Umfrage mit überraschenden Ergebnissen

Mobile Apps und Enterprise: HTML5-Entwickler sind auf dem Vormarsch
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Eine von Sencha initiierte Umfrage hat sich mit dem Thema HTML5 vs. native Entwicklung im Enterprise-Bereich für mobile Devices beschäftigt. Die Ergebnisse sind zum Teil überraschend.

Die von Sencha im Zeitraum von Dezember 2013 bis Januar 2014 durchgeführte Umfrage adressierte 2128 HTML5-Entwickler aus dem Enterprise-Umfeld. Dabei drehte sich alles um die Fragen nach Art der Apps, nach den verwendeten Technologien sowie – natürlich – die Frage, welche Devices als Zielplattform dienten.

Der Trend geht zur Zweitplattform

Über 50 Prozent der Befragten möchten mit ihren Applikationen sowohl mobile Devices als auch den klassischen Desktop unterstützen. Reine Mobile-Entwicklung steht indes lediglich bei 26 Prozent der Umfrageteilnehmer im Fokus. Insgesamt, so die Ergebnisse, adressiert der durchschnittliche Mobile-HTML5-Entwickler vier unterschiedliche Devices – durchaus eine beachtliche Zahl.

Bei der Frage nach der Zielplattform und den Devices überrascht Sencha mit der Aufsplittung nach Windows Laptops/Desktop und Mac OS Laptops/Desktop. Ersteres steht mit über 70 Prozent in der Gunst der Entwickler auf Platz eins, während letzteres mit etwas mehr als 45 Prozent auf Platz sechs rangiert, gefolgt von Linux-Laptops und –Desktops.

Lässt man die stationären Geräte außer Acht, fällt eine kleine Kehrtwende im Bereich der Smartphones auf. War bisher Apples iPhone der Günstling, scheint sich dieses Blatt langsam aber sicher zu wenden: 60 Prozent stürzen sich auf die Entwicklung von Apps für Smartphones mit Googles Betriebssystem, während das iPhone mit ca. 58 Prozent knapp dahinter liegt. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass die Entwicklung für Windows-Phone-Geräte mit etwas mehr als 20 Prozent immerhin attraktiver ist als die Entwicklung für BlackBerry-Telefone. Die Brombeere setzt langsam aber sicher Schimmel an.

Nichts Neues gibt es hingegen im Tablet-Bereich zu vermelden: iPad vor Android-Tablets. Dann lange nichts, dann Windows-Tablets. Microsofts Charmeoffensive für Windows-8-Tablets scheint noch nicht bis ins Enterprise-Umfeld durchgedrungen zu sein.

Erwähnenswert ist allerdings, dass viele Entwickler zwar angeben, eine bestimmte Plattform zu unterstützen, das Testing hingegen gerne einmal unter den Tisch fallen lassen. Im Falle des iPod-Touch mag man das noch durchgehen lassen – die Unterschiede zwischen iPhone und iPod dürften marginal sein – bei Android-Tablets, iPad und Co fällt das aber schon mehr ins Gewicht. Gerade bei diesem Formfaktor mit seiner Eigenheit der Touch-Fähigkeit sollte man erwarten, dass etwas mehr Liebe zum Testing-Detail an den Tag gelegt werden würde. Entweder scheinen Enterprise-User kleineren Fehlern deutlich toleranter gegenüberzustehen, oder sie haben einfach mehr Vertrauen in die Technologie.


Quelle: http://www.sencha.com/blog/the-state-of-html5-development-in-the-enterprise/

HTML5 vs. Native

Unterschlägt man all jene, die mit „Pre-HTML5 Web Technologies“ oder anderen Technologien Applikationen entwickeln – zusammen kommen die beiden Gruppen auf 19 Prozent – bleibt der große Glaubenskrieg zwischen HTML5 und nativen Sprachen.

