BlackBerry Jam Asia 2013

Hat BlackBerry jetzt den Blues?
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Ende vergangenen Jahres als es wieder einmal „schlechte“ Nachrichten über BlackBerry gab, bekam ich viele mitfühlende eMails und Anrufe, da wohl davon ausgegangen wurde, dass mich der „Wehdam“ gepackt hat, wie Konstantin Wecker den Blues auf bayerischen nennt.

Sicherlich habe ich nicht erwartet, dass die Wegstrecke für BlackBerry so hart ist und dass es so lange dauern wird, wieder Tritt zu fassen. Die letzten Quartalszahlen haben auch mich schockiert. Es ändert aber nichts an meiner Einstellung, daß ich fest vom Überleben der Plattform  überzeugt bin.

Im September 2013 – direkt nach Bekanntgabe der Quartalszahlen – war ich auf der BlackBerry Entwicklerkonferenz BlackBerry Jam Asia in Hong Kong.

Und dort konnte ich erleben, dass die Entwickler weiter zu BlackBerry stehen: es war eine sehr gute Stimmung dort. Selbst BGR – eine Plattform, die eher nicht positiv zu BlackBerry eingestellt ist, berichtete darüber.
Als Entwickler sind wir ja ganz nah dran und wissen, was mit den nächsten Releases kommt und wie gut die Plattform ist. Nur eine gute Plattform und motivierte Entwickler hilft natürlich noch nicht aus der Patsche.
Der nächste wichtige Faktor ist die Motivation der BlackBerry Mitarbeiter und nun könnte man annehmen, daß die doch sicher der Blues gepackt hat nach Ankündigung der umfangreichen Entlassungen bei BlackBerry.
Aber nein: man muß das einfach erleben, wie stark alle hinter dem Produkt und der Firma stehen, das ist unglaublich und für mich sehr motivierend. Man hört höchstens mal, daß jemand sagt, „hoffentlich trifft es mich nicht, denn ich möchte für diese Firma und für dieses tolle Produkt weiter arbeiten“. Das muß man sich mal vorstellen: nach all dem, was an Spott und Kritik aus den Medien kommt: alle sind fest überzeugt vom Überleben. 

We’re definitely not going away“ hat Alec Saunders gesagt und es ist eine große Leistung, was Alec Saunders, Chris Smith und Marty Mallick in den letzten Jahren geschafft haben. Außerdem darf man ja nicht vergessen, daß der Launch von BlackBerry 10 noch keine 9 Monate her ist.
Ein großes Problem bei einem mehrjährigen Umstrukturierungsprozess ist es aber, alle 3 Monate Quartalsberichte für die Börse vorlegen zu müssen. Das kann nur schief gehen und eine negative (Medien-) Dynamik entfachen. Darum habe ich mir schon länger erhofft, daß BlackBerry einen Weg findet, für diese Phase von der Börse zu gehen.

Prem Watsa ( Photography by Peter J. Thompson/National Post)

Mit Fairfax und Prem Watsa gibt es jetzt eine gute Offerte. Fairfax ist an einem langfristigen Engagement interessiert und nicht an einem Zerschlagen der Firma und Veräußern der Goldstücke. Immerhin saß Prem Watsa viele Jahre im Aufsichtsrat von BlackBerry und kennt die Firma. Wie Prem Watsa in einem Interview vor einigen Tagen betonte: „Die Firma ist gut, das Produkt ist gut. Sonst würde sich das nicht lohnen, da einzusteigen“.
Going-Private war eine der Optionen, die ich mir gewünscht habe – eine andere wäre ein JointVenture mit LG, HTC oder Samsung gewesen: das würde diesen Firmen erlauben, nicht von einer Plattform (Android) abhängig zu sein und gleichzeitig würde BlackBerry 10 auf mehr Devices kommen. Aber auch da sind noch Gespräche im gange und genau wird man erst am 4. November wissen, wie es alles weitergeht. Gestern wurde bekannt, daß auch Mike Lazaridis – einer der Gründer von BlackBerry) mitbieten wird. Es bleibt spannend …
Wenn BlackBerry von der Börse genommen wird, entfällt der Druck mit den Quartalsberichten und es werden mehr die positive Meldungen wahrgenommen – und davon gibt es ja auch genug – alleine letzte Woche:

Dann gab es noch eine Nachricht, daß sich jetzt die Designer abwenden von BlackBerry 10: sieben ehemalige TAT / BlackBerry Schweden Designer haben eine neue Firma gegründet: TOPP. Einige von ihnen haben BlackBerry aber schon vor Monaten verlassen und die Designer und Developer, mit denen ich in Kontakt bin bei BlackBerry Schweden sind alle noch an Bord. Ich denke, es ist auch ganz normal, daß Designer immer wieder neue Herausforderungen suchen. Bei BlackBerry 10 sind ja die grundlegenden Designentscheidungen getroffen worden und es geht jetzt ehre darum, das alles durchgängig zu implementieren, um Fine-Tuning und den Ausbau der API. Da habe ich keine Bedenken, daß das alles wie geplant weiterläuft.
Außerdem ist vor einigen Wochen Gary Klassen, der „Erfinder“ des BBM nach Scheden umgesiedelt, um das Cascades Team dort zu unterstützen. So wie ich Gary kenne, wird da schon an innovativen Ideen und deren Umsetzung gearbeitet…
Nach Rückkehr aus Hong Kong habe ich auch bei anderen Entwicklern in Deutschland nachgefragt, sowie bei Systemhäusern recherchiert, die Enterprise Kunden betreuen: erstaunlicherweise bleiben alle gelassen und halten weiter zu BlackBerry . Aufgrund iherer Aussagen werden Z10 und Q10 kontinuierlich geordert, wobei derzeit das Z10 favorisiert wird, da es sehr günstig zu bekommen ist.

Aufmacherbild: Saxophonist. Man playing on saxophone against the background of sunset von Shutterstock / Urheberrecht: Andrey Burmakin[ header = Seite 2 ]

Damit sind wir gleich bei der Modellpolitik: BlackBerry hat ja bekanntgegeben, die Anzahl der jeweils am Markt befindlichen Geräte auf vier zu begrenzen: jeweils ein Touch- und ein Keyboard-gerät im Low-End und High-End Bereich, also derzeit Q5 / Z10 Low-End und Q10 / Z30 im High End. Das Z30 startet ja grad erst in den ersten Ländern – ich habe natürlich schon ein Gerät, da ich generell meine APPs immer auf echten Hardware Devices teste und nicht nur im Simulator – egal wie gut der ist.
Das Z30 ist eine konsequente Weiterentwicklung des Z10 und kommt schon mit dem neuen 10.2 OS. Das Soundsystem (BlackBerry Natural Sound) überzeugt mit Klangqualitäten die weitaus besser sind als alles, was ich bisher bei Smartphones erleben konnte. Dazu gehören nicht nur die speziell angeordneten Stereo – Lautsprecher, sondern auch die 4 Mikrophone. Ebenfalls Verbesserungen gab es im 2nd – Screen Bereich: neben HDMI per Kabel gibt es jetzt auch wireless Streaming zum HDMI Monitor per Miracast. Ich habe es mit einem Netgear Push2TV getestet und es läuft total ruckelfrei. Miracast macht es einfach, im Office oder zuhause das Z30 an einen großen Monitor „anzudocken“: keine lästigen Kabel mehr notwendig.
Miracast vereinfacht auch mobile Computing Szenarien. Mobile Computing oder Mobile First Strategien waren ein Schwerpunkt auf der BBJam Asia (siehe auch meine Session mit Tim Neil zu dem Thema).
Das Z30 kann auch als aktiver USB HUB fungieren und ich habe schon diverse Peripherie ausgetestet. Im Bluetooth Bereich ergeben sich mit Unterstützung von Bluetooth LE neue Möglichkeiten.

Ganz lustig war eine Demo des schwedischen Cascades Teams, wo über Sensoren die Bewegungen von zwei Schaukelstühlen benutzt wurden, um ein Spiel zu spielen.

Wo die Reise hingeht im Office konnten Alec Saunders und Chris Smith auf der BBJam Asia demonstrieren: der Inhalt vom BlackBerry 10 Device wurde auf den Desktop Rechner (Windows und OSX) ‚gebeamt‘ inklusive BBM – oder SMS Notifications und es konnte direkt vom Desktop geantwortet werden, wobei Attachments mit dem native Desktop – Filepicker hinzugefügt wurden. So stelle ich mir das vor: Man kommt mit dem mobile Device ins Office, arbeitet am Desktop weiter und hat Zugriff auf das Device ohne irgend etwas synchronisieren zu müssen.
Wer an der gesamten Keynote interessiert ist: es gibt 11 Videos dazu.
Über weitere Details von BlackBerry 10.2 oder das Z30 werde ich in anderen Artikeln berichten.
Die BBJam Asia Konferenz war eine doppelte Premiere für mich: das erste Mal war ich auf einer asiatischen Entwicklerkonferenz und es war das erste Mal, das ich im Auftrag von BlackBerry die offizielle Konferenz-App entwickeln konnte. (Hier der BlackBerry Developer Blog) Es ist zwar alles erst kurz vor der Konferenz fertig geworden (im A380 von München nach Hong Kong über Dubai habe ich noch Routinen für die EULA Abfrage gebaut) – war aber ein voller Erfolg. 

Am ersten Konferenztag erfolgten gut 1.000 Downloads der Teilnehmer und danach ging es weiter und es haben schon mehr als 3.000 die APP geladen und es gab durchgängig 5-Sterne – Bewertungen.
Wer schon auf einer JAX, W-JAX oder MTC mit einem BlackBerry 10 Gerät war, der kennt meine Konferenz APPs, mit denen ich ja immer auch demonstriere, wie leistungsfähig Cascades ist.
Zurück zur Frage, ob BlackBerry jetzt den Blues hat ?
Nein ! Entwickler und BlackBerry Mitarbeiter sind weiterhin sehr motiviert und es macht wirklich Spaß mit einem so großartigen Team wie Alec Saunders Developer Relations zusammen zu arbeiten !
Es wird vielleicht noch etwas dauern, aber dann heißt es wieder:

BlackBerry is Rocking the Stage 

Und dann aber nicht nur mit Rocking Chairs 😉
Soweit mein Bericht aus Hong Kong von der BlackBerry Jam Asia 2013 Konferenz. Die nächste BlackBerry Jam ist in Barcelona im Januar 2014.

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