Kolumne: Karrieretipps

Kinder Karriere und Klischees – Ist der Spagat zwischen Familie und Beruf heute ein Purzelbaum (Teil 2)
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Dieser Teil aus der Kolumne „Karrieretipps“ von Yasmine Limberger ist erstmalig erschienen im Windows Developer 10.2012
Zuerst sollte man sich überlegen, wie man „Karriere“ für sich

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Dieser Teil aus der Kolumne „Karrieretipps“ von Yasmine Limberger ist erstmalig erschienen im Windows Developer 10.2012

Zuerst sollte man sich überlegen, wie man „Karriere“ für sich selbst definiert? Karriere bedeutet zunächst ja nur „berufliche Laufbahn“, einige setzen Karriere mit steigender Verantwortung und der Größe des Teams, das man führt gleich, andere wiederum möchten ein hohes Gehalt und Freiräume sowie flexible Arbeitsbedingungen im Job genießen. Hat man einen gewissen „Level“ erreicht, ist es für viele ausreichend, diesen Level zu erhalten und sich vor allem inhaltlich weiterzuentwickeln. Alles ist auch mit Kind und Familie möglich. Je höher die Erwartungen an die Karriere, umso mehr muss man aber eben meist auch bereit sein, seine persönliche Zeit zu opfern. Da Zeit heute oft wichtiger gewertet wird als Geld, vor allem, wenn das Gehalt schon eine bestimmte Ebene erreicht hat, geben sich viele ITler auch langfristig mit einer reinen Entwicklerrolle ohne Teamführungsverantwortung zufrieden. Letztlich geht es ihnen vielmehr darum, weiterhin als technischer Experte anerkannt zu werden und bei Innovationen vorne dabei zu sein. Zudem möchte man, dass Arbeit und Leistung auch anerkannt werden. In unserer modernen Arbeitswelt sollte dabei nicht entscheidend sein, wie viele Stunden man im Büro verbringt, sondern die Ergebnisse müssen exzellent sein und „in time“ und „in budget“ abgeliefert werden. Dass das für einen Familienmenschen auch mal Nachtschichten mit sich bringt, wird ebenso akzeptiert wie die Tatsache, dass man an seinem freien Tag bei einem dringenden Notfall angerufen wird und einspringen muss. Flexibilität ist also auf allen Seiten gefragt: beim Mitarbeiter, bei der Familie und beim Arbeitgeber.

Um letztlich seinen Familienalltag mit dem Berufsalltag so gut wie möglich in Einklang zu bringen, bedarf es dann zudem noch eines hohen Maßes an Organisationstalent, Kreativität und auch der Eigenschaft, die Dinge etwas gelassener und mit Humor anzugehen. Kinder sind echte Gewohnheitstiere und brauchen einen für sie vorausschaubaren Tagesablauf. Das bringt ihnen innere Sicherheit und Ruhe. Aber nicht immer läuft alles nach Plan, und je größer das Improvisationsvermögen ausgeprägt ist, umso souveräner kann man mit den unvorhergesehenen Dingen, die die Balance stören könnten, wie „Kind wird krank und kann nicht in den Kindergarten gehen“ oder „Geschäftsreise fällt genau auf den Kindergeburtstag“ umgehen.

Das Geheimrezept

So sieht das „Geheimrezept“ für Kind und Karriere also aus (zu Risiken und Nebenwirkungen befragen Sie bitte die Autorin):

