Kommentar: SourceForge und die Schurkenstaaten
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Die USA sind gerne ganz vorne mit dabei, wenn es darum geht, den Frieden in die Welt zu tragen. Jetzt scheint festzustehen: Auch Open Source
kann böse sein. Und das kurz nach der Rede der US-Außenministerin

Die USA sind gerne ganz vorne mit dabei, wenn es darum geht, den Frieden in die Welt zu tragen. Jetzt scheint festzustehen: Auch Open Source kann böse sein. Und das kurz nach der Rede der US-Außenministerin Hillary Clinton, die einen weltweiten, unzensierten Zugang zum Internet gefordert hatte. Da kommt man doch ins Grübeln.

In ihren Remarks on Internet Freedom erklärte Hillary Clinton, die freie und unzensierte Verbreitung von Informationen zu einem Thema ihrer Außenpolitik zu machen.

Some countries have erected electronic barriers that prevent their people from accessing portions of the world’s networks. They’ve expunged words, names, and phrases from search engine results. They have violated the privacy of citizens who engage in non-violent political speech. (.) With the spread of these restrictive practices, a new information curtain is descending across much of the world.Hillary Clinton, 21.1.2010

Freies Netz für freie Bürger. Weltweit. Ein grundsolider Gedanke, der im Moment en vogue zu sein scheint. Dass Googles drohender Ausstieg aus der mehr oder weniger auferlegten Zensur eine Farce ist, darüber braucht man nicht zu diskutieren. Zu bereitwillig hat das Unternehmen, das alles weiß, die Machenschaften einer Regierung des schnöden Mammons wegen unterstütz. Von Weltoffenheit war da nicht viel zu spüren. Dennoch steht am Ende ein zählbares Ergebnis. Manchmal muss man eben über seinen Schatten springen.

Doch auch abseits davon gibt es in den Staaten nun ein rechtliches Problem, dass dem hehren Bemühen um die Freiheit des Internets ein jähes Ende setzen könnte. Oder aber zumindest für ein zwiespältiges Gefühl sorgen sollte.

Wer ein Unternehmen betreibt, dem sind gewisse Schranken gesetzt. Nicht nur in den Vereinigten Staaten von Amerika gibt es eine ganze Litanei von Dingen, die beachtet werden müssen. In den USA fallen darunter unter anderem auch die Denied Persons List und die Entity List. Dort sind Personen und Vereinigungen aufgeführt, die mit Sanktionen verschiedenster Art belegt wurden. Und genau diese Listen könnten nun ein Problem für SourceForge werden. Denn das Folgende war diese Woche im SourceForge-Blog lesen:

The specific list of sanctions that affect our users concern the transfer and export of certain technology to foreign persons and governments on the sanctions list. This means users residing in countries on the United States Office of Foreign Assets Control (OFAC) sanction list, including Cuba, Iran, North Korea, Sudan, and Syria, may not post content to, or access content available through, SourceForge.net. Last week, SourceForge.net began automatic blocking of certain IP addresses to enforce those conditions of use.Lee Schlesinger, 2010

Das bedeutet im Klartext nichts anderes, als dass das Software-Portal sogenannten Schurkenstaaten von seinem Angebot ausschließt. Da nutzt es auch nichts, dass man eigenen Aussagen nach diesen Schritt zutiefst bedauere. Besonders interessant ist nämlich der Umstand, dass der Blog-Post ziemlich spät kam; erst nachdem ein User aus dem Sudan die Fehlermeldung Your request is being denied as it appears to be coming from a location banned by our Terms of Use. zu Gesicht bekam und die Sache von ArabCrunch aufgegriffen wurde. Natürlich schämt man sich für diese Maßnahme. Doch steckt noch mehr dahinter? Hat man gar erkannt, dass man massiv gegen Paragraph 5 und 6 der Open-Source-Definiton der Open Source Initiative verstößt?

5. No Discrimination Against Persons or Groups

The license must not discriminate against any person or group of persons.

6. No Discrimination Against Fields of Endeavor

The license must not restrict anyone from making use of the program in a specific field of endeavor. For example, it may not restrict the program from being used in a business, or from being used for genetic research.

Ist SourceForge nun der richtige Partner für Open-Source-Projekte? Schnell gerät man in Versuchung, von Sippenhaft für Freunde Open-Source-Software mit einem falschen Pass besitzen zu sprechen. Und welche Auswirkungen wird das auf die Open-Source-Welt im Allgemeinen haben? Es wird auf jeden Fall spannend bleiben, die weitere Entwicklung im Auge zu behalten.

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