BlackBerry verabschiedet sich von Hardwaresparte

BlackBerry wird reinrassige Softwareschmiede
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Zugegeben, das kanadische Unternehmen Blackberry Limited entwickelt schon seit je her Software – und das gar nicht einmal so schlecht. Vor allem das mobile Betriebssystem Blackberry 10 sowie zahlreiche Security- und Enterprise-Features konnten für Aufmerksamkeit sorgen. Sehr viel mehr wird man nach der Aufgabe der Gerätesparte in Zukunft auch nicht mehr von den Kanadiern erwarten können.

Mit ein paar knappen Sätzen hatte John Chen, CEO von Blackberry Limited, das Ende der hauseigenen Hardwareproduktion des Unternehmens verkündet: „[…]we are focusing on software development, including security and applications. The company plans to end all internal hardware development and will outsource that function to partners.“

Ein Ende, das nicht wirklich überraschend kam. Zuletzt war der Marktanteil des kanadischen Mobile-Spezialisten in einen kaum noch messbaren Bereich abgerutscht; in diesen Gefilden noch eigene Hardware zu produzieren dürfte wirtschaftlich betrachtet wirklich gar keinen Sinn mehr ergeben.

Focusing on Software Development

Interessant ist jedoch eine ganz andere Aussage. Nämlich die, dass man sich künftig auf die Entwicklung von Software fokussieren wolle. Nur weil mit den Devices aus dem eigenen Hause Schluss ist – andere Hersteller sollen jedoch lizenzierte Hardware herstellen dürfen –, heißt das also nicht, dass man künftig nicht doch noch über den Namen BlackBerry stolpern könnte.

In Anbetracht der aktuellen Situation haben wir mit unserem BlackBerry-Spezialisten Ekkehard Gentz gesprochen, der einen ganz eigenen Blick auf die Lage hat.

BlackBerry und der Abschied von der Hardwaresparte

Ekke, nach vielen Jahren und zahlreichen spannenden Geräten hat man bei BlackBerry nun bekannt gegeben, keine eigenen Geräte mehr produzieren zu wollen. Wie stehst du als Verfechter des BB10 dazu – eine richtige Entscheidung? Kommt sie nicht etwas zu spät?

Ekkehard Gentz: Aus kaufmännischer Sicht kann ich die Entscheidung verstehen, frage mich dennoch, ob sie richtig ist. Damit gibt BlackBerry die Kontrolle über die Qualität der Devices ab.

Andererseits könnte es auch ein großer Befreiungsschlag werden, da BlackBerry angekündigt hat, alles zu lizensieren: Vom Android-Hardening über den abgesicherten Bootprozess bis zur BlackBerry-Tastatur. Wenn da jetzt die richtigen Partner das lizenzieren, könnte das zum Durchbruch von Smartphones mit BlackBerry-Security sein – nur eben von anderen Herstellern.

Kurz vor dieser Meldung gab es noch angebliche Leaks zu einem Android-Smartphone von BlackBerry. Wieso hat man es trotz der Offenheit gegenüber Googles mobilen Betriebssystem nicht geschafft, auf dem Markt bestehen zu können?

Ekke: Diese von BlackBerry bereits geplanten Android-Devices kommen ja weiterhin. Der Prozess der Ausgliederung des Hardwaresektors wird mehr als sechs Monate dauern. Bereits in etwa zwei Wochen kommt als Ergänzung zum DTEK50 das High-End-Gerät DTEK60.

Dass die BlackBerry-Android-Geräte nicht zu hohen Stückzahlen geführt haben, liegt am fehlenden Marketing – es passiert mir immer wieder bei Kundenpräsentationen und auf Konferenzen, dass es nahezu unbekannt ist, dass BlackBerry jetzt auch Android-Geräte baut. Die Lizenzierung kann jetzt dazu führen, dass es weitaus mehr Android-Geräte geben wird, die „secured by BlackBerry“ sind.

Als Softwarehersteller möchte BlackBerry weiterhin aktiv bleiben. Wie könnte das in Zukunft aussehen?

Ekke: Da mache ich mir keine Sorgen. Der Anteil an Software und Services hat sich die letzten Jahre beständig erhöht. BlackBerry liefert mit dem BES12 eine Softwarelösung zur Verwaltung und Kontrolle von Android, BB10, iOS, Windows 10, MacBook, und vielen weiteren Geräten.

Durch den Zukauf von Good Technologies hat man insbesondere das Know-how für sichere Container ergänzt. WatchDox – ebenfalls ein Zukauf – ermöglicht sicheres Zusammenarbeiten an Dokumenten. Und im mobilen Bereich wird die ursprünglich nur auf BB10 mögliche „BlackBerry Experience“ aktiv auch für Android entwickelt. Der BBM als sicherer Messenger wird weiter für Android und iOS ausgebaut.

BlackBerry ist vor allem dafür bekannt, in den Bereichen Security und Enterprise eine nicht unerhebliche Rolle zu spielen – und der Konkurrenz in einigen Dingen sogar eine Nasenlänge voraus zu sein. Wie wird man gerade diese Kernkompetenzen (Stichwort BlackBerry Hub) auf andere Betriebssysteme übertragen können?

Ekke: Security und Enterprise wird durch den BES12 weiter eine zentrale Lösung von BlackBerry für alle Betriebssysteme sein. Die Übertragung des BlackBerry Hub und anderer Software wird vorrangig für Android erfolgen.

An den Technologien für sichere mobile Geräte und auch Endpoints im IoT wird BlackBerry weiterarbeiten und diese dann im Endgerätesektor an die Lizenznehmer weitergeben. Die Android-Geräte PRIV und DTEK50 zeigen ja bereits, dass BlackBerry gute und sichere Software für Android bauen kann.

Die BlackBerry-eigenen Smartphones werde ich sicher vermissen. Aber wer weiß, was andere Hersteller dann für Androiden mit eingebauter Tastatur auf den Markt bringen? Das scheiterte ja bisher, da BlackBerry die ganzen Patente hielt.

Es bleibt spannend, wie sich das alles weiterentwickelt.

 

Ekkehard GentzEkkehard Gentz ist unabhängiger Softwarearchitekt und seit 30 Jahren im Umfeld von Businessanwendungen (ERP) tätig. Er entwickelt High Quality Mobile Apps für internationale Kunden. Sein Fokus liegt auf nativen mobilen Enterprise-Apps für BlackBerry 10, Android und iOS. Außerdem ist er Speaker auf nationalen und internationalen Konferenzen, bloggt auf Ekkes Corner und ist auf Twitter aktiv unter @ekkescorner.
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