankbar.

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Wie sieht ein typischer Arbeitstag in deiner aktuellen Position aus? Hast du schon selbst etwas entwickelt?

Ich bin nun seit 12 Jahren bei der IBM Research und Development GmbH. Derzeit arbeite ich als Teamleiterin und Entwicklerin für ein Development-Team, das die User Interfaces in Form von Webanwendungen für zwei Services der IBM Cloud entwickelt.

Mein Arbeitsalltag ist sehr vielseitig: Die projekt-planerischen  und  koordinativen Aufgaben als Teamleiterin umfassen unter anderem die Planung der zu entwickelnden Funktionen und Problemlösungen für einen bestimmten Entwicklungsabschnitt, die Absprache und Abstimmung mit angrenzenden Teams und Stakeholdern. Zudem übernehme ich auch konkrete Entwicklungsaufgaben, unterstütze Kunden bei Fragen und Problemen und bin für den laufenden Betrieb von zwei Services mitverantwortlich.

Entwicklungsprojekte im privaten Bereich habe ich keine. Dennoch gibt es hin und wieder die Möglichkeit an sogenannten Hackathons oder Hackdays, die in unserem Unternehmen zu Weiterbildungs- oder gemeinnützigen Zwecken organisiert werden, mitzuwirken. Bei einem dieser Workshops ist z.B. eine kleine Webanwendung entstanden, die es Nutzern ermöglicht Fotos von Gesichtern auf die Plattform zu laden, für die dann automatisch die Erkennung der Stimmung auf Basis der Mimik erfolgte. Sozusagen eine Art “Emotional Diary”, das – falls gewünscht – ohne Worte auskommt und dem Nutzer ermöglicht persönliche Momente chronologisch festzuhalten.

Warum gibt es so wenige Frauen in der Tech-Branche und welche Klischees sind dir in Bezug auf „Women in Tech“ schon begegnet?

Diese Frage ist aus meiner Sicht sehr schwer zu beantworten und ist meines Erachtens sehr vielschichtig. Ich denke, dass es in großem Maße von der Gesellschaft abhängt, in der wir aufwachsen. Viele Hürden werden meiner Meinung nach unbewusst geschaffen, indem wir uns gewisse Verhaltensweisen und Rollenmuster von klein auf aneignen, weil wir sie so vorgelebt bekommen.

Stereotypische Aussagen wie “Informatik ist doch nichts für Mädchen” oder “Technik ist Männersache” sind mir persönlich gegenüber nie geäußert worden. Leider scheinen dennoch viele Frauen Erfahrungen dieser Art zu machen. Ich kann mir vorstellen, dass solche Aussagen und auch entsprechendes Verhalten sich sehr frustrierend und entmutigend auf technische Interessen und die spätere Berufswahl auswirken können.

Warum sollten mehr Frauen in der Tech-Branche arbeiten? Würde unsere Welt anders aussehen, wenn mehr Frauen im MINT-Bereich arbeiten würden?

Ich glaube nicht, dass unsere Welt anders aussehen würde oder es bestimmte Vorteile für die Allgemeinheit hätte, wenn mehr Frauen in MINT-Bereich arbeiten würden. Ich arbeite seit vielen Jahren in gemischten Teams, in denen auch der Frauenanteil deutlich zugenommen hat. Ich kann nicht behaupten, dass es für mich einen merklichen Unterschied gemacht hat.

Vielmehr machen  die einzelnen Individuen selbst den Unterschied, mit denen ich täglich sehr gerne zusammenarbeite (egal ob Frau oder Mann). Außerdem denke ich, dass es eher eine Frage der persönlichen Entwicklung und Selbstbestimmung für jede einzelne Frau ist, sich für die Arbeit in der TECH-Branche zu entscheiden. Dies wiederum würde sich insofern positiv auswirken, als dass talentierte und motivierte Persönlichkeiten die Tech-Branche bereichern könnten, ohne dies auf das Geschlecht bzw. vermeintlich geschlechtsspezifische Fähigkeiten zu reduzieren.

Vermutlich wird diese Diversity-Debatte anhalten, da sie sich nicht nur auf Geschlechter bezieht, sondern jede Art von Menschen betrifft, die in irgendeiner Hinsicht unterrepräsentiert sind.

Tipps und Tricks

Ich finde es wichtig, dass sich Frauen nicht entmutigen oder beirren lassen, sondern an ihren Interessen und Zielen festhalten und Spaß an der Technik haben.

Die Branche ist zumindest in dem Umfeld, das ich kennengelernt habe, sehr schnelllebig. Das heißt, sich darauf einzustellen, dass die einzige Konstante die Veränderung selbst ist: Man darf sich häufig an neue Situationen und sich ändernde Technologien und Trends anpassen und sollte stets bereit sein, etwas Neues zu lernen.

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