Warum das Mobile Intranet das klassische Intranetportal verdrängt

Die Revolution der Benutzer
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Wenn man heute von „Mobile Intranet“ spricht, meint man damit meist den mobilen Zugriff auf die Webseiten des Intranets. Dieses Szenario löst aber die Probleme der Benutzer nur bedingt.

Mobile Benutzer benötigen eher Funktionen wie eine Verbindung ihrer mobilen Notizapplikation zu SAP oder eine Liste aller verfügbaren Meetingräume auf dem aktuellen Stockwerk. Die hohe Akzeptanz von mobilen Applikationen und deren gleichzeitig schwache Integration ins Firmenintranet führen so zu einer neuen Form der „Schatten-IT“. Die Integration von mobilen Apps wird deshalb nicht zu einer Erweiterung des Intranets führen, sondern zu dessen Abschaffung.

Heutige Intranets sind gut darin, Mitarbeiter miