Interview mit Achim Himmelreich

„IoT ist die nächste Evolutionsstufe von Mobile!“
Kommentare

Das Internet of Things stellt die nächste Evolutionsstufe in der mobilen Entwicklung dar. In naher Zukunft wird es mehr mobile Machine-2-Machine-Kommunikation geben als solche, bei denen ein Mensch involviert ist.

Das Internet wird sich zu einer Art „Schleier“ entwickeln, der überall in der Realität bewusst und unbewusst anzutreffen ist. Achim Himmelreich verdeutlicht die ersten Use Cases in den Bereichen Handel, Gesundheit und Pharma, Lifestyle und Sport, Automotive und Industrie in seiner Session „Internet of Things – wie die nächste Evolutionsstufe von Mobile eine Branche nach der anderen umkrempelt“ auf der MobileTech Conference im März in München. Wir haben mit ihm über diese Entwicklung gesprochen.

IoT ist die nächste Evolutionsstufe von Mobile. Woran machen Sie diese Entwicklung fest?

Schon jetzt sind die meisten ausgelieferten internetfähigen Geräte auch Devices, die für eine M2M-Kommunikation tauglich sind. Auf der CES in Las Vegas hat der CEO von Samsung erklärt, dass schon im Jahr 2017 – also in nicht allzu ferner Zukunft – mehr als 70 Prozent der von Samsung produzierten Geräte IoT-Devices sein werden. Wir reden also nicht über ein Zukunftsszenario, sondern bereits über den Status Quo. Und diese Entwicklung ist auch folgerichtig, da IoT-Lösungen enormes Potential hinsichtlich Effizienzverbesserung und Effektivitätssprüngen haben: „Dumme unintelligente“ Dinge gewinnen durch die Internetfähigkeit Zugang zur „digitalen Wolke“ und können so bewusst gesteuert werden, Information über ihren Zustand oder ihre Umwelt kommunizieren, die ihrerseits wieder zu Reaktionen führen.

Können Sie uns Ihre persönlichen Use-Case-Favoriten nennen, die unterstreichen, welche Auswirkungen das Internet of Things jetzt schon auf verschiedene Branchen hat?

Die ersten echten medizinischen Use Cases, wie z. B. die Messung des Blutzuckerspiegels bei Diabetikern, wo eine App automatisch Alarm schlagen kann, wenn ein bestimmter Risikowert erreicht ist, ist eine Art Preview auf das, was im Gesundheitswesen passieren wird. Während die alte Welt so funktioniert, dass ich mich unwohl gefühlt habe und dann den Arzt angerufen habe, wird das bald umgekehrt sein: Der Arzt wird sich melden, bevor es mir schlecht geht – basierend auf den ausgewerteten Körper- und Umweltdaten, die eine ganze Reihe von IoT-Devices messen. Dies wird zudem auch die Prophylaxe revolutionieren.

MobileTech-Conference-2015Mobile Innovation & Enterprise Mobility
Die MobileTech Conference ist die führende Konferenz für Mobile Technologien und Innovation im deutschsprachigen Raum. Als Impulsgeber der Mobile-Branche führt sie erfahrene Experten aus allen Bereichen der mobilen Produktentwicklung zusammen.
Den Teilnehmern stehen mehr als 60 international bekannte Experten aus dem Mobile-Umfeld zur Seite, die ihr praktisches Know-how und hilfreiche Tipps weitergeben. Im Fokus des Konferenzprogramms steht die  erfolgreiche Entwicklung und Umsetzung von Mobile Services – sowohl im Consumer- als auch im Enterprise-Umfeld. Vom 23.-26. März findet die MobileTech Con in München statt. Bis 29. Januar profitieren Sie noch von attraktiven Frühbucherpreisen. Alle Infos zu Konferenz, Programm und Speakern unter: http://mobiletechcon.de

Thema Wearables und Smart Devices: Was sind Ihrer Ansicht nach die Erfolgsfaktoren, die den Durchbruch einer Technologie begünstigen?

Wearables und Smart Devices müssen zu allererst einen echten Mehrwert bieten und intuitiv zu bedienen sein. Die ganze Intelligenz der vielen Devices muss ohne Usersteuerung im Hintergrund arbeiten und nur im Falle echter Relevanz mit dem User kommunizieren. Die ganze High Tech wandert in den Hintergrund und wird sozusagen zu „Shy Tech“.

Auf absehbare Zeit kann man nicht davon ausgehen, dass Kunden mit Google-Glass-Brillen durch den stationären Handel laufen. Welche anderen IoT-Lösungen sind hier denkbar?

Zunächst einmal bleibt das Smartphone das wichtigste Device, das per Bluetooth mit dem Geschäft kommuniziert und so zahlreiche Informationen wie Sonderangebote, Coupons , personalisierte Empfehlungen, etc. empfängt. In einem zweiten Schritt wird dann – Apple sei Dank – die Smartwatch ein weiteres zentrales Gerät werden. Was danach kommt, kann niemand heute seriös mit Sicherheit sagen: Ob es Kontaktlinsen, Brillen oder was auch immer sein werden – da müssen wir uns überraschen lassen.

So gut wie alle größeren IT-Unternehmen springen derzeit auf den IoT-Zug auf. Doch wie steht es um selbstständige Entwickler? Wo sehen Sie die Erfolgschancen, welche Aktivitäten können sich tatsächlich rechnen?

Alle großen IT-Unternehmen MÜSSEN da aufspringen, weil das in nicht all zu ferner Zukunft ein Riesenmarkt sein wird. Das wird den schon bestehenden Fachkräftemangel noch einmal verschärfen. Das bedeutet zunächst einmal gute Zeiten für die entsprechende qualifizierten Leute und Freelancer. Zudem werden die großen Unternehmen, wie schon in der Vergangenheit, nicht jeden Use Case, der relevant ist, abbilden können. Allzu oft stecken größere Unternehmen ja in der Vergangenheit fest – die Wissenschaft nennt das pathologische Pfadabhängigkeit – und sind nicht in der Lage, die neuen disruptiven Lösungen zu „finden.“ Das bietet großes Potential für selbständige Entwickler. In Anbetracht der niedrigen Markteintrittsbarrieren und der vergleichsweise geringen Investitionskosten, waren die Chancen für selbständige Entwickler das „nächste große Ding“ zu finden, nie so gut wie jetzt.

 

Achim HimmelreichAchim Himmelreich ist Diplom-Kaufmann (Universität zu Köln) und war, bevor er 2006 zu Mücke, Sturm & Company kam, selbstständiger Berater und Dozent. Der Schwerpunkt seiner Tätigkeit liegt in den Feldern E-und M-Commerce sowie Social Media. Die umwälzenden Veränderungen durch die digitale Revolution hat er von Anfang an begleitet und in zahlreichen Projekten die Etablierung neuer Geschäftsmodelle vorangetrieben. Er ist Vizepräsident des Bundesverbands der Digitalen Wirtschaft (BVDW).

 

 

Aufmacherbild: Mobile medicine concept with smartphone and stethoscope Foto via Shutterstock / Urheberrecht: Macrovector

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -