How-to: become fast and fluid

Herausforderungen und Möglichkeiten bei der Entwicklung von Windows 8 Apps
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Das Ende des Standard-PCs scheint nahe: Die Einführung von Smartphones und Tablets beschreibt seit Jahren einen Generationenwechsel. Mit Windows 8 geht nun auch Microsoft verstärkt in Richtung Multitouch. Was bedeutet dieser Wandel für Entwickler? Müssen wir einige Klassennamen neu lernen oder wird alles anders? Leider beides. Zum einen sorgt die WinRT für Neuerungen, gleichzeitig bringen Touch-Oberflächen zahlreiche neue Herausforderungen, für die wir unser Denken teilweise fundamental ändern müssen.

Windows Developer

Der Artikel „How-to: become fast and fluid“ von Roman Schacherl ist erstmalig erschienen im Windows Developer 4.2012

Computer haben vieles verändert und sind dabei selbst optisch beinahe unverändert geblieben. Eines der Urmodelle, der Xerox Alto aus dem Jahr 1973, ähnelt unserem Standard-PC noch immer: ein Monitor zur Anzeige, eine Maus zur Steuerung des Cursors und eine Tastatur zur Texteingabe. Erst seit Kurzem beginnt sich ein Wandel abzuzeichnen: Smartphones und Tablets zeigen uns, dass der Computer der Zukunft möglicherweise nicht mehr als solcher erkennbar ist. Statt von „grafischen Benutzeroberflächen“ (GUI) wird plötzlich von „natürlichen Benutzeroberflächen“ (NUI) gesprochen. Maus und Tastatur gehören der Vergangenheit an, Multitouch und Gestenerkennung sollen für eine intuitivere Bedienung sorgen. Das Ende von Doppelklicken, Strg-Taste und Kontextmenü ist eingeläutet, und Microsoft springt nach ersten Gehversuchen (Microsoft Surface, Windows Phone 7) nun auch mit seiner Cashcow auf den Zug auf: Windows 8 goes Multitouch.

Windows 8 Design

Das Windows 8-Design (vormals „Metro Style Design“) ist angelehnt an frühere Produkten (z. B. Windows Phone 7) und forciert eine klare, moderne Darstellung mit einem starken Fokus auf den darzustellenden Inhalt. Windows 8 Apps sind für Touch-Bedienung optimiert, können aber auch mit Maus, Tastatur und Stylus bedient werden. Sie basieren auf der Windows Runtime (WinRT) und können mit C#/VB, C++ und XAML oder JavaScript und HTML5 erstellt werden. Ein in Windows 8 integrierter Store ermöglicht die einfache Verteilung und Lizensierung.

WinRT

Die Windows Runtime ist eine neue, unter Windows 8 eingeführte Runtime, die als Laufzeitumgebung für Windows 8 Apps dient. Teile der .NET-Klassenbibliothek wurden nativ (d. h. unmanaged) in den Windows Kernel integriert und stehen sowohl C#/VB-Entwicklern als auch C++- und JavaScript-Entwicklern zur Verfügung.

Bei der „Übersetzung“ von Anforderungen in eine klassische Windows-Benutzeroberfläche werden viele Entscheidungen aus Gewohnheit (der Entwickler oder der Benutzer?) getroffen. Ein Dialog je Aktion, ein Textfeld je Eingabe, eine Messagebox je Meldung, ein Menü am oberen Rand, und wenn der Platz zu klein wird, eine Bildlaufleiste [1]. Doch beim Erstellen von intuitiven Benutzeroberflächen werden wir Entwickler oft von unserer eigenen Intuition verlassen. Selbst bei einfachsten Anforderungen sind wir nun herausgefordert, wieder intensiv über die bestmögliche Repräsentation nachzudenken. Microsoft stellt uns bei der Entwicklung von Windows 8 Apps zahlreiche neue Möglichkeiten zur Verfügung, die wichtigsten Konzepte werden hier vorgestellt.

Experimentieren

Wie beginnt ein klassischer Entwickler mit der Entwicklung seiner ersten Windows 8 App? Visual Studio starten, NEUES PROJEKT auswählen, eine leere Projektmappe erstellen (wozu sind wir Entwickler geworden, wir lassen uns doch keinen Code von einer Vorlage generieren), im XAML-Code einen Button hinzufügen und in die Code-behind-Datei wechseln: MessageBox…Wo ist die MessageBox? Die schon aus Windows-Forms-Zeiten bekannte (und in der WPF geänderte) MessageBox-Klasse existiert in der WinRT nicht mehr. Zu Recht: Derartige modale Dialoge sind so ziemlich das Gegenteil des oft gehörten „fast and fluid“-Slogans. Versuchen Sie aus gewohnten Mustern auszubrechen und nicht reflexartig an die MessageBox-Klasse zu denken, wenn Sie mit Ihrem Benutzer kommunizieren möchten. Falls Sie jetzt verzweifelt nach einem Ersatz suchen, werden Sie aber in der MessageDialog-Klasse fündig – Benutzung auf eigene Gefahr. Experimentieren Sie mit den neuen Möglichkeiten!

Spendieren

Bei vielen Benutzeroberflächen hat man den Eindruck, als lägen die Quadratmeterpreise noch über den begehrtesten Flächen in Monaco. Jeder verfügbare Pixel wird ausgenutzt; nur keinen Platz verschwenden. Besser einen Text unverständlich abkürzen, um noch eine Checkbox am Bildschirm unterzubringen, als eine freie Fläche übrig zu lassen.

Die gute Nachricht: Windows 8 Apps bieten aufgrund der Vollbildansicht noch mehr Platz. Die schlechte: Sie sollen genau das Gegenteil darstellen. Großzügigkeit ist angesagt, lassen Sie Ihrem Inhalt „Raum zum Atmen“. Nur die wichtigsten Schaltflächen (z. B. Start/Stopp bei Musik-Playern) werden immer angezeigt, alle anderen Steuerelemente sollen sich im Hintergrund halten. Die Bühne steht alleine dem Inhalt zur Verfügung. Die ApplicationBar bietet genau die richtigen Möglichkeiten dafür: Wird mit dem Finger vom oberen oder unteren Rand in Richtung Bildschirm gestrichen oder mit der rechten Maustaste geklickt, wird dieser Balken für zusätzliche applikationsspezifische Steuerelemente eingeblendet. Sobald der Benutzer den Inhalt berührt, bekommt dieser wieder die volle Aufmerksamkeit. Sollten Sie in Ihrer Anwendung viele Einstellungen zu verwalten haben, können Sie diese über das „Settings“-Icon des Betriebssystems anbieten (es erscheint, wenn mit dem Finger vom rechten Rand in Richtung Bildschirm gestrichen wird). In dieser SettingsPane können Sie ein eigenes UserControl darstellen und so weiteren Platz für die Anwendung gewinnen.

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