Unterwegs auf unbekanntem Terrain

Microsofts SQL-Server-Treiber V1.1 für PHP unter der Lupe
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Die meisten PHP-Entwickler werden ihre ersten Schritte im Datenbankumfeld wahrscheinlich mit MySQL bewältigt haben. Kein Wunder, schließlich sind PHP und MySQL eine ideale Kombination. Nun steht diese allerdings nicht überall zur Verfügung. Statt MySQL läuft als Datenbanksystem nämlich oftmals MS SQL. Des Problems Lösung lag lange Zeit im Einsatz der MS-SQL-Erweiterung von PHP. Mit dem SQL-Server-Treiber für PHP hat nun Microsoft seinerseits einen Schritt in Richtung PHP-Entwicklergemeinde getan. Diesen Treiber gibt es ab sofort – inklusive zahlreicher Neuerungen – in Version 1.1.

Laut einer Studie des Analystenhauses Techconsult kann sich Microsofts SQL Server über einen wachsenden Marktanteil freuen. In der von Microsoft in Auftrag gegebenen Studie wird von einem momentanen Marktanteil bei der installierten Basis von 23,1 Prozent ausgegangen. Und eben diese 23,1 Prozent bedeuten einen erstmaligen Vorsprung des MS SQL Servers vor der Oracle-Konkurrenz, die im vergangenen Jahr einen Anteil von 21,3 Prozent hatte. Bei der Anzahl der verkauften Exemplare soll Microsoft sogar noch besser dastehen. In diesem Bereich verzeichnet der MS SQL Server einen Marktanteil von 26,8 Prozent, während der von Oracle bei 21,3 Prozent liegt. Und noch etwas spricht laut dieser Studie für das Microsoft-Produkt: Die Kosten für den MS SQL Server sollen insgesamt vergleichsweise niedrig sein. So nehme zwar der Marktanteil der Microsoft-Lösung zu, ihr Anteil an den Gesamtausgaben für alle Datenbankmanagementsysteme bliebe jedoch konstant. Diese Studie – auch wenn sie von Microsoft in Auftrag gegeben wurde – macht deutlich, dass jeder PHP-Entwickler früher oder später mit dem Microsoft-Produkt in Berührung kommen kann. Genau da liegt aber das Problem. Denn die Kombination aus PHP und MS SQL Server hat durchaus ihre Tücken. Mit Bordmitteln allein funktioniert der Zugriff von PHP auf MS-SQL-Datenbanken jedenfalls nicht.

Die Zukunft von MySQL

Neben den genannten Punkten spricht ein ganz entscheidender Aspekt dafür, sich mit dem MS SQL Server auseinanderzusetzen. Denn um die nach wie vor beliebteste Datenbank MySQL hat es in den vergangenen Monaten ein unglaubliches Tohuwabohu gegeben. So wurde der Datenbankhersteller MySQL AB Anfang 2008 von Sun Microsystems übernommen. Sun wiederum ist kürzlich an Oracle gegangen. Mittlerweile hat auch die EU-Kommission, trotz anfänglicher Bedenken, der Übernahme zugestimmt. Die Geschehnisse rund um Sun stoßen allerdings auch nach erfolgreicher Übernahme längst nicht überall auf Gegenliebe. Denn zwar hat Oracle angekündigt, MySQL weiterhin fördern zu wollen und unter der GPL bereitzustellen, das aber zeitlich begrenzt. Oracle kündigte zudem an, sechs Monate nach der Sun-Übernahme ein Gremium einzurichten, das über die MySQL-Zukunft beraten soll. Oracle weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass man beide MySQL-Versionen (Open Source und kommerziell) gleichermaßen weiterentwickeln werde. Kunden, die momentan die Open-Source-Variante einsetzen, sollen zudem nicht zur kommerziellen Version überredet werden. Sämtliche Ankündigungen sollen für fünf Jahre gelten. Und was ist nach Ablauf dieser Frist? Wird MySQL in fünf Jahren immer noch Open Source sein? Genau an diesem Punkt kommt wieder der Microsoft SQL Server ins Spiel. Denn Microsoft kann mit etwas ganz Entscheidendem punkten: Entwickler und Endkunden haben zunächst einmal Planungssicherheit.

Der Microsoft-Vorstoß

PHP und MySQL ist die Standardkombination im Web. Kein Wunder, schließlich lässt sich mit PHP perfekt auf MySQL-Datenbanken zugreifen. Was aber, wenn es sich bei der Datenbank, auf die zugegriffen werden muss, um eine MS-SQL-Datenbank handelt? Bislang wurden solche Zugriffe üblicherweise über ASP.NET realisiert. Der Zugriff via PHP gelang zwar auch, dafür musste dann allerdings auf die MS-SQL-Erweiterung von PHP zurückgegriffen werden: extension=php_mssql.dll.

Seit einiger Zeit gibt es eine Alternative zur MS-SQL-Erweiterung. Diese stammt überraschenderweise von Microsoft selbst. Obwohl es so überraschend schlussendlich auch nicht ist, dass sich Microsoft für PHP interessiert. Denn zu groß ist das Potenzial, das in dieser Sprache und den zahllosen PHP-Entwicklern steckt, als dass Microsoft darauf langfristig verzichten kann. Mit dem SQL-Server-Treiber für PHP gibt es von offizieller Microsoft-Seite einen Treiber, mit dem die Kontaktaufnahme zu MS-SQL-Datenbanken gelingt. Laut Microsoft soll der Treiber alle Unterversionen von SQL Server 2005 und SQL Server 2008 unterstützen. Mit dem SQL-Server-Treiber für PHP kann schreibend und lesend auf MS-SQL-Datenbanken zugegriffen werden. Zudem unterstützt die neue Version 1.1 SQL Azure.

Technisch gesehen handelt es sich bei dem SQL-Server-Treiber für PHP um ein C++ Thin Wrapper über dem Microsoft-SQL-Server-ODBC-Treiber, der die PHP-Aufrufe in ODBC-API-Aufrufe übersetzt.

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