Im Gespräch mit Johannes Schlüter

"Mir wird vorgehalten, wir würden Bugs kommentarlos auf 'Bogus' setzen. Das stimmt!"
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Heute im Interview mit Johannes Schlüter. Johannes ist Release-Manager von 5.3, das ja vor kurzem das Licht der Welt erblickt hat. Er war damit wohl einer der wichtigsten Personen bei der Entstehung der aktuellen PHP-Version.

Umso schöner ist es, dass Johannes sich die Zeit für uns genommen hat.

Danke für die Einladung und ich freue mich darauf, ein wenig Einblick in das PHP-Projekt geben zu dürfen.

PHP 5.3 wird ja von vielen als das eigentlich PHP 6.0 bezeichnet. Wie kommt man dazu, ein so wichtiges Release betreuen zu dürfen?

Oh, da muss ich etwas ausholen: Intensiver zur PHP-Core-Entwicklung bin ich Ende 2004, Anfang 2005 gestoßen, damals habe ich für die Münchner Mayflower GmbH als PHP-Entwickler gearbeitet und wurde von denen unterstützt, entsprechend Kontakte zu finden und mich da zu beteiligen. Über die Zeit sind dann verschiedene PHP-Versionen veröffentlicht worden, die von verschiedenen Leuten betreut wurden. Als sich abzeichnete, dass 5.3 kommen würde, wurde jemand gesucht, der sich in möglichst vielen Bereichen von PHP auskennt, einigermaßen neutral ist, was Unternehmensinteressen angeht und Zeit hat. Zu der Zeit war ich Student und ansonsten nur in recht geringem Maße freiberuflich tätig und passte somit auf das Profil – unabhängig davon hatte sich zur selben Zeit ein Angebot der damaligen MySQL AB, jetzt Sun Microsystems, ergeben, sodass das mit der Zeit etwas knapper wurde, mir aber meine Unabhängigkeit weiter zugestanden wurde.

Johannes Schlüter

Johannes arbeitet als MySQL-Software-Engineer für Sun Microsystems, die Entwickler der populärsten Open-Source-Datenbank der Welt. Er ist zudem der Release-Manager von PHP 5.3.

Was sind so die typischen Aufgaben eines Release-Managers? Hast du ein Mitspracherecht bei den Features, die implementiert werden? Oder ist auch dies ein Community-Prozess?

Der PHP-Entwicklungsprozess ist ein recht gewachsener, im Wesentlichen gilt, wer mehr leistet, hat mehr bei der Entscheidungsfindung zu sagen. Wer die PHP-Internals-Liste – das offizielle und einzige Entscheidungsmedium – beobachtet, kann teils recht heftige Debatten beobachten, die meist zu einer Entscheidung führen. Dabei gilt im Zweifel die alte Regel aus dem Open-Source-Bereich: Wer mehr leistet, hat auch mehr zu sagen, nur in Zweifelsfällen, die 5.3 betreffen, habe ich die Deutungshoheit, aber solange ich auf die freiwillige Arbeit anderer angewiesen bin, ist der „Machtbereich“ recht begrenzt.

Ansonsten besteht die Arbeit in der Pflege von Aufgabenlisten, Beobachtung und Review der Commits und Bug Reports (ich versuche, jeden einzelnen Bug Report zu lesen – was nicht immer leicht ist, momentan bin ich eine Woche hinterher) Antreiben der Entwickler und am Ende das Setzen von Releaseterminen, sowie – in Zusammenarbeit mit unseren Entwicklern mit Windows – das Erstellen und Verifizieren der Distributions-Packages, für die man am Ende die Verantwortung trägt. Mein Bruder, der ebenfalls in einem Open-Source-Projekt mitmacht, nannte es nach meiner Ernennung eine der schlimmsten Positionen in einem Open-Source-Projekt: Man hat viel Arbeit und Verantwortung und bekommt am Ende den Ärger, wenn etwas (scheinbar) nicht geht – die meisten Leute melden sich ja nur bei Kritik. Ganz so schlimm finde ich die Position nicht und dankenswerterweise hat mich Lukas Smith lange Zeit als Co-Release-Manager unterstützt, sodass er etwas mehr Organisation gemacht und mir den Fokus auf technische Themen überlassen hat.

Wenn man am Kern einer Programmiersprache mitarbeitet, hat man dann überhaupt noch Zeit und Lust, die Sprache in seiner Freizeit zu verwenden?

In der Tat ist es so, dass ich inzwischen wohl zu den Leuten im Entwicklungsteam gehöre, die PHP am wenigsten nutzen, da sowohl mein Job als auch die Arbeit an PHP meist mit C erfolgen. Ich versuche aber immer wieder, einzelne Dinge mit PHP umzusetzen, so habe ich letztens ein kleines Hobbyprojekt mit Zend Framework umgesetzt und ein wenig mit Facebook-APIs experimentiert. Für richtige Projekterfahrung mit aktuellen Versionen muss ich aber auf Diskussionen im Bekanntenkreis zurückgreifen.

PHP 5.3 ist seit ein paar Wochen draußen. Fällt einem da nicht ein gewaltiger Stein vom Herzen, dass der größte Stress jetzt wohl erst einmal vorbei ist?

Die letzten Tage vor dem Release waren anstrengend – wir wollten endlich ein ordentliches Release haben und nicht weiter verschieben. Danach war ich dann wirklich zufrieden, zumal primär positives Echo kam; klar protestieren manche Leute über goto oder unseren Namespace-Separator, aber die meisten Leute freuen sich doch über merklich höhere Performance, Closures, Phar oder sonstige Features. Das freut einen dann doch wieder.

Ich stelle mir das Betreuen eines so wichtigen Projektes als wirklich anstrengend vor. Würdest du es wieder machen?

Es ist jedenfalls eine Erfahrung, die sich lohnt: Wann hat man schon mal die Möglichkeit, ein derartig bedeutendes Projekt – ein Großteil des WWW basiert irgendwo auf PHP – zu steuern und wo lernt man Management eines Teams mit derartig wenig Druckmitteln? Das schlimmste, was ich machen kann, wenn einer Dinge macht, die mir missfallen, ist zu sagen „Du bist blöd“, aber auch das nicht zu oft, denn in einem Projekt wie PHP sind wir auf jeden Contributor angewiesen und froh über jeden, der seine Zeit dafür opfert.

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