Im Interview mit Matthias Fischer (MF IT Consult)

Die Gunst der späten Geburt – Windows Phone zwischen Android und iOS
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Während Android und iOS immer noch unangefochten den Smartphone-Markt anführen, ist Windows Phone in letzter Zeit verstärkt im Kommen. Dieser Entwicklung trägt auch der Mobile Day auf der BASTA! 2012 Rechnung. Als kleine Einstimmung erzählt uns BASTA!-Speaker Matthias Fischer schon jetzt von seinen Erfahrungen mit dem Smartphone OS aus dem Hause Microsoft.

dot.NET: Herr Fischer, Sie sind der erste Nokia Certified Trainer im gesamten deutschsprachigen Raum. Was fasziniert Sie so an Windows Phone und insbesondere an den Nokia Smartphones?

Matthias Fischer: Windows Phone interessiert mich zum einen aus der Perspektive des Anwenders, weil die Oberfläche sehr aufgeräumt und übersichtlich ist, aber trotzdem die wichtigsten Informationen auf einen Blick darstellt. Die tiefe Integration der sozialen Netzwerke hilft, alle meine Kontakte direkt vom Telefon aus zu erreichen. Als .NET-Entwickler interessiert mich besonders die Technologie hinter dem Windows Phone.

Seit meinem ersten Smartphone hat mich der Gedanke fasziniert, nur noch ein Gerät dabei zu haben. Das Nokia Lumia 900 ist nicht nur sehr modern designt, mit einer wertigen Haptik, sondern ersetzt mir Navi (inklusive Offline-Karten), Musik-Player und Fotoapparat sowie beim Beantworten von neuen Nachrichten auch oft ein Notebook.

dot.NET: Welches sind die bezeichnendsten Unterschiede zwischen Windows Phone und den Marktführern Android und iOS? Welche Stärken und welche Schwächen bietet Microsofts OS im Vergleich?

Matthias Fischer: Windows Phone hat die Gunst der späten Geburt. Andere Plattformen, wie Android oder iOS, haben das Smartphone bereits als Alternative zum Feature Phone etabliert. Das Konzept mit den großen, informativen, lebendigen und übersichtlichen Kacheln, welche den Benutzer über wichtige Informationen der jeweiligen Apps auf dem Laufenden halten, und besonders die tiefe Integration verschiedenster Dienste wie Facebook, Twitter und Co. heben das Windows Phone von anderen Plattformen ab.

Auf dem Windows Phone gibt ein App-übergreifendes Navigationskonzept, welches den Benutzer durch die Anwendungen führt. Dieses fehlt auf Plattformen wie Android oder iOS.

Ein weiterer Unterschied ist das Sicherheitskonzept. Auf dem Windows Phone kann eine App auf keine Ressourcen (Daten, Fotos, Kamera, oder Mikrophon) zugreifen, ohne dass der Anwender dafür jedes Mal explizit seine Zustimmung erteilt.

Nicht im Vordergrund laufende Apps werden beim Windows Phone konsequent „geparkt“, was die Akkulaufleistung signifikant verbessert.

In einem Punkt sind die beiden Mitbewerber allerdings etwas voraus: Die Verbreitung sowie die Vielfalt der verfügbaren Apps ist bei Android und iOS zur Zeit größer.

dot.NET: Denken Sie, dass Windows Phone seine beiden Hauptkonkurrenten in naher Zukunft einholen und eventuell sogar überholen kann?

Matthias Fischer: Windows Phone gibt es jetzt seit nicht ganz zwei Jahren auf dem Markt. In dieser Zeit sind nicht nur über 100.000 Apps entstanden, sondern auch einige sehr leistungsfähige Geräte auf den Markt gekommen. In den USA waren im Juni 2012 bereits 7 der 10 beliebtesten Geräte Windows Phones. Das zeigt, wie viel Potential in dieser Plattform steckt. Ich bin davon überzeugt, dass Windows Phone mittelfristig zu einem dritten großen Player im Smartphone-Umfeld wird.

dot.NET: Welche Rolle spielt Ihrer Meinung nach Windows Phone 8?

Matthias Fischer: Windows Phone 8 ist aus der Perspektive der Nutzer ein relativ großer Schritt nach vorn. Ich persönlich freue mich vor allem über die native Integration von Skype, welche es ermöglicht, auch dann erreichbar zu sein, wenn die App nicht im Vordergrund ausgeführt wird. Dazu kommen Performance-Steigerungen durch Multi-Core Geräte, mehr Speicherplatz für eigene Inhalte und Medien durch einen SD-Karten-Adapter sowie höhere Display-Auflösungen für eine noch schärfere Anzeige.

Aus der Sicht der Entwickler sind vor allem die neuen Möglichkeiten der Verwendung von nativem C/C++ Code in Kombination mit Direct X und die Möglichkeit, viel mehr im Hintergrund laufen zu lassen, sehr interessant. Ferner lassen sich große Anteile des Quellcodes zwischen Windows Phone 8 und Windows 8 Apps teilen.

In diesem Zusammenhang sehen viele die Frage, ob sich bereits auf dem Markt befindliche Geräte updaten lassen, sehr kritisch. Meiner Meinung nach liegt das Problem nicht in der Frage Update oder kein-Update, es ist vielmehr ein allgemeines Problem mit jeder Technologie. Wenn man sich zu einem Zeitpunkt entscheidet, ein neues Gerät zu erwerben, wählt man das Gerät, welches einem am besten gefällt. Man entscheidet sich für dieses Gerät, weil es zu diesem Zeitpunkt den eigenen Erwartungen entspricht. Kurz nach dem Erwerb (manchmal sogar während des Nachhause-Tragens) kommt ein technologisch etwas besseres Gerät auf den Markt. Dass der Entwicklungsfortschritt an dieser Stelle mit sehr großen Schritten voran gegangen ist und Windows Phone 8 sehr schnell nach Mango verfügbar wird, macht die vorhandenen Mango-Geräte nicht schlechter als sie vorher waren, als wir diese mit Begeisterung erworben haben.

dot.NET: Auf der diesjährigen BASTA! werden Sie im Rahmen des Mobile Day eine Session mit dem Titel „Windows für unterwegs – Windows Phone für .NET-Entwickler“ halten. Was müssen .NET-Entwickler beachten, wenn sie sich in den mobilen Bereich vorwagen?

Matthias Fischer: Ein wichtiger Punkt bei dem Umstieg in die mobile Programmierung allgemein ist, dass auf den verhältnismäßig „kleinen Telefonen“ alles nur in einem begrenzten Umfang zur Verfügung steht. Das gilt sowohl für Ressourcen, wie Speicher oder CPU-Leistung, aber auch für den Umfang von API-Funktionen in dem dort vorhandenen Framework.

Nachdem man sich, z.B. in meiner Session, einen Überblick über die vorhandenen Mittel und Möglichkeiten verschafft hat, findet sich ein .NET-Entwickler schnell in der neuen Welt zurecht. Auch Quereinsteiger kommen mit ein wenig Anleitung gut in die Programmiertechniken des Windows Phone 7/8 hinein. Die verwendete Programmiersprache C# und die XAML-Beschreibung der Oberflächen sind vergleichsweise leicht erlernbar.

dot.NET: Vielen Dank für das Interview!

Matthias Fischer ist Windows Phone 7-Entwickler der ersten Stunde und erster und bisher einziger Nokia Developer Certified Trainer für WP7 in DACH. Als Softwareentwickler und Fachbuchautor hat er diverse Fachbücher zu ASP.NET, WCF und allgemeinen .NET-Entwicklungsthemen geschrieben und ist in Projekten als Softwareentwickler, Berater und Trainer für die .NET Technologie unterwegs. Er verfügt über langjährige Beratungs- und auch Entwicklungserfahrung und ist ein Mann der Tat: Pragmatische Lösungen für konkrete (technische) Probleme zu finden ist seine Passion. Er engagiert sich durch regelmäßige Vorträge und als Mitorganisator in der .NET UG Berlin Brandenburg. Weitere Informationen zu Matthias Fischer finden Sie unter www.dotnetautor.de.
Matthias Fischer auf der BASTA! 2012
  • Workshop: Say Hello to Windows Phone
    17.09.2012 | 09:00 – 17:00 Uhr
  • Session: Windows für unterwegs – Windows Phone für .NET-Entwickler
    20.09.2012 | 17:15 – 18:30 Uhr
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