Der scheint laut Sencha mit 46 zu 20 Prozent deutlich zu Gunsten von HTML5 auszugehen; was in Anbetracht der befragten Gruppe allerdings auch kaum Überraschen dürfte. Lediglich 15 Prozent der Entwickler setzen auf Hybride Lösungen. Erstaunlich ist das Ergebnis vor allem aus einem Grund, der häufig genannt wurde: die Performance von nativen Apps, die noch immer deutlich besser ist als die von HTML5-Apps. Die restlichen Gründe erscheinen da schon stimmiger:

For developers that choose to develop with native mobile technologies, the top reasons to write native applications are a perception of higher performance, the ability to produce a look and feel that matches the platform, and the ability to secure application data using mobile device managers.

Zeigt her eure Features

Ein wenig Ernüchterung macht sich breit, wenn man sich ansieht, welche HTML5-Features bei Entwicklern im Kurs stehen. Vor allem, da die beliebtesten – CSS3 Styling, Animations, Transitions und Transforms – CSS3-Features sind.

Aufgeteilt wurden diese Ergebnisse in drei Gruppen: Low Usage (weniger als 20 Prozent der befragten interessierte sich dafür), Medium Usage (20 bis 50 Prozent) und High Usage ( mehr als 50 Prozent). Die angesprochenen CSS3-Features sind übrigens die einzigen, die in die Kategorie „High Usage“ fallen.

Interessanter sind da schon die Features der Kategorie „Medium Usage“: LocalStorage, Offline Storage, WebSockets, JavaScript Promises, Motion & Location APIs – um nur einige zu nennen. Leider sind die Ergebnisse nicht weiter aufgedröselt, so dass sich nur spekulieren lässt, wie umfangreich die einzelnen Features letzten Endes genutzt werden.

Die großen „Verlierer“ im Kampf um die Gunst der Entwickler sind WebSQL, Semantisches Markup, Web Workers, IndexedDB, WebGL und postMessage().

Wenig überraschend sind indes die Umfrageergebnisse zu den großen JavaScript-Konkurrenten Dart und TypeScript. Den Siegeszug von JavaScript konnten weder Google noch Microsoft stoppen.

Dart and TypeScript — the next generation client-side languages from Google and Microsoft respectively — aim to displace JavaScript, but signs are that this campaign is going badly. Almost 60% of developers said that they were either not familiar or had no interest in Dart. Only 10% of developers had high interest in Dart and 17% had high interest in TypeScript.

Interessant ist dabei, dass Microsofts TypeScript, obgleich jünger als Googles JavaScript-Alternative, in der Gunst der Entwickler die Nase vorne hat. Das mag unter Umständen auch daran liegen, dass sich interne TpyeScript-Module bereits an Module aus ECMAScript 6 anlehnen – und zahlreiche Features aus der Sprache als Vorschläge in den ES6-Standard eingeflossen sind.

Wahre Liebe rostet nicht

Vergleicht man die Gruppen der Entwickler – Native und HTML5 – zeigt sich, dass zumindest im Enterprise-Umfeld eine hohe Loyalität und Affinität zu Webtechnologien entstanden ist. Während 50 Prozent der App-Entwickler dieses Jahr noch intensiver native Technologien verwenden wollen, sind es auf Seite der Webtechnologie Nutzenden über 70 Prozent.

Auch die Zukunftspläne sprechen Bände: 19 Prozent der Entwickler wollen künftig weniger mit nativen Technologien arbeiten; bei den HTML5-Entwicklern sind es lediglich 4 Prozent.

Momentan ist es noch eine Frage der Prioritäten: Natürlich sind in nativen Sprachen entwickelte Apps deutlich schneller und bisweilen reicher an Features als solche, die mit Webtechnologien entwickelt wurde. Auf der anderen Seite sind Webentwicklung ohne Zweifel im Vorteil, wenn es darum geht, schnell verschiedene Plattformen zu bedienen.

Über den Grund, warum die Ergebnisse gerade im Bereich der Enterprise-Apps so deutlich ausfallen, kann nur spekuliert werden. Vielleicht liegt es wirklich am geringen Aufwand, wenn es darum geht, verschiedene Devices und Plattformen zu bedienen. Das bereits vorhandene Know-How wird es in den meisten Fällen jedenfalls nicht sein.

Die Ergebnisse und weitere Details findet man im Blogpost The State of HTML5 Development in the Enterprise.

 

Aufmacherbild: vector icon of personal computer with html5 sign Foto via Shutterstock / Urheberrecht: gdainti

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