Kommentar: Windows 10 – eins für alle, alle für eins
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In zwei bis drei Jahren wird Windows 10 auf einer Milliarde Geräten laufen, so jedenfalls verkündete es Terry Myerson, Executive Vice President Operating Systems, gestern in der Eröffnungs-Keynote der Build 2015.

Prinzipiell kann zu diesen Devices vom kleinen Einplatinencomputer bis zur Xbox und HoloLens alles gehören, denn Windows 10 wird auf all diesen Geräten laufen. Das sollte die Keynote ganz klar zeigen. Denn nachdem dieser Plan seit der Einführung von Windows 8 angekündigt wird, wird er mit Windows 10 in die Tat umgesetzt.

Dieser Schritt veranlasst Satya Nadella, CEO von Microsoft, dazu, nicht von nur einem neuen Release von Windows zu sprechen, sondern von einer neuen Generation eines Betriebssystems. Ein Windows, das als Service daherkommt, der mit der der Zeit erweitert wird und es dem Nutzer erlaubt, seinen gesamten Alltag auf unterschiedlichsten Geräten und mit verschiedensten Interaktionsformen, von der klassischen Maus/Tastatur-Kombination, über Touch und Sprache bis hin zu Stift und holografischem Computing, zu gestalten.

Alles für die Entwickler

Für Myerson ist klar, was das bedeutet: Windows 10 bietet „the broadest device family ever“ und das Ziel ist Windows 10 zur „most attractiv development plattform ever“ zu machen – kurz von „.NET-Everywhere“ zu „Windows-Everywhere“. Es ist keine Frage, dass Microsoft Entwicklern mit Visual Studio das Tool an die Hand gibt, mit dem für Windows in all seinen Formaten entwickelt werden kann. Als neues Tool kommt hier ein neuer Editor mit dem wenig spektakulären Namen Visual Studio Code hinzu. Das spannende an diesem Tool ist, dass man an ihm die Auswirkungen der OS-Stratgie des letzten Jahres sehen kann – der Editor läuft auf Mac, Linux und Windows und nutzt dazu z.B. Roslyn und andere Open-Source- Lösungen, um auf Augenhöhe mit dem „großen“ Visual Studio zu stehen. Was das im Detail bedeutet, zeigen die Sessions der Build und wir werden das im Windows Developer in den nächsten Monaten ausführlich vorstellen und diskutieren.

Einmal den Spieß umgedreht

Bei einem anderen Aspekt der jüngsten Open-Source-Aktivitäten hat man allerdings den Spieß umgedreht. Hat man nun monatelang und mit viel Entwicklungsaufwand den .NET- Entwicklern die Möglichkeit schmackhaft gemacht, über Cordova und Xamarin für iOS und Android zu entwickeln, bietet man über neue SDKs nun den iOS und Android Entwicklern an, ihre Objective C und Java/C++ Apps, mit relativ wenig Aufwand auf Windows zu portieren. Die Apps verhalten sich wie eine Universal App, lassen sich über den Store vertreiben und mit Zugriff auf Features, wie z.B. Cortana, Xbox, etc. ausstatten. Wie groß der Aufwand wirklich sein wird und ob man doch Abstriche bei einzelnen Funktionen machen muss, wird sich zeigen. In jedem Fall war diese Veröffentlichung eine Überraschung, baut Brücken zwischen den Plattformen und eröffnet den App-Entwicklern neue Möglichkeiten.

Über die Konsequenzen lässt sich nur spekulieren. Es könnte sein, dass das fragmentierte und schlecht updatende Android Probleme bekommt, weil die Käufer sich, nun da die App-Lücke geschlossen werden könnte, für Windows Phone entscheiden – iOS-Jünger wird man wohl eher nicht bekehren können. Es könnte sein, dass sich die Android- und iOS-Entwickler aber auch gar nicht für die Möglichkeit interessieren, weil ihnen die Plattform im Vergleich noch immer zu klein vorkommt. Eine Möglichkeit wäre auch, dass sich .NET-Entwickler enttäuscht abwenden, weil sie nun keine Drittanbieter-Apps schreiben können, die die Lücken bisher füllten.

Es könnte aber auch sein, dass alle die Chance sehen und erhoffen, noch eine Plattform für die Monetisierung ihrer Produkte an die Hand zu bekommen. Denn nicht nur iOS- und Android-Apps können neben den einheimischen Universal Apps laufen. Auch Webseiten und klassische .NET- und Win32- Anwendungen lassen sich „universalisieren“ und können dann die Vorteile der Plattform inkl. des einheitlichen Stores und In-App-Purchase nutzen. Spätestens das ist in jedem Fall die Chance für die klassischen .NET-Entwickler, die ihre Anwendungen als virtualisierte Apps universal verbreiten können. Wie auch immer das Pendel nach der Veröffentlichung von Windows 10 ausschwingt, am Ende werden vermutlich die Kräfte des Marktes und nicht Glaubensgrundsätze eine Entscheidung herbeiführen.

Viel mehr Möglichkeiten

Wie auch immer die Details aussehen, allein mit den gestern vorgestellten Neuerungen zur App-Portierung, Entwicklung von tiefintegrierten Apps auf der Office-Plattform und der HoloLens, die alle die Services der ständig wachsenden Azure-Cloud nutzen, bieten sich Entwickler tatsächlich viel mehr Möglichkeiten und neue Ziele. Aber wie bei Windows 8 sind diese Ziele nur dann interessant und erreichbar, wenn auch die Zielgruppe stimmt. Entwickeln für den Consumer-Markt war bisher nicht unbedingt von Erfolg gekrönt und auch Windows 10 wird nicht sofort im Enterprise Einzug halten. Und das muss man klar sagen, wenn über kurze Zeit keine signifikante Anzahl von Windows 10 Installationen da sind – und es muss nicht gleich eine Milliarde sein – geht die Rechnung nicht auf. Denn am Ende geht es nicht nur um die technische Machbarkeit, die nahtlose Entwicklung und den zufriedenen Nutzer, sondern ums Geld. Wollen wir für Microsoft und Sie als Entwickler hoffen, dass es klappt.

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