Einstieg für Entwickler auf der MobileTech Conference 2015

Apple Watch: erste Apps entwickeln
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„Not with you but on you“, „On your wrist, not in your pocket“, „Part of your life“, „Coach on your wrist“ oder „The most personal device we ever built“. Das sind einige der Marketingsprüche, die sich Apple anlässlich der Vorstellung der Apple Watch ausgedacht hat. Psychologie ist eben alles!

In seiner MobileTech-Conference-Session „Meine erste App für die Apple Watch“ gab Ivo Wessel, freier iOS-Entwickler aus Berlin, den Teilnehmern Tipps und Tricks zur Entwicklung von WatchApps aus erster Hand. Denn in knapp einem Monat ist es soweit, und der Apfelchronometer wird auch hierzulande erhältlich sein. Zeit also für Mobile-Entwickler, sich mit dem Bauen von Apps für Apples Prestigeprojekt zu beschäftigen. Denjenigen, die fürchten, dass die neuen „Uhrenapplikationen“ im Ozean der restlichen iOS-Apps untergehen könnten, sei gesagt, dass es einen eigenen App Store für die Apple Watch Apps geben.

Der Einstieg gestaltet sich denkbar einfach. Man braucht Xcode 6.2, das iOS 8.2 SDK mit WatchKit und ist „good to go“ und Apple liefert mit den Appe Watch Human Interface Guidelines und dem Apple Watch Programming Guide dem geneigten Entwickler entsprechende Hilfestellungen.

WatchKit, Glances & Notifications

Grundsätzlich sind drei Arten von Apps zu unterscheiden:

  • WatchKit Apps: im Moment extrem auf Stromsparen getrimmt, sind WatchKit Apps ausführbare Applikationen, die auf dem Appe Watch Homescreen erscheinen. Die WatchKit App ist für den Nutzer die wichtigste Methode, um mit den eigenen Daten zu interagieren. Je nach dem wie die WatchKit App aufgebaut ist, stellt sie nur eine Untermenge der Daten dar, die sie von einer darüberliegenden iOS-App erhält.
  • Glances: Bei den Glances handelt es sich um fokussierte Interfaces bzw. Ausgaben, die wichtige Infos anzeigen. Ihre Funktion basiert auf der Kommunikation mit dem iPhone. Glances sind klassische „Read-only-Informationen“.
  • Notifications: Im Gegensatz zu den Glances sind Notifications (Messages, Tweets) „actionable“, d.h. der Nutzer kann darauf basierend eigene Aktionen starten bzw. mit der Notification interagieren.

Was die tatsächliche Entwicklung von Apps für die Apple Watch betrifft, lassen sich in Xcode auch Templates von bereits bestehenden iOS-Apps einsetzen. Swift ist optional, muss also nicht zwingend eingesetzt werden – wer weiter Objective-C präferiert, kann dies ohne Einschränkungen nutzen.

Wiedererkennungswert für iOS-Veteranen

Als Target selektiert man eine „WatchKit App“ und legt los. Besonderen Fokus legte Ivo Wessel in seiner Session auf die Storyboards. iOS-Entwickler werden hier eine Vielzahl von Interface-Elementen – Group, Table, Image oder Separator – wieder erkennen. Die Platzierung ist jedoch nicht pixelorientiert, was am Anfang etwas kurios erscheint. Allerdings kann man sich das  Interface wie eine automatische Scroll-View vorstellen, die mehr oder weniger unendlich sein darf. Schließlich gibt es nur Scrollen, kein Pinchen.

Ebenfalls speziell: Die Apple Watch besitzt keine Tastatur. Der Nutzer benutzt Buttons zur Kommunikation, bzw. die von Apple eingeführte Textanalyse, um schnelle Antworten auf eingegangene Messages zu ermöglichen.

Reduktion als Chance!

Ivo Wessel mahnende Worte an Entwickler: Man sollte die Reduktion als Chance sehen! Bei der Apple Watch wird es sehr wichtig sein, spannende und hilfreiche Nutzungsszenarien zu finden, weil das Interface aufgrund seiner Größe eben deutliche Beschränkungen aufweist. Ein vielversprechender Weg: Kontext. Sprich: In welchem Umfeld, in welcher Situation befindet sich der Nutzer gerade. Man nutzt also die Apple Watch und das iPhone, um beispielsweise den Standort zu ermitteln, die Uhrzeit abzufragen oder das Wetter in Erfahrung zu bringen. Das SDK bietet dafür schon entsprechende Möglichkeiten an, die Zukunft sicher erweitert werden.

„Entwickler müssen etwas besonderes bieten! Etwas, dass das Leben des Nutzers bereichert. Es müssen intelligente Entscheidungen beim Bauen der WatchApps getroffen werden,“ fordert Ivo Wessel. Das Potenzial findet der erfahrene iOS-Entwickler spannend. Ein Szenario: Irgendwann wird man auch den Neigungswinkel der Uhr abrufen und noch bessere Rückschlüsse über die aktuelle Aktivität des Nutzers ziehen können. Trägt der Nutzer gerade eine schwere Tasche und befindet sich in einer dafür typischen Körperhaltung, könnten intelligente WatchApps davon absehen in solchen Situationen lange Texte oder komplizierte Interaktionen anzubieten – der User wird sowieso nicht davon Gebrauch machen.

Ivo Wessels Fazit: „Es macht einfach Spaß, auszutüfteln, was mit so einem Interface, so einem Display möglich ist, auch um die Beschränkungen besser kennenzulernen.“ Dennoch: Interessierte Entwickler sollten gerade bei der Portierung von iOS-Apps auf die Watch sehr, sehr sorgfältig sein.

Mehr Infos: MobileTech Conference 2015 Homepage

Aufmacherbild: Hadrian / Shutterstock.com

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