Chrome Custom Tabs & Content-Blocking in iOS 9

Chrome Custom Tabs: Mehr Speed für das mobile Web
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Das Laden von Websites aus einer Android-App heraus stellte bisher eine große Hürde für Entwickler dar. Zwar stehen mit den mobilen Browsern und der Android WebView sogar zwei Wege zur Auswahl, am Ende ist aber keiner davon wirklich befriedigend. Lange Ladezeiten müssen immer in Kauf genommen werden. Nun hat Google mit den Chrome Custom Tabs aber einen Ansatz vorgestellt, der genau dieses Problem lösen soll. Und das ist nicht die einzige Neuigkeit in Sachen schnelles mobile Web: Auch bei Apple stehen große Veränderungen bevor.

Erst vor kurzem hat Google eine wichtige Neuerung in Sachen mobile Usability bekannt gegeben. Websites, die ihren Content hinter display-füllenden Overlays verstecken, werden ab November keine Einstufung als Mobile Friendly mehr erhalten. Stattdessen sollen Entwickler künftig auf kleinere Banner zurückgreifen und diese bevorzugt am Rand einer Website platzieren, sodass User ungehindert auf den Inhalt der Website zugreifen können.

Chrome Custom Tabs

Nun gibt es aber gleich noch mehr Neuigkeiten von Google, dieses Mal Hinsichtlich der Ladezeiten des mobilen Webs. Mit den Chrome Custom Tabs steht Entwicklern künftig eine dritte Möglichkeit zur Verfügung, Websites unter Android aus nativen Apps heraus zugänglich zu machen. Mit den Chrome Custom Tabs werden Websites dabei auf die gleiche Weise in Apps eingebunden, wie es bisher über die Android WebView erfolgt ist – nur mit einer deutlich verbesserten Ladegeschwindigkeit. Wie der Meldung in Googles offiziellem Chromium-Blog zu entnehmen ist, lädt die selbe Website mit Chrome Custom Tabs in 1.968 Sekunden, braucht in Chrome aber 3.725 Sekunden und in der Android WebView ganze 4.089 Sekunden.

Ladezeiten in Chrome Custom Tabs, Chrome und WebView. Quelle: http://blog.chromium.org/2015/09/chrome-custom-tabs-smooth-transition_2.html

Ladezeiten in Chrome Custom Tabs, Chrome und Android WebView. Quelle: http://blog.chromium.org/2015/09/chrome-custom-tabs-smooth-transition_2.html

Auch darüber hinaus bringen die Chrome Custom Tabs einige interessante Funktionen mit. Sie greifen auf die bereits von Chrome gesammelten Cookies zu und erkennen somit schon besuchte Websites, ohne dass Chrome dafür komplett gestartet werden müsste. Auch gespeicherte Formular- und Anmeldedaten aus Chrome stehen in den Custom Tabs zur Verfügung. Um die Ladezeit weiter zu senken, können Websites außerdem im Hintergrund vorgeladen werden.

Wie Chrome – nur in nativen Apps

Entwicklern eröffnet sich darüber hinaus die Möglichkeit, Bedienelemente zur Toolbar der Custom Tabs hinzuzufügen, sodass app-spezifische Funktionen auch auf besuchten Websites weiter genutzt werden können. Auch bekannte Sicherheits-Features aus Chrome werden wie gewohnt in den Custom Tabs zu finden sein, beispielsweise das Permissions-Modell. Die Custom Tabs stellen eine Möglichkeit dar, einerseits die Vorteile des beliebten Chrome-Browsers zu nutzen, User aber andererseits in der geöffneten App zu halten.

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Google versucht damit, die Lücke zwischen mobilem Web und Apps zu schließen. In den letzten Monaten waren sowohl die Entwickler mobiler Betriebssysteme und Browser, als auch die Betreiber populärer Websites immer wieder in die Kritik geraten. Das mobile Web ist einfach langsam – und der User wünscht es sich anders. Bisher angebotene Lösungen wie die Nutzung dutzender verschiedener Apps für einzelne Webangebote stellen zwar einen Ansatz dar, dem Nutzer einen schnelleren Zugriff auf Content zu ermöglichen; bequem ist die Installation diverser Anwendungen aber nicht. Zusätzliche Web-Inhalte nun mit hoher Ladegeschwindigkeit direkt in mobilen Apps abrufen zu können, ist darum ein wichtiger Schritt in Richtung Nutzerfreundlichkeit.

Adblocking in iOS 9

Das Problem ist jedoch nicht nur, dass mobile Browser optimiert werden müssen, um eine bessere User Experience zu bieten, sondern liegt auch im Web an sich. Viele Websites sind schlicht mit Werbung überladen. Was am Desktop-PC noch funktioniert, stellt für das mobile Surfen aber ein massives Problem dar. An dieser Stelle hat Apple nun eine überraschende Entscheidung getroffen. Ab iOS 9 ermöglicht Apple offiziell das Content-Blocking in seinem Betriebssystem.

Bisher befinden sich die entsprechenden Adblock-Apps für iOS natürlich noch in der Testphase, erste Berichte fallen aber durchweg positiv aus – das mobile Internet erreicht damit bisher ungekannte Geschwindigkeiten. Auch dem limitierten Datenvolumen der Nutzer kommt diese Lösung sehr entgegen.

Im direkten Vergleich der Ladezeiten einzelner Websites in Mobile Safari mit und ohne Content-Blocking zeigen sich, wie groß der Einfluss von Werbung auf das Ladeverhalten von Websites ist. Während es im Test ohne die Adblock-App Crystal 13.47 Sekunden dauerte TheVerge.com zu laden, ist die Seite mit Adblocker nach 4.07 Sekunden da. Auch die HuffingtonPost, die mit 5.05 Sekunden ohne Adblocker grundsätzlich zu den schneller ladenden Websites gehört, wird mit Crystal noch einmal beschleunigt: Nach 0.924 Sekunden ist sie fertig geladen. Insgesamt berichtet Dean Murphy, der Entwickler der Adblocking-App, dass die Ladezeit der zehn von ihm getesteten Websites um durchschnittlich 74 Prozent reduziert wurde.

Wie schnell wird die Zukunft des Web?

Fraglich ist allerdings noch, in welchem Umfang das Blocken von Content künftig wirklich möglich sein wird. Noch ist nicht bekannt, welche Anwendungen schlussendlich über den App Store zu beziehen sein werden und wie viele Freiheiten Apple den Entwicklern in der Umsetzung der neuen Möglichkeiten wirklich zugestehen wird. Doch auch ein eingeschränktes Content-Blocking wäre schon ein großer Schritt in Richtung eines schnelleren mobilen Webs.

Das mobile Internet ist also endlich auf dem Weg in die Zukunft! Sowohl Apple als auch Google als die größten Entwickler mobiler Betriebssysteme haben damit begonnen, dem Bedürfnis der User nach mehr Geschwindigkeit entgegen zu kommen. Vielleicht kann das mobile Internet ja doch bald mit dem Desktop mithalten! Zumindest wurden die ersten Schritte in diese Richtung endlich unternommen.

Aufmacherbild: Alexander Supertramp / Shutterstock.com

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