  1. Sprechen Sie die Absicht, in Elternzeit zu gehen, rechtzeitig mit dem Vorgesetzten und den Kollegen ab. Erarbeiten Sie gemeinsam einen Vertretungsplan und definieren Sie klar Ihre Rolle vor und nach der Elternzeit.
  2. Nehmen Sie familiäre Termine genauso wichtig wie geschäftliche Termine, bei denen Ihre Anwesenheit notwendig ist. Wenn Sie Einfluss darauf haben, legen Sie regelmäßige Abstimmungstermine auf eine Zeit, die einigermaßen familienfreundlich ist, also nicht gerade auf Freitag Spätnachmittag oder so früh am Morgen, dass Sie nicht noch Ihr Kind in den Kindergarten bringen können.
  3. Schaffen Sie sich persönliche Zeitfenster als Ausgleich zwischen Beruf und Familie. Treiben Sie Sport, treffen Sie sich mit Freunden, gehen Sie mit Ihrer Partnerin/Ihrem Partner ins Kino… Blocken Sie mindestens einen „Ich-Termin“ pro Woche. Tragen Sie „Ich-Termine“ in Ihren Kalender ein, und verpassen Sie diesen Termin ebensowenig wie andere wichtige Termine. Spannen Sie Eltern oder einen Babysitter ein, um diese persönlichen Zeitfenster zu ermöglichen.
  4. Halten Sie den Anspruch an Ihre eigene Arbeitsqualität hoch. Zeigen Sie Ihrem Chef, dass er sich immer auf Sie verlassen kann. Auch, wenn Sie aufgrund Ihrer neuen Familiensituation evtl. physisch nicht mehr so oft präsent sind und die Abende im Büro verbringen. An Ihrer Kompetenz und Integrität hat sich nichts geändert. Zeigen Sie sich flexibel, aber dennoch konsequent. Gelegentliche Überstunden sind ok, aber eben nicht die Regel. Zudem gibt es Tageszeiten, zu denen Sie nicht erreichbar sind.
  5. Arbeiten Sie weiterhin teamorientiert! Unterstützen Sie Kollegen in Hochphasen, dann können Sie auch damit rechnen, dass die Kollegen für Sie einspringen, wenn Sie aus familiären Gründen mal früher weg müssen.
  6. Behalten Sie Ihre Karriereziele weiter im Blick bzw. passen Sie Ihren Karriereplan Ihrer persönlichen Präferenz entsprechend an. Besprechen Sie Ihre kurz-, mittel- und langfristigen Karriereziele mit Ihrem Vorgesetzten und halten Sie diese in einem persönlichen Karriereplan fest.
  7. Sorgen Sie für Routine. Strukturieren Sie die Arbeitstage nach einem gewohnten Ablauf. Planen Sie morgens ausreichend Zeit für das gemeinsame Frühstück und die Vorbereitungen für den Kindergarten/die Schule ein, und kommen Sie regelmäßig abends pünktlich nach Hause, um mit der Familie zu Abend zu essen und am Abendritual „Kind-ins-Bett-bringen“ teilnehmen zu können. Kinder haben kein Zeitgefühl und verstehen es, Ihren Plan ganz spontan zu ändern, vor allem, wenn Sie drängeln! Halten Sie dennoch Ihren Rhythmus so gut es geht ein.
  8. Bleiben Sie locker! Nehmen Sie die Dinge mit Humor vor allem, wenn man alles drunter und drüber geht. Wenn Sie im Chaos die Nerven verlieren, wird alles noch schlimmer. Nehmen Sie gelegentlich Chaos hin und räumen Sie bei passender Gelegenheit alles wieder in Ruhe auf bzw. bringen Sie wieder Ordnung in Ihr Leben und Ihre Wohnung, sobald es die Situation zulässt.
  9. Tauschen Sie sich mit anderen Eltern aus. Gerade als frischgebackene Mama oder Rookie-Papa tut es gut, sich in einer konspirativen Selbsthilfegruppe regelmäßig von anderen berufstätigen Eltern darin bestätigen zu lassen, dass alle die gleichen Probleme haben. Erfahrene Eltern geben sicher auch hilfreiche Ratschläge und Erziehungstipps. Halten Sie sich aber unbedingt von Eltern fern, die mit Wunderkindern gesegnet sind oder die Sie mit ultimativen Aussagen verunsichert, wie: „Also, unser Kind bekommt keinen fertigen Babybrei aus dem Gläschen, bei uns wird alles selbst gekocht. Sonst muss man sich ja nicht wundern, wenn die Kleinen nachts nicht schlafen können vor Bauchweh.“ Verlassen Sie sich lieber auf Ihr eigenes Bauchgefühl.
  10. Und zu guter Letzt: Langweilen Sie Ihre Kollegen nicht mit übertriebenem Elternstolz. Sicher können Sie auf Nachfrage gerne das eine oder andere Foto Ihres Stammhalters zeigen, das Sie in Ihrem Smartphone parat haben. Aber sein ganzes Büro mit Familienbildern zu tapezieren, hat eher etwas von einem pubertierenden Fan, der sein Zimmer mit Fotos von Popstars dekoriert. Auch sollte man noch in der Lage sein, beim Mittagessen mit Kollegen abwechslungsreiche Konversationen zu führen und zum aktuellen Weltgeschehen einen Standpunkt beziehen zu können, anstatt die Kollegen ständig damit zu behelligen, was der Nachwuchs schon alles kann. Balance zwischen Beruf und Familie heißt eben auch, dass beide Seiten auf der Waage faktisch getrennt bleiben.

Mehr Karrieretipps bekommen Sie in Yasmine Limbergers Kolumne hier auf dotnet.de.

Yasmine Limberger ist Dipl.-Betriebswirtin und arbeitet seit mehr als zwölf Jahren in der IT-Beratung. Verantwortlich bei Avanade Deutschland GmbH unter anderem für den Bereich Personalmarketing hat sie langjährige Erfahrungen in der Auswahl von IT-Fach- und Führungskräften. Ihr erstes Buch mit dem Titel „IT Survival Guide“ ist 2010 bei entwickler.press erschienen. Yasmine Limberger ist unter yasmine.limberger@avanade.com zu erreichen.
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