Entwickler, gamifiziert
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In der goldenen Zeit von Windows Mobile kämpften PalmSource und Symbian Limited darum, Entwickler zum Portieren ihrer WM-Apps zu animieren. Seit Windows Phone sieht die Lage anders aus: Microsoft lanciert

In der goldenen Zeit von Windows Mobile kämpften PalmSource und Symbian Limited darum, Entwickler zum Portieren ihrer WM-Apps zu animieren. Seit Windows Phone sieht die Lage anders aus: Microsoft lanciert einige Angebote, die Programmierer zur Berücksichtigung des hauseigenen Betriebssystems animieren sollen.

Die Neuerungen betreffen jeden Entwickler, der Applikationen für Windows Phone programmiert. Wer sich an die neuen Bedingungen nicht anpasst, verschenkt Marketingpotential und mitunter auch bares Geld.

Zahle einmal, codiere für immer

Symbian führte das Konzept der Jahresgebühr für Entwickler ein: Wer sein Developer Certificate nicht verlängerte, konnte keine neuen Programme ausliefern. Da dies zu keinem Aufstand führte, übernahmen Apple und Microsoft die Vorgehensweise in ihre Stores.

Im Rahmen der vor wenigen Tagen angekündigten Neuerungen entfällt diese Gebühr nun. Wer für Windows und/oder Windows Phone entwickeln möchte, muss fortan einen einmaligen Obolus für die Aktivierung des Kontos entrichten – ab diesem Zeitpunkt steht das Konto uneingeschränkt zur Verfügung.

Erfreulicherweise gilt diese Neuerung rückwirkend. Wer in der Vergangenheit für den Windows- oder den Windows-Phone-Store bezahlt hat und im Besitz eines aktiven Abonnements ist, bekommt sein Konto auf Lebenszeit verlängert. Besonders nett ist, dass Windows und Windows Phone ab sofort in einem Konto zusammengefasst sind.

Falls Sie diese Option zur Steigerung der Verbreitung ihrer Applikationen in Anspruch nehmen möchten, sollten Sie die Aktivierung im Windows Store schnellstmöglich beantragen. Das dabei auszufüllende Formular hat mit österreichischen und slowakischen Postleitzahlen allerdings seine liebe Not und die in diesem Fall notwendige Kontaktierung eines Developer Advocates nimmt einige Zeit in Anspruch.

Vielcoderprogramm

Fluglinien unterteilen ihre Passagiere seit jeher in mehrere Klassen. Die für Vielflieger angebotenen Mehrleistungen führen stellenweise zu höchst irrationalem Verhalten: ein Trend, der an den bei Research in Motion für die Entwicklerbetreuung zuständigen Personen nicht vorbeiging.

Microsoft bietet mit den Dev Center Benefits einen ähnlichen Dienst an. Alle Teilnehmer bekommen ein kostenloses Konto im Store und dürfen sich zudem zur Begrüßung über einen Microsoft-Store-Gutschein im Wert von 25 US-Dollar freuen.

In den höheren Stufen „Expert“ und „Master“ warten weitere Vorteile. Ab „Expert“ dürfen sich Entwickler über die in BizSpark enthaltenen preiswerten Softwarelizenzen freuen, zwecks effizienterer Promotion gibt es eine Million Gratis-Impressions bei AdDuplex und einen Zweijahresvertrag mit dem Spielepublisher AE Mobile. Im „Master“-Level bekommen Sie bevorzugte Unterstützung in allen Store-Fragen, zudem erhalten Sie mitunter kostenlose Hardware und Betaversionen von Windows Phone.

Um Entwicklern das in DVLUP weit verbreitete „Optimieren an die Metrik“ zu erschweren, veröffentlicht Microsoft keine genauen Informationen über die für die jeweiligen Tiers geltenden Kriterien. Wer sich nach der Anmeldung zum Experten oder gar zum Meister berufen fühlt, muss eine oder mehrere existierende Apps für Android, iPhone und/oder Windows Phone hochladen. Microsoft analysiert die Offerte des Entwicklers daraufhin unter Nutzung von App Annie und informiert binnen 72 Stunden über Zustimmung oder Ablehnung.

Effizientere Werbung

Wer seine Apps durch Werbung monetisiert, bekommt sein Geld ab sofort schneller. Microsoft verspricht, dass Auszahlungen seit Anfang September um bis zu 50 Prozent schneller erfolgen. Dank wesentlicher Verbesserungen im Bereich des Ad Targetings sollen Banner in Zukunft „kontextsensitiver“ sein, was sich in höheren Klickraten manifestiert.

Zur Planung von Lokalisierung und Marketing stehen verbesserte Reports zur Verfügung, die mehr Informationen über die geographische Verteilung der User anliefern. Die verbesserte Datenbasis erleichtert das Targeting – schließlich wäre es unintelligent, monetisierungstechnisch uninteressante Länder mit Lokalisierungen und gezielter PR zu versorgen.

Fazit

Ein seit dem Pleistozän der Handcomputertechnik unverändertes Gesetz besagt, dass derjenige, der eine gute Beziehung zu seinem Distributor hat, mehr Lizenzen vertreibt. Da das in Diplomatenkreisen gerne als „Berücksichtigen des Geburtstags des Gouverneurs“ bezeichnete Networking in Arbeit ausartet, wird sich der eine oder andere Entwickler über die Einführung des Benefits-Programms freuen.

Die reduzierten Beiträge für die Konto-Aufrechterhaltung sind ein zweischneidiges Schwert. Mehr Entwickler bedeutet mehr Konkurrenz, was zu geringerem Einkommen pro Unternehmen führt. Wer mit seinen Apps weniger als 100 US-Dollar pro Jahr verdient, macht etwas falsch: es ist diskussionswürdig, ob man die marktnatürliche Eliminierung dieser „kranken Spieler“ durch Subventionen verlangsamen sollte.

Aufmacherbild: Keyboard – tetris von Shutterstock / Urheberrecht: VictorOley

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