Deutsche Microsoft-Partnerkonferenz in Stuttgart

Microsofts Partner auf neuen Wegen
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Unter dem Motto „Let’s keep in touch“ veranstaltete Microsoft Anfang dieser Woche seine deutsche Partnerkonferenz 2012 in Stuttgart. Martin Berchtenbreiter, General Manager Mittelstand und Partner, interpretierte das Motto in seiner Eröffnungskeynote als Angebot an die Partner, gemeinsam mit Microsoft eine neue Ära zu betreten.

Ziel sei es dabei, die Zusammenarbeit mit den Partnern weiter zu festigen und auszubauen. Microsoft sei sich bewusst, dass über 90 Prozent des Umsatzes über das Partnergeschäft generiert werde, daher wolle man in Zukunft weiterhin respektvoll, aber auch kritisch miteinander umgehen, um gemeinsam erfolgreich zu sein – Microsoft verstehe sich als Partner-Company, so Berchtenbreiter.

Martin Berchtenbreiter bei der DPK-Eröffnung
Martin Berchtenbreiter bei der DPK-Eröffnung

Berchtenbreiter sagte dies vor dem Hintergrund des größten Launch-Jahres in der Geschichte von Microsoft, in dessen Zentrum sicher die Markteinführung von Windows 8 am 26. Oktober steht (ab 29. Oktober auch Windows Phone 8). Doch schon seit Mitte des Jahres kommen neue Produktversionen auf den Markt und bis Mitte des kommenden Jahres soll die gesamte Produktpalette überarbeitet sein. Das strategische Ziel dabei ist, alle Produkte auf eine Plattform zu heben und miteinander kompatibel zu machen. Und hier zeigt sich ein neuer Aspekt in der Gesamtstrategie von Microsoft: Das Unternehmen will sich zu einer Devices und Services Company wandeln. Zu den Services gehören z.B. die Cloud-Produkte Office 365, CRM und Windows Azure, zur Devices-Seite gehören z.B. die neuen Surface-Tablets und die Xbox. Dabei laufen alle Services und Devices auf einer Plattform, sodass übergreifend damit gearbeitet werden kann und auch Services des Wettbewerbs eingebunden werden können.

Partner motivieren oder verunsichern

Mit dem Wandel zu einer Services und Devices Company ändert sich auch das Geschäftsmodell von Microsoft. Beispielsweise werden sich Cloud Services mit flexiblen Laufzeiten oder Umfängen auf das Lizenzgeschäft auswirken, das bisher auf lange Laufzeiten ausgelegt war. In der Folge müssten daher auch die Partner ihre Geschäftsmodelle verändern, so Berchtenbreiter. An diesem Punkt bekam die Keynote einen neuen Ton – man konnte den Eindruck gewinnen, zur Begeisterung über die „neue Ära“ geselle sich der Versuch, einer möglichen Verunsicherung auf Seiten der Partner angesichts dieser Veränderungen beruhigend entgegenzuwirken. So versicherten alle nachfolgenden Sprecher, dass sie die Partner in jedem Fall mit ins Boot nehmen werden und sie bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle tatkräftig unterstützen wollen.

Entsprechend der neuen Angebote seien auch angepasste Incentive-Modelle entwickelt worden. Hierbei wurde ein Punkt besonders hervorgehoben. Das neue Produkt-Portfolio biete den Partnern erstmals die Möglichkeit, über das B2B-Geschäft hinaus zu gehen und auch ins Consumer-Geschäft einzutreten. Der Schlüssel dazu seien die Apps, deren Vielfältigkeit neue Möglichkeiten eröffne und helfe, die Grenze zwischen privatem und geschäftlichem Einsatz von IT-Lösungen zu überwinden. Dahinter steckt die klare Ansage, mit den neuen Devices dem iPad als standardsetzendem Formfaktor entgegenzutreten.

Neue Wege mit den Partnern, aber gehen die mit?

Christian Illek, seit vier Wochen neuer Chef von Microsoft Deutschland, nutzte die Eröffnung dazu, sich den Partnern vorzustellen. Zu Microsoft sei er gekommen, weil er den derzeitigen Umbruch begleiten wolle und das mit Neugier, Risikobereitschaft und Ausdauer. Denn es sei kein Sprint, der anstehe, sondern ein Marathon. Die Partner könnten von ihm eine klare Kunden- und Wettbewerbsorientierung – Qualitäten, die er zuvor bei der Telekom schon unter Beweis stellen konnte – erwarten und die Bereitschaft, mit den Partnern gemeinsam neue Wege zu bereiten.

Dass Microsoft es mit der „neuen Ära“ ernst meint und mit Windows 8 die „Reimagination“ des Unternehmens einhergeht, ist nicht zu übersehen. Die Frage ist nun, ob die Partner und ihre Kunden diese Botschaft verstehen und in der Lage sind, schnell genug zu handeln, um auf den Zug aufzuspringen. Microsoft selbst scheint die Chancen dafür vor allem im deutschen Mittelstand zu sehen.

Dementsprechend wurde ein SMB-Kompetenz-Programm aufgesetzt und zugleich eine Fachkräfteinitiative gestartet, die Partner dabei unterstützen soll, Trainees und Mitarbeiter für die neuen Geschäftsbereiche zu finden und auszubilden. Doch zugleich fällt auf, wie sehr Microsoft darum bemüht ist, Partnern und Entwicklern das Gefühl zu geben, dass sie trotz aller Veränderungen weiterhin die bisherige Wertschätzung behalten und keine Nachteile zu fürchten brauchen. Auch wenn der Paradigmenwechsel auf der Oberfläche leicht zu präsentieren ist, bleibt die Frage, ob es ebenso einfach ist, die gewohnten Pfade zu verlassen und neue Geschäftsfelder zu erschließen.

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