So schöpft man das volle Potential mobiler Geräte für die Webentwicklung aus

Mobile Devices in der Webentwickung – ein unüberwindbarer Hindernislauf?
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Eigentlich ist es wenig überraschend, dass Mobile Devices sich nicht mehr so einfach von der Bildfläche verdrängen lassen – immerhin bieten sie ihren Usern viele Vorteile, zum Beispiel die Möglichkeit, auch unterwegs schnell benötigte Informationen abzurufen. Webdesigner und -Entwickler fragen sich da natürlich zu recht, ob sie von Mobile Devices aus auch Content fürs Web kreieren können.

Doch wie viel taugen moderne Smartphones und Tablets wirklich, wenn es um das Erstellen von Content für das Web geht und welche Einschränkungen – aber vielleicht auch welche Möglichkeiten – bringen mobile Geräte mit sich? Diesen Fragen ist Jonathan Cutrell nachgegangen.

Content erstellen mit Mobile Devices: ein Synthese-Prozess?

Der Begriff „Synthese“ meint eigentlich nichts anderes, als die Kombination aus zwei Komponenten, um ein grundsätzlich neues Produkt zu kreieren. Für viele ist es aber gerade im Produktionsprozess schwierig, sich das finale Produkt und dessen Effekt vorzustellen, weil es oft genug weder mit dem einen noch dem anderen ursprünglichen Teil etwas gemeinsam hat.

Wenn es darum geht, Content für das Web zu erstellen, ist dieser Synthese-Prozess noch im vollen Gange. Das Problem ist dabei aber, so erklärt Jonathan Cutrell, folgendes:

We have not yet found what true synthesis for mobile devices and the process of creation should look like.

Viele der Entwicklern zur Verfügung stehenden Tools versuchen stattdessen, die Paradigmen, die bei der Entwicklung auf Desktops gelten, auch auf Mobile Devices zu übertragen – ein Vorgang, der vermutlich eher zum Scheitern verurteilt ist.

Was Mobile Devices gut können …

Um überhaupt zu verstehen, wie es um die Möglichkeit, Content fürs Web mit Mobile Devices zu erstellen, steht, muss man sich zunächst angucken, über welche Fähigkeiten sie überhaupt verfügen und wo sie eher weniger tauglich sind. So ist der große Vorteil von Mobile Devices natürlich ihre Mobilität – sprich, sie benötigen kein großartiges Setup und können meist mit einer Hand bedient werden. Zudem verfügen sie über deutlich mehr „Sinnes“-Fähigkeiten als ein Desktop oder Laptop, etwa GPS, Gyroscopes und andere Bewegungserkennungsmöglichkeiten. Damit können auf deutlich mehr Informationen über das Device zugegriffen werden, die sich Entwickler zu Nutze machen können.

Auch bieten Mobile Devices deutlich bessere Optionen zum Erstellen von qualitativ guten Medien und sind für die Nutzung mit Touch optimiert. Damit stehen einzigartige Möglichkeiten für die Interaktion mit visuellen Interfaces zur Verfügung, die Laptops und Desktops nicht bieten können. Genauso sind mobile Geräte sehr viel eindeutiger, wenn es um das Testen von Problemen mit mobilen Netzwerkumgebungen geht – mal ganz abgesehen davon, dass Mobile Devices die beste Testing-Plattform für sich selbst sind.

… und wo ihre Fähigkeiten eher schwach sind

Während Mobile Devices zwar durchaus viele Pluspunkte für die Entwicklung mit sich bringen, gibt es auch einige Faktoren, bei denen es immer wieder zu Problemen kommt. Dazu gehört zum einen das Tippen auf Mobile Devices. Nicht nur Leuten mit dicken Fingern fällt das Tippen auf kleinen Smartphone-Displays schwer, auch für Entwickler ist ausgiebiges Schreiben von Code wohl eher eine wenig attraktive Vorstellung – immerhin ist das Tippen von Interpunktion sowieso schon anstrengend.

Genauso benötigen Entwickler ein gut funktionierendes Dateisystem für ihre Arbeit, und das ist auf Mobile Devices, insbesondere Apple-Geräten, nur schwierig zu manipulieren. Zwar ist es durchaus möglich, die nötigen Schritte dafür sind aber alles andere als intuitiv. Auch nutzen die meisten Mobile-User nur eine App, anstatt wie auf dem Desktop mehrere Anwendungen gleichzeitig zu bedienen. Smartphones und Tablets sind für das Multitasking aber eben nicht ausgelegt; zudem kann ein Handy nicht die gleiche Menge an Daten darstellen, wie etwa ein 4k-Bildschirm.

Es bedarf einer besseren Simulation

Will man Web-Content von Mobile Devices aus erstellen, bedarf es einer besseren Simulation. Während bei der Entwicklung auf Desktops Use-Cases für andere Bildschirmgrößen recht einfach zu simulieren sind, ist das auf Mobile Devices eine ganz andere Geschichte. Dort ist es nämlich schlichtweg unmöglich, Bildschirme zu simulieren, die größer sind als das mobile Gerät selbst. Ähnlich verhält es sich auch mit neuen Technologien wie VR, Wearables und 4k-TV-Geräten.

Dazu kommt, dass der Workflow eines vornehmlich auf Mobile Devices arbeitenden Entwicklers signifikant anders aussieht als der eines Entwicklers, der vom Desktop aus arbeitet. Viele Tools, die für die Nutzung auf Desktops gedacht sind, werden allerdings für Mobile Devices umgestaltet – ein Versuch, der oft nach hinten losgeht. Stattdessen rät Cutrell dazu, Tools zu erstellen, die einzig für die Nutzung auf Mobile Devices ausgelegt sind:

We should take into account the strengths of the media, and avoid building tools that exploit the weaknesses.

Die Zukunft des Webs – und der Entwicklung mit Mobile Devices

Es dürfte niemanden überraschen, dass die Zukunft des Webs sich deutlich von der Gegenwart unterscheiden wird. Trotzdem stellen sich Entwickler natürlich die Frage, welche Veränderungen sie erwarten sollten, gerade, was die Entwicklung von Web-Content von Mobile Devices aus angeht. Eine eindeutige Antwort darauf gibt es natürlich nicht. Eine Möglichkeit wäre zum Beispiel, die Schwächen von Mobile Devices – etwa das Schreiben von Code – auf vorgefertigte Modelle, algorithmische Intelligenz und entsprechend optimierte Techniken umzulagern.

Dabei ist es die Aufgabe der Entwickler, das volle Potenzial von Mobile Devices zur Entwicklung von Web-Content auszuschöpfen und vor allem ihre Stärken im Blick zu behalten. Erst dann, so sagt Cutrell, wird eine komplette Synthese erreicht:

and the now-painful process of creating for the web on mobile will become an indispensable skill.

 

 

Aufmacherbild: Wood fence for Hurdles. von Shutterstock / Urheberrecht: topten22photo

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