Standard oder überbewertet?

Mobile First! Erst das Smartphone, dann der Desktop?
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Das Internet verändert sich mit seinen Nutzern, aktuell geht der Trend klar zum mobilen Web. Immer mehr User gehen primär über mobile Devices ins Internet und nutzen kaum noch klassische Desktop-Computer, um im Netz zu surfen. Dieser Entwicklung müssen auch die Wedesigner folgen, doch es scheint, als ob sie das bislang eher zögerlich tun. Zwar ist „Mobile First!“ zu einem Buzzword der Szene geworden; dass es an der Umsetzung aber immer noch hapert, beobachtet Clark Wimberly vom InVision-Team.

Egal wie lange und nachdrücklich Webdesignexperten das Mantra „Mobile First!“ wiederholen – noch immer ist es für viele Standard, zuerst eine klassische Desktop-Website zu entwerfen und erst danach zu versuchen, diese den Erfordernissen des mobilen Internets anzupassen. Das ist durchaus verständlich – immerhin schränken mobile Geräte den Designer allein schon durch ihre geringe Bildschirmgröße massiv ein. Die beste Idee ist das jedoch nicht, findet Wimberly, weil es doch immer mehr Aufwand ist, etwas im Nachhinein zu vereinfachen, als es von Anfang an simpel zu planen und dann zu erweitern. Allerdings ist „Mobile First!“ nicht gleich „Mobile First!“, wie sich beispielsweise am Einsatz von Media Queries zeigt. Dennoch fordert Wimberly: Man sollte endlich aufhören „Mobile First!“ als Buzzword zu benutzen und tatsächlich in das Design für kleinere Screens einsteigen!

Vom Einfachen ins Komplexe gehen

Sobald Webdesigner umdenken und den Designprozess mit der mobilen Version beginnen, hat das nämlich durchaus große Vorteile. Wer zuerst ein Design für das Device mit der niedrigsten Leistung entwickelt, muss sich auf das Wesentliche konzentrieren: Den Content. Und dieser Fokus tut am Ende auch allen weiteren Entwicklungsschritten gut, weil er es ermöglicht, alle weiteren Komponenten eines Projekts jederzeit kritisch zu hinterfragen. Ist es wirklich notwendig für eine bestimmte Device-Klasse ein besonders aufwändiges Layout zu entwerfen, nur weil es möglich wäre oder reicht es, durch eine einfache Nutzerführung zu überzeugen?

Allerdings spricht natürlich auch in einem echten Mobile-First-Designprozess nichts dagegen, dass eine Desktop-Website mit einem besonders aufwändigen Design daher kommt. Der Vorteil dieses Design erst in einem später Schritt zu entwerfen und zu verwirklichen: Es lässt sich so leichter von der Mobile-Version trennen. Deaktivierte Komponenten können immer noch einen Einfluss auf die mobile Ladezeit haben. Das lässt sich besser in den Griff bekommen, wenn schon beim Einbau der Komponente klar ist, dass sie nur für die Desktop-Version gedacht ist.

Mobile als oberstes Gebot?

Ein Design- und Entwicklungsprozess, der seinen Anfang in der Minimalversion einer Website nimmt, ist schlussendlich vor allem auf ein flexibles und sicheres Fundament ausgerichtet. Zwar ist diese Perspektive erst einmal ungewohnt und scheint mit vielen Einschränkungen verbunden zu sein, am Ende macht sie die Arbeit aber doch nur leichter.

Natürlich ist Mobile-Freundlichkeit aber nicht alles im Webdesign. Auch die Frage der Offline-Funktionalität wird mittlerweile gerne mal in den Fokus gerückt. Vor allem muss dem Designer bewusst sein, welchen Zweck ein Produkt am Ende erfüllen soll und welche Zielgruppe es anspricht. Zwischen schnellen Ladezeiten, Design und Funktionsumfang ist immer eine gewisse Abwägung notwendig. Ist das Design sehr simpel, wirkt es schnell langweilig; ist es komplexer, verlängert es die Ladezeit. Unter Umständen kann es hier sinnvoll sein, die Mobile-Freundlichkeit nicht zum obersten Maxime zu machen.

 

Aufmacherbild: Closeup portrait serious looking, senior mature, elderly woman pointing Foto (modifiziert) via Shutterstock / Urheberrecht: PathDoc

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