Das Web ist die Zukunft – und sticht dabei auch native Apps aus

Die Zukunft des Mobile Web
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Mozilla ist vor allem für eines bekannt: für seinen Browser Firefox. Hinzu kommen viele Tools rund um das Web, einige hochkarätige Technologien wie beispielsweise asm.js und natürlich ein mobiles Betriebssystem, das auf den wohl verbreitetsten Technologien weltweit aufsetzt – Firefox OS. Wenn auch hierzulande eher unbekannt, erfreut es sich dennoch einer stets wachsenden Beliebtheit. Einer der Hauptgründe dafür ist die Verwendung von Webtechnologien – und die haben in vielen Belangen die Nase vorne.

Auf der MobileTech Conference in Berlin war das unter anderem ein Thema in Chris Heilmanns Keynote The Web, the Mobile Web and nothing but the Web. Außerdem beweist Mozilla mit Firefox OS, dass das Web auch auf dem Smartphone nativ zuhause sein kann. Interessante Ein- und Aussichten gab es zur Genüge, jetzt ist es an der Zeit, sie aufzuarbeiten.

Chris Heilmann auf der MobileTech Conference 2014 Chris Heilmann auf der MTC 2014

Nothing but the Web

Einige von uns sind alt genug, um sich – wie Chris Heilmann – an die guten alten Zeiten zu erinnern, in denen man nach der Schule in die Bibliothek gelaufen ist, um sich ein Buch auszuleihen, das man für eine Hausarbeit brauchte. Und natürlich war es meist so, dass das benötigte Nachschlagewerk bereits verliehen war. Recherche war also eine aufwendige Sache, die von vielen Faktoren abhängig war, die man zum Teil nicht selbst beeinflussen konnte.

Doch dann kam das Internet.

The Internet is accessible information on demand.

Chris Heilmann

Die Geduld des Webentwicklers

Überspringen wir die nächsten paar Jahre, in denen das Web einen Siegeszug auf’s Parkett legte, der seinesgleichen sucht. Die Devices, auf denen sich das Web abspielte, wurden zunächst größer, dann kleiner – und haben nun eine Vielfalt erreicht, die kaum mehr in Worte zu fassen ist.

Als Webentwickler braucht man vor allem eines: Geduld. Bei jeder neuen Technologie wird von der Wachablöse gesprochen: Flash, Applets und Co stellten zu ihrer Zeit immer die angeblich bessere Alternative dar, um den Anforderungen des Webs und der User gerecht zu werden. Webstandards und –technologien wie HTML, CSS und JavaScript sind allerdings noch heute das Rückgrat des Webs. Und durch das stetige Streben verschiedenster Akteure passen sie sich hervorragend an jede Herausforderung an, die sich ihnen stellt. Wie beispielsweise das Mobile Web.

Lebende Standards

In einigen Bereichen waren manche Browser ihrer Zeit weit voraus. Geolocation, so Heilmann, gab es beispielsweise bereits 2005 im Firefox 3. Features, die wir heute also als Markenzeichen der mobilen Revolution anerkennen, gab es in Desktop-Browsern schon vor langer Zeit.

Die Browser-Hersteller haben sich jedoch nicht darauf ausgeruht und immer weitere, vor allem für mobile Devices interessante, Features ausgearbeitet und ihre Mitarbeit im W3C verstärkt. So entstanden unter anderem das Battery Status API, das Vibration API und viele andere spannende Sachen. Das legt die Vermutung nahe, dass der Sprung vom klassischen Desktop-Web auf mobile Devices ein Kinderspiel sein müsste. Doch dort regieren die Apps.

Apps, die Gewinner auf dem Mobile-Markt

Apps sind die Gewinner auf dem Mobile-Markt, wie es scheint – die überfüllten App Stores dieser Welt können schließlich nicht lügen. Wer bemüht den Browser, wenn es für alles eine App gibt? Außerdem leiden die Mobile-Web-Apps dieser Welt an einer schrecklichen Krankheit:

Mobile Web looks like iPhone 1 – although it’s my Nexus 5 Android device.

Chris Heilmann

Es ist also an der Zeit, umzudenken. Es ist an der Zeit, Webtechnologien vernünftig einzusetzen und nicht auf Frameworks zu vertrauen, die entstanden sind, als das iPhone das Licht der Welt erblickte. Wen wundert es da, dass Apps die Nase vorne haben?

Die Crux mit den Apps

Betrachtet man die Sache etwas genauer, zeichnet sich jedoch ein etwas anderes Bild. Ein Ende August erschienener ComScore-Report zeigt auf, dass amerikanische Smartphone-Nutzer der Apps langsam aber sicher überdrüssig werden – lediglich ein Drittel lädt eine oder mehrere Apps pro Monat herunter; bei zwei Dritteln hat sich der Screen mit den Apps am Ende des Monats nicht verändert.

Die Gründe dafür sind vielfältig – und überaus einleuchtend. Denn das Ziel von Apps ist es, ihre User an sich zu binden. Wenn das nicht mehr funktioniert, muss die Marke ausgeschlachtet werden, wie bei der berühmten Angry-Bird-Serie, die in regelmäßigen Abständigen mit „neuen Versionen“ punkten wollte – Updates kamen nicht in Frage, denn nachdem Apple einmal entschieden hatte, dass Updates kostenlos sind, lies sich damit kein Geld verdienen. Die Alternative ist eben, dass die Marke beerdigt wird.

Ganz realistisch betrachtet gibt es im App-Umfeld nur wenige Gewinner. In den Top-25-Apps findet sich kein einziges Spiel, da die Marken zu schnell ausbluten. Dafür wird dieses Segment von Google dominiert – OS-übergreifend. Der Suchmaschinengigant schafft es, mit seinen Marken wie GMail, YouTube, Maps und Co., Nutzer zu binden. Ähnlich geht es Messengern wie WhatsApp und natürlich dem allüberspannenden Social Network Facebook, das, wenn es um die Verbreitung der App geht, uneinholbar vorne liegt. Wo bleibt da der Spielraum für die eigene Anwendung?

Das Mobile Web als Chance

Webtechnologien haben schon längst die Barrieren durchbrochen – Features, die einst Apps vorenthalten waren, lassen sich eben auch mit Webtechnologien ansprechen. Was einst unermüdlich gebetsmühlenartig heruntergebetet wurde – Hybrid-Apps mit HTML5 – wird langsam aber sicher zur Realität.

Auch wenn vielen der mobilen Plattformen der Support für wichtige Features, wie beispielsweise die Form Validation in iOS, Android und Co, noch fehlt – mobile Websites oder Apps auf Basis von Webtechnologien lassen sich leicht um mobile-relevante Features wie beispielsweise die Offline-Fähigkeit erweitern. Darüber hinaus kommt jede Änderung ohne umständliches Update sofort beim User an.

Don’t think about building an app, think about building a business.

Chris Heilmann

Zurück auf Anfang

Die Website ist oft das erste, was ein Unternehmen besitzt, um mit der Außenwelt in Kontakt zu treten. Und mit den dort verwendeten Technologien kann man noch viel mehr erreichen, als nur der Welt mitzuteilen, dass man existiert. Das Beste daran ist aber, dass man mit einer Web-App automatisch ein Cross-Plattform-Produkt besitzt, das auf Windows, Mac OS X, Linux und Android-Devices funktioniert.

Das alles – und noch einiges mehr – war Teil des flammenden Appels für das Web von Chris Heilmann. Wer das selbst noch einmal erleben möchte, dem sei die knapp 28-Minütige Aufzeichnung der Keynote ans Herz gelegt.

Das Video der Keynote werden wir euch in Kürze präsentieren – das Warten lohnt sich. Versprochen.

Aufmacherbild: Crowded soccer stadium von Shutterstock / Urheberrecht: Csaba Peterdi

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