Holo, World! Meine 30 Minuten HoloLens-Erfahrung
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Microsoft hat im Rahmen der Build-Konferenz in San Francisco endlich wieder Neuigkeiten zum HoloLens-Projekt gezeigt und mit Videos und Keynote-Demonstrationen die Welle der Begeisterung am Leben gehalten. Aber kann man Videos glauben? Nein: Live sehen heißt glauben. Also sah ich.

Dramaturgie beherrschen die Amerikaner. Die „HoloLens One-to-One Demo“, für die man sich als Build-Teilnehmer registrieren konnte, fand in einem Hotel nahe des Konferenzzentrums statt. Die Aufregung stand allen Auserwählten ins Gesicht geschrieben: Jeder wollte endlich im Selbsttest überprüfen, wie weit Microsoft HoloLens bereits ist. Mittels persönlicher Eskorte wurde man in den 27. Stock gebracht, erste Aufgabe: Sämtliche Kameras und Handys abgeben. Schade, aber die Security-Mitarbeiter machten nicht den Eindruck, als wollten sie Pro- und Kontra-Argumente persönlich diskutieren.

Briefing

Mit atemberaubendem Ausblick auf San Francisco fand das Briefing statt. Gemeinsam haben wir die „Air Tap“-Geste geübt: Zeigefinger ausstrecken und rasch nach unten bewegen. Check. Hab ich verstanden, traue ich mir zu. Sprache und Blickrichtung sind die anderen beiden Interaktionsmöglichkeiten, „but I think, you are able to accomplish this without any further assistance“. Ja, denke ich auch. Abschließend wurde die Interpupillary distance (IPD) gemessen: Der Abstand zwischen den Pupillen muss vorerst noch manuell eingetragen werden.

Jetzt ging es aber los: Wir wurden abgeholt und einzeln einem Experten und Raum zugewiesen. Das Hotelzimmer war liebevoll umgestaltet, um das Szenario möglichst realistisch zu demonstrieren. In meinem Fall: Die Zukunft von Architekten und Konstrukteuren. Ein (echtes) Architekturmodell war aufgebaut, angeblich hat es drei Wochen und 12.000 US-Dollar in Anspruch genommen. Rapid Prototyping? No way. HoloLens wird diesen Prozess revolutionieren – und das galt es zu beweisen.

Tunnelblick

Die Brille sitzt bequem und fest, ich benötigte allerdings drei Versuche, bis ich mit dem Blickwinkel wirklich zufrieden war. Apropos Blickwinkel: Die erste Überraschung kam gleich zu Beginn. Hologramme werden nicht im gesamten Blickfeld dargestellt, sondern nur innerhalb eines rechteckigen Bereichs in der Mitte. Um das virtuelle Architekturmodell, das inmitten des echten Modells eingeblendet wurde, vollständig sehen zu können, musste ich daher zunächst einen Schritt nach hinten gehen. Diese Einschränkung führt auch zu einem ständigen „Scannen“ der Umgebung mit den Augen: Etwaige Hologramme am Rand des Blickfelds würde man sonst nicht sehen. Ich hoffe, dieser Punkt ändert sich noch bis zur Fertigstellung – die Experience hinkt derzeit den Videos noch hinterher.

Eine Maus in meiner Welt

Hat man sich von der ersten Überraschung erholt, kann man sich aber wieder auf die Aufgaben konzentrieren. In einer CAD-Anwendung am PC konnte ich mit der Maus die Höhe der Gebäude verändern – und mittels HoloLens live die Auswirkungen in 3D erkunden. Es kam noch besser: ich sollte mit der Maus an den Bildschirmrand fahren und… plötzlich war der Cursor in meiner dreidimensionalen Welt und ich konnte direkt das 3D-Modell bearbeiten. Der erste Wow-Effekt: Die Maus als zusätzliche Option zu Spracherkennung und Gestensteuerung ist wirklich mächtig, lang lebe der Mausklick.

Virtual Reality

Die nächste Präsentation war eine fotorealistische Darstellung des geplanten Gebäudes aus der Sicht einer davor stehenden Person. Ich konnte mich 360 Grad drehen und das Zusammenwirken des Plans mit der Umgebung beurteilen. Die spannende Erkenntnis: Diese Demo zeigte, dass auch ein komplettes Eintauchen in die virtuelle Welt gut möglich ist – das Durchscheinen der realen Objekte hätte in diesem Fall ja keinen Sinn ergeben.

Unterhaltung mit Richard

Im Raum nebenan war das zweite Szenario aufgebaut: Wir sind auf der Baustelle angekommen und stehen vor einer Ziegelwand, in die eine Tür eingebaut werden soll. Eine Baubesprechung steht an, aber eine tragende Säule steht unserem Vorhaben im Weg. Dank HoloLens wird die reale Wand mit Planinformationen überlagert. Die Präzision der Darstellung ist wirklich hoch, eingeblendete Linien bleiben auch bei rascher Bewegung durch den Raum an der korrekten Stelle. Ein virtueller Avatar namens Richard kommt ins Blickfeld und beginnt zu sprechen. Auf seine Frage, ob ich die grüne Säule sehen kann, antworte ich ohne zu zögern – das nennt man dann wohl natürliche Benutzeroberfläche.

Air Tap

Abschließend sollte ich noch die Verlegung eines Rohrs veranlassen, das ich durch meinen virtuellen „Röntgenblick“ auf der Ziegelwand sah. Mit der geübten „Air Tap“-Geste konnte ich das Rohr auswählen und eine kurze Audio-Notiz aufnehmen: „Get rid of that pipe!“. Die Notiz blieb sichtbar und konnte wieder abgespielt werden: Wenn jetzt noch immer das falsche Rohr verlegt wird, kann wirklich nichts mehr helfen.

Resümee

Die Erwartungshaltung an HoloLens ist riesig, diese Stimmung merkt man auch hier auf der Build. Wenn dieses Gerät an etwas scheitern kann, dann an überzogenen Erwartungen – gerade deshalb war es wichtig, dass Microsoft hier die Gelegenheit zum Selbsttest angeboten hat.

Wann kommt HoloLens? Um welchen Preis? Wann gibt es ein SDK? Wird das Blickfeld noch größer? Zu den brennendsten Fragen gibt es derzeit keinen Kommentar, aber das Momentum ist da. Hoffentlich nützt es Microsoft.

Videos und Fotos finden Interessierte übrigens auf der Microsoft-HoloLens-Seite.

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