Mobility, IoT & Co.

Connected Cars: „Bedürfnisse des Kunden optimal zu bedienen, bleibt die größte Herausforderung“
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Das Mobilitykonzept „Connected Car“ rückt immer mehr in den Fokus von Automobilherstellern und Technologiekonzernen – erst recht im Zuge der steigenden Bedeutung des Internet of Things. Ein Businessmodell auf Basis eines „lean approach“ zu entwickeln scheint dabei ein Ding der Unmöglichkeit. Stattdessen werden teilweise Millionen in Connected-Car-Konzepte gepumpt.

Auf der MobileTech Conference 2015 in Berlin gibt Boris Danne, Business Development Manager bei AutoScout24, den Teilnehmern Einblicke in ein kleines Projekt, das es dank kontinuierlicher Gespräche mit potenziellen Kunden, der Organisation von Hackathons und einer offenen Herangehensweise weit gebracht hat. Wir sprechen mit Boris Danne über interessante IoT-Projekte bei Automobilherstellern und deren Business-Modelle sowie über spannende Ergebnisse von Hackathons.

entwickler.de: Herr Danne, was sind für Sie derzeit die spannendsten IoT-Projekte bei Automobilherstellern?

Boris Danne: Ganz grundlegend finde ich die schrittweise Entwicklung zu immer offeneren Modellen im Connected Car Bereich sehr spannend. Die internen Widerstände zu dieser Entwicklung sind in der Industrie groß, aber die Erwartungen und das Verhalten der Kunden und die wachsende Konkurrenz aus dem digitalen Bereich erzeugen einen gewissen Handlungsdruck. Auch die jüngsten Ankündigungen verschiedener Hersteller, dass zukünftig privates Carsharing mit unterstützt werden soll, ist eine Anpassung an eine bereits stattfindende Entwicklung im Markt.

entwickler.de: Welches dieser Beispiele ist am nächsten dran, ein veritables Business Modell zu werden (oder ist es bereits schon)?

Danne: Carsharing erfreut sich stetig steigender Beliebtheit, und das Modell wird besonders durch die verbaute Telematik erst interessant für eine breitere Kundegruppe. Da Carsharing als Konzept jedoch nicht neu ist, wird es in diesem Zusammenhang eher selten erwähnt. Um offenere Connected-Car-Systeme zu rentablen Geschäftsmodellen, wie im Smartphone-Bereich, zu entwickeln, fehlen noch ein paar Schritte. Vor allem wirtschaftliche Interessen der Hersteller stehen einer Entwicklung in interessanten Bereichen entgegen. Aber Sicherheitsfragen sind natürlich auch zu beachten. Ich habe jedoch keinen Zweifel, dass sich aus den verfügbaren Daten weit mehr Möglichkeiten ergeben, als aktuelle Angebote vermuten lassen.

entwickler.de: Mir scheint, BMW ist einer der Hersteller, die den Connected Car Approach und alles, was damit zusammenhängt, mit am besten verstanden hat? Würden Sie das auch so sehen oder gibt es auch andere Hersteller, die ähnlich durchdachtes Mobilitätskonzept haben wie die Münchner?

Danne: BMW hat relativ früh damit begonnen, alternative Angebote zu entwickeln. Es ist wirklich beeindruckend zu sehen, wie viel hier in Mobilitätskonzepte und alternative Technologie investiert wird. Die Bedürfnisse und Probleme des Kunden in optimaler Weise zu bedienen, bleibt dabei die größte Herausforderung – besonders da sich mit der Digitalisierung unseres Alltags unser Umgang mit Technologie und die Erwartungen daran stark verändern.

entwickler.de: Sie haben bereits einige Hackathons im Bereich Connected Cars organisiert? Wie waren Ihre Erfahrungen, was sind die spannendsten Ergebnisse?

Danne: Am spannendsten ist es immer wieder zu beobachten, wie viel in so kurzer Zeit mit einem motivierten Team möglich ist. Hackathons machen wirklich sehr viel Spaß und wir veranstalten auch intern bei AutoScou24 regelmäßig mehrtätige Events. Zu den spannendsten Ergebnissen zählen immer die überraschenden und meist unsinnig wirkenden Ideen. Bei unserem ersten Connected Car Hackathon hat das Siegerteam ein Spiel zusammengehackt – „AngryCars“. Das Auto wird zum Game-Controller und bei jeder Fahrt können Gebiete erobert oder Extrapunkte gesammelt werden. Allerdings hätte es in der Umsetzung mit Sicherheit Probleme bei der Zulassung gegeben. Natürlich haben wir auch schon bodenständigere Produkte aus einem solchen Event direkt umgesetzt, wie z.B. eine App zum Benzinpreisvergleich.

entwickler.de: Was wäre für Sie das ultimative Connected-Car-Gadget, das Sie sich in Zukunft im Auto wünschen würden?

Danne: Wenn man eine Analogie zu anderen Branchen herstellt, dann bietet die Kombination aus guter Qualität und sorgenfreier Nutzung eine große Chance. Besonders hier könnten die deutschen Hersteller weiter punkten. Das riesige Angebot an Daten bietet die Chance die typischen Probleme rund um das Auto zu lösen. Dabei reden wir natürlich nicht von einem Gadget, sondern von einem integrierten und komplexen Serviceangebot. Persönlich fände ich die Möglichkeit super, häufiger verschieden Fahrzeuge zu nutzen. Die Entwicklung des Carsharing geht in diese Richtung, aber noch ist das Angebot recht limitiert und der Markt fragmentiert mit verschiedenen Systemen und Angebotsmodellen. Der friktionslose Sprung vom Lieferwagen am Morgen auf einen BMW i8 am sonnigen Nachmittag und dem Oldtimer am Wochenende ist noch einige Schritte entfernt.

boris_danneZur Person: Nach mehreren Unternehmensprojekten während seines Studiums entschloss sich Boris Danne vom Entrepreneur zum Intrapreneur zu werden. Mit über sechs Jahren Erfahrung in Online-Projekten ist er bei AutoScout24 für Innovationen im Bereich Technology und Automobile verantwortlich. Mithilfe von agilen Softwareentwicklungsprozessen und „Lean Startup“-Methoden werden die Unschärfen neuer Produkte und Märkte aufgelöst, um innovative Projekte umzusetzen.

Boris Danne spricht live auf der MobileTech Conference 2015 in Berlin.
Seine Session: A Lean Approach to Connected Car Business Models

In diesen MobileTech Conference Sessions erfahren Sie mehr über Connected Devices, iBeacons & Co.:

 

Aufmacherbild: transportation and vehicle concept – man using car control panel von Shutterstock / Urheberrecht: Syda Productions

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