Kommentar: Eins und eins und eins… macht Windows 10 – und wir sollen es lieben!
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Windows 10 soll das von allen am meisten „geliebte“ Windows aller Zeiten werden und einen neuen Bund zwischen Microsoft, seinen Partnern, Entwicklern und Kunden schmieden, so jedenfalls der große Wunsch von Satya Nadella, CEO Microsoft, und Terry Myerson, Executive VP Operating Systems Group, beim zweiten Vorstellungsevent des neuen Betriebssystems für alle Geräte, das am 21. Januar 2015 stattfand.

Was das genau heißt und wie sich diese Liebe anfühlt werden wir wohl erst wissen, wenn Windows 10 auf dem Markt ist und auf all den Geräten läuft, die wir so mit uns rumtragen und die uns umgeben. Denn das ist das Versprechen: Windows 10 soll uns umgeben und uns unaufdringlich im Alltag zur Seite stehen – jedem Einzelnen ganz persönlich und in der Zusammenarbeit mit anderen.

Erster Schritt in Richtung „more personal computing“

Bei Terry Myerson klingt das so:

Windows 10 is the first step to an era of more personal computing. This vision framed our work on Windows 10, where we are moving Windows from its heritage of enabling a single device – the PC – to a world that is more mobile, natural and grounded in trust. We believe your experiences should be mobile – not just your devices. Technology should be out of the way and your apps, services and content should move with you across devices, seamlessly and easily. In our connected and transparent world, we know that people care deeply about privacy – and so do we. That’s why everything we do puts you in control – because you are our customer, not our product. We also believe that interacting with technology should be as natural as interacting with people – using voice, pen, gestures and even gaze for the right interaction, in the right way, at the right time.

Getrieben werde Microsoft dabei von dem Bewusstsein um die Verantwortung für die Nutzer der aktuell 1,5 Milliarden Windows-Installationen und der Leidenschaft jedes einzelnen im Team, dieses Ziel zu erreichen. So Nadella in seiner gut 15-minütigen Rede, nach der Vorstellung der neuen Features. Dabei geht es Satya Nadella nicht allein um den praktischen Nutzen oder die Features von Windows, es geht ihm darum, diese Leidenschaft und Liebe in den Nutzern zu wecken: „We want to move from People needing Windows, to choosing Windows to loving Windows – that is our bold goal with windows.“

Wie erreicht man die Liebe der Nutzer?

Die größte Zuneigung gewinnt man wohl dann, wenn man den Nutzern das gibt was sie brauchen und im Idealfall auch wollen – das muss nicht immer das gleich sein. Im Falle von Windows wäre das ein Betriebssystem, das einfach macht was es soll und dabei nicht groß auffällt. Das hat Microsoft mit Windows 8.1 schon geschafft. Aber es muss auch in der Bedienung einfach sein und – hier wird es schwierig – auf allen Geräten funktionieren. Das hat man auch mit Windows 8.1 noch nicht geschafft. Jedoch hat Microsoft dazugelernt und seine Strategie angepasst – Microsoft hört auf seine Kunden, Partner und Entwickler. Im Falle von Windows war das Insider-Programm, dass es mehr als 1,7 Millionen Leuten erlaubt, den Entwicklungsfortschritt von Windows zu begleiten, zu kommentieren und auch zu beeinflussen. Ein mutiger und konsequenter Schritt auf dem Weg, den Nutzer ins Zentrum zu stellen, um die Qualität und Akzeptanz der Software zu verbessern.

Windows 10 soll also dieses ideale Betriebssystem, besser noch dieser Service werden, den Satya Nadella sprach auf dem Event von „Windows-as-a-Service“ und bezeichnet dies als eine „pretty profound change“. Worin dieser Wandel nun genau besteht, ist im Detail leider noch nicht bekannt. Nadella skizziert aber ein Ziel dafür: „Aligning our goals of success for windows, with costumers and their experience and engagements.“ Und versprach dazu einen kontinuierlichen Strom von Innovationen sowie sichere und vertrauenswürde Devices. Und hierfür setze man den Fokus auf „Windows und Mobilität“, und zwar auf die Mobilität des Erlebnisses, nicht der Geräte – soll heißen, nicht das einzelne Gerät und sein Mobilität ist relevant, sondern das Erlebnis der nahtlosen, plattformübergreifenden Begleitung durch zahllose, unterschiedliche Geräte, die den Nutzer durch den Alltag begleiten. Das schließt auch Geräte von anderen Herstellern nicht aus, aber Windows biete hierfür die umfassendste Plattform und sorge mit seiner Software dafür, dass Partner ihre Hardware-Innovationen noch weiter treiben können, als bisher.

Was bedeutet das für die Entwickler?

Mit Windows 10 schaffe man für Entwickler „the broadest opportunity to target“, so Nadella, und damit hat er gewiss auch Recht. Das sich entwickelnde Windows-Ökosystem, mit der CloudOS Plattform Azure, zahllosen Services, der Einbindung von Open-Source-Technologien und der Bereitstellung der notwendigen Entwicklertools, ermöglicht es .NET-Entwickler von der einfachsten Cross-Plattform-Consumer-App, bis hin zum komplexen Enterprise-System nahezu alles zu entwickeln. Prinzipiell wenigstens, denn ob im Brot-und-Butter-Alltag wirklich alles so gebraucht wird, ist eine andere Frage. Aber wenn, dann hat man als .NET-Entwickler immer Grenzen, die Innovationen, neue Geschäftsmodelle und Lösungen bremsen. Wie das im Detail aussehen kann, werden wir leider erst auf der Build im April erfahren, aber bis dahin können wir schauen, wie sich die Windows-Plattform der Zukunft weiterentwickelt und dabei mitwirken, die Ära des „more personal computing“ zu gestalten.

Warten wirs’s ab, und hoffen das Beste

In der Zusammenschau kommt nun das Microsoft-Rechenspiel zum Tragen: Addiere viele einzelne Geräte, Services, Apps und Partner zusammen und erhalte mit Windows 10 vom kleinsten Sensor, über Azure und Cortana bis zur Holographie im Alltag, mehr als die Summe dieser Teile – ein hehres Ziel!

Da wir bisher nur einzelne, gutfunktionierende Teile aus dieser Vision gesehen haben, müssen wir abwarten, ob Microsoft im Herbst wenigstens im Ansatz liefern kann, was heute versprochen wird. Wenn es gelingt ein stabiles und einheitliches Windows 10 hinzubekommen, wäre sicher schon viel erreicht, ob es dazu auch noch HoloLens braucht, ist nach der Erfahrung mit der Kinect, eine andere Frage.

Zu wünschen wäre dem Unternehmen der Erfolg , und vor allem auch dem Ökosystem aus Entwicklern und Partnern, denn auch wenn Marktdominanz dank der sicher (noch immer) alternativlosen Verbreitung im Enterprise-Bereich, so schnell nicht schwinden wird, könnte Microsoft doch noch die schon oft bewiesene (und auch oft verlorene) Innovationskraft verlieren und sich mit IBM, HP oder Oracle in den wenig glamourösen Hintergrund der IT-Dienstleister treten.

An Ideen, Kompetenz und Selbstbewusstsein mangelt es Nadella und seinen Leuten jedenfalls nicht – wir werden sehen ob Sie damit unser aller Liebe gewinnen können.

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