Das verlorene Jahrzehnt – 3 Gründe für den Misserfolg Microsofts
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Es gab einmal eine Zeit, da war Microsoft der unangefochtene Platzhirsch in der Computerbranche. Wer einen Computer hatte, nutzte Microsoft. Im Internet gesurft wurde mit dem Internet Explorer, E-Mails

Es gab einmal eine Zeit, da war Microsoft der unangefochtene Platzhirsch in der Computerbranche. Wer einen Computer hatte, nutzte Microsoft. Im Internet gesurft wurde mit dem Internet Explorer, E-Mails wurden mit Outlook verschickt und Dokumente verfasste man mit Microsoft Word.

Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Seit einem knappen Jahrzehnt schon befindet sich der ehemalige Marktführer im stetigen Abstieg, während Konkurrenten wie Apple oder Google stärker und stärker werden. Allein das iPhone generierte im vergangenen Jahr mehr Umsatz als alle Microsoft-Produkte zusammen. Wie konnte es nur so weit kommen?

Mit dieser Frage beschäftigt sich Kurt Eichenwald in der August-Ausgabe der US-amerikanischen Zeitschrift Vanity Fair. Unter dem Titel Microsoft’s Lost Decade liefert er eine Fallstudie über den Erfolg und wie man ihn verlieren kann. Dabei beruft er sich auf verschiedene Interviews mit aktuellen und ehemaligen Microsoft-Mitarbeitern sowie auf interne Business-Dokumente. Basierend auf diesem Artikel haben wir für Sie die drei Hauptgründe für den Misserfolg Microsofts im vergangenen Jahrzehnt zusammengestellt.

Durch Steve Ballmer hat Microsoft ein ganzes Jahrzehnt verloren
Durch Steve Ballmer hat Microsoft ein ganzes Jahrzehnt verloren

1. An erster Stelle steht laut Eichenwald ein unternehmensinterner Grund. Seit Anbeginn der Ära Ballmer verfolgt man im Hause Microsoft ein Management-System mit dem schönen Titel „Stack Ranking“. Hierbei geht es darum, dass in jeder einzelnen Einheit ein bestimmter Prozentsatz der Mitarbeiter als „Top Performer“, „Good Performer“, durchschnittlich oder als mangelhaft eingestuft werden muss. Dieses System sorge dafür, dass Mitarbeiter verstärkt untereinander konkurrieren und somit das Voranbringen des eigenen Unternehmens aus den Augen verlieren. Außerdem habe das „Stack Ranking“ schon viele innovative Arbeitskräfte vertrieben, so eine interne Quelle.

2. Auch das fehlende Innovationspotential gilt als einer der Gründe des Misserfolgs Microsofts im vergangenen Jahrzehnt. Schon 1998 haben Mitarbeiter dem damaligen CEO Bill Gates den Protoyp eines E-Readers präsentiert – dieser wurde von ihm jedoch abgelehnt mit der Begründung, dass er nicht genügend nach Windows aussehe. Damals galt wohl noch das „Windows-ist-Gott“-Prinzip. Anstatt weiter an innovativen Produkten zu arbeiten, wurde das Entwickler-Team des E-Readers in die Office-Sektion eingegliedert und musste von dem Zeitpunkt an Profite anstelle von Ideen liefern.

3. Als weiterer Grund für den fehlenden Erfolg des einstigen Softwareriesen ist, wohl oder übel, auch Steve Ballmer selbst zu sehen. Immerhin wurde Ballmer erst kürzlich von Forbes zum schlechtesten CEO aller großen amerikanischen Firmen gekürt. Er habe Microsoft aus dem fast grenzenlosen Wachstum heraus geführt und seit seinem dortigen Einstieg so gut wie keine Innovationen geschaffen.

Misserfolg hin oder her – Microsoft arbeitet schon seit einiger Zeit intensiv daran, den Anschluss an die innovative Spitze der IT-Branche wieder zu finden. Wie sonst ließen sich die Ankündigung des Surface Tablets oder die Generalüberholung des Windows-Phone-Betriebssystems erklären? Ob dem Unternehmen aus Redmond der Anschluss gelingt oder ob der Zug endgültig abgefahren ist, wird sich in nächster Zeit zeigen.

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