Die Zukunft der Mobiltechnologie
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Vor 42 Jahren hatte der Motorola-Ingenieur Martin Cooper eine waghalsige Idee: Ein portables Telefon kreieren, das man überallhin mitnehmen kann. In die Tat umsetzen konnte er seine Idee erst zehn Jahre später: 1983 kam das Dynatac 8000X auf den Markt – das weltweit erste kommerzielle Handy. Es wog knapp 800 g, hatte etwa die Maße einer DIN A4-Seite und kostete 3.995 Dollar. Obwohl das erste Mobiltelefon kein Kassenschlager war, hat es doch die Welt so sehr verändert wie kaum ein Gerät sonst. Was hat nun die Mobiltechnologie der Zukunft in petto?

Mittlerweile gibt es rund 7,2 Milliarden mobile Devices. Seit der Markteinführung flächendeckender digitaler Mobilfunknetze Anfang der 1990er-Jahre in Deutschland hat sich einiges in puncto Design, Ausstattung und Technik von Mobiltelefonen getan. Heutige Smartphones verfügen beispielsweise über Chips mit einer Rechenleistung, die vor knapp 15 Jahren Computern vorbehalten war, und wiegen dabei nur etwas mehr als 100 Gramm. Allerdings hat es seit der ersten Generation des iPhones keine bahnbrechende Innovation mehr gegeben – das jedenfalls ist die Meinung vieler Branchenbeobachter, die sich mit Status Quo und Zukunft mobiler Technologien befassen.

Mobiltechnologie: Revolution und Evolution

Auch Tech-Blogger Sam Volkering konstatiert in „Is this the Real Future for Mobile Technology?“, dass es seit acht Jahren habe es keine großartige Veränderung im Design von Smartphones mehr gegeben hat: Alle seien rechteckig, mit einem Bildschirm auf einer Seite und Technik im Inneren. Letztere hat sich natürlich gewandelt – Smartphones sind schneller geworden und mit mehr Sensoren und komplexerer Technik ausgestattet. Das sei der Grund, warum man momentan nur von einer Evolution in der Mobiltechnologie sprechen könne.
Für Volkering sind der grundlegende Zweck und der revolutionäre Gedanke eines Mobiltelefons die Kommunikation zwischen Menschen. Und diese soll so einfach wie möglich gestaltet werden. In Zukunft geht es darum, Mobiltechnologie in den Menschen zu integrieren. Das kann durch Augmented Reality oder Wearables geschehen.

This is the future of mobile technology. It’s the deconstruction of the mobile phone and complete immersion with the human form.

Trend #1: Contextual Computing

In diesen Tenor stimmt auch Sam Azab, IT-Manager, mit ein: Ein großer Trend für die Zukunft sei vor allem der Einsatz von Wearables und dem damit einhergehenden Contextual Computing im Einzelhandel. Alle Daten, die Smartphones oder Wearables sammeln, werden in Zukunft dazu genutzt, das Leben der User zu optimieren und diese über neue Produkte zu informieren. Schon jetzt optimiert der Einzelhandel seine Werbung auf die unterschiedlichen Konsumenten, indem er sich auf den übermittelten Standort und die gesammelten Daten über das Kaufverhalten nutzt. Zudem werden die Mobil- und Cloudtechnologie dazu beitragen, dass Informationen zwischen Personen schneller und einfacher geteilt werden können. Es wird eine Ära des Contextual Computing anbrechen und neue Möglichkeiten des Handels eröffnen:

The adoption of contextual computing — combinations of hardware, software, networks, and services that use deep understanding of the user to create tailored, relevant actions that the user can take — is rapidly becoming a requirement of new enterprise-level platforms. Mobile technology isn’t interesting because it’s a new form factor. It’s interesting because it’s always with the user and because it’s equipped with sensors wherever you are.

Kontext ist auch für mobiles Marketing ein entscheidender Zukunftsfaktor. Allerdings sollte Kontextmarketing immer mit einer Prise Kreativität angereichert werden. Dass entsprechende aussagekräftige Daten die Grundlage bilden, versteht sich für Chris Cunningham, Head of Mobile bei ironSource, von selbst:

Beautiful, creative messaging within the right context and with the right data to drive it — data that’s based on activity behavior — the ‘when’ versus the ‘who’.

Trend #2: Mobile Payment

Die Zukunft von Mobile Payment ist eng mit der Entwicklung von Wearables verknüpft. Auf dem Wearable World Congress im Mai 2015 diskutierten Vertreter von PayPal, Capital One und MasterCard über den Nutzen von Wearables für die Mobilbranche und im speziellen für mobile Bezahlprozesse. Branchenprognosen gehen davon aus, dass Wearables der Industrie die Möglichkeit geben, personen- und kontextbezogene Erlebnisse an den Endkunden zu liefern. Basierend auf dem Userverhalten und dem Standort findet der Nutzer etwa auf der Smartwatch die favorisierte Zahlungsoption vor. Im Idealfall muss man dann dank NFC (Near Field Communication) nur noch sein Smartphone an einen Kontakt halten, um zu bezahlen. Der Industriekonsens ist: Apple Pay, Google Wallet & Co. werden Bargeld und Kreditkarten Stück für Stück ersetzen.

Trend #3: Die Wearable-Debatte

Liegt in den Wearables tatsächlich die Zukunft der Mobiltechnologie? Angesichts des Hypes um Smartwatches ist die vermeintliche Antwort: ja! Doch sind momentane Smartwatches wirklich mehr als nur teure Gadgets? Für Waiman Lam, Senior Director of Mobile Devices bei ZTE, ist zwar die Apple Watch eine nette Ergänzung, aber kein „Game Changer“. Vor allem die geringe Akkulaufzeit und den begrenzten Funktionsumfang sieht er skeptisch:

I would suggest that the Apple Watch, which offers a raft of intuitive features but needs its battery charged frequently, has yet to find the right balance. […] Just as consumers expect an increasingly high level of functionality from their smartphones; so too they expect the same from their wearable devices from the offset.

Dennoch wird ZTE in die Wearable-Technologie investieren. Das Hauptaugenmerk liegt dabei für Lam auf Sprach- und Gestensteuerung für Smartphones und Wearables.

Lams Skepsis gegenüber Smartwatches spiegelt sich auch in Marktstudien zu den jeweiligen Produkten von Apple und Samsung wider. So hat sich die Apple Watch zwar in ihrer ersten Verkaufswoche gut verkauft, danach setzte allerdings eine starke Stagnation ein: Die Anzahl der verkauften Devices rutschte seitdem um 90 Prozent ab. Auch Pacific Crest und UBS haben die erwarteten Verkaufszahlen aufgrund von mangelndem Interesse nach unten korrigiert. Obwohl der Absatz von Apple Watches nicht so gut war wie erhofft, hat das Unternehmen in zwei Monaten dennoch mehr als dreimal so viele Smartwatches absetzen können wie Samsung in zwei Jahren. Der starke Trend hin zur Selbstoptimierung und Selbstvermessung (Stichwort: Quantify Yourself) wird sich jedoch in den nächsten Jahren zweifelsohne positiv auf den Umsatz von Wearables aufwirken.

Trend #4: Die Frage nach mehr Konnektivität

Im Zusammenhang mit globaler Vernetzung steht man vor dem Problem, enorme Mengen von Daten zu senden und zu verarbeiten. Zudem kommt noch die Schwierigkeit, dass sich unzählige verschiedene Devices und Netzwerke gegenseitig überlagern. Die Lösung dafür könnte laut Caroline Gabriel 5G sein – eine Möglichkeit, Daten in Echtzeit zu verbreiten und auszuwerten. Allerdings wird das wohl erst 2020 der Fall sein:

No one knows what form it will take, but it is likely to have multi-gigabyte data rates and ultra quality of service, meaning no gaps in signal.

Bei der Entwicklung könnte die Bereitstellung von Open-Source-Software helfen. Denn diese trägt dazu bei, dass Innovationen schneller vorangetrieben und Fehler ausgemerzt werden. Eventuell werden in Zukunft Mobiltelefonbesitzer selbst in der Lage sein, eigene Technologien zu entwickeln. Das Ergebnis davon wäre laut Joshua Bell, dass man die Grenzen erweitert “of what it means to be interconnected, alive and human”.

Back to the future

„consumers are the real commanders“

Contextual Computing und Marketing, Mobile Payment, Wearables und umfassende Konnektivität sind die wichtigsten Faktoren für die Zukunft von Mobile Technology. Dazu kommt die Integration von mobilen Geräten in den Menschen selbst. Der wichtigste Punkt dabei ist die veränderte Selbstwahrnehmung des Users: Es geht nicht länger darum, dass man seine Gewohnheiten an das Device anpasst, sondern das Device soll sich an den Menschen anpassen – an den Lifestyle, die Gewohnheiten, wie man kommuniziert und Dinge wahrnimmt.

Besinnen wir uns aber auch zurück auf die Anfänge des Mobiltelefons: Wichtig ist und bleibt die zwischenmenschliche Kommunikation.

Aufmacherbild: Icon of smartphones demonstration von Shutterstock / Urheberrecht: robuart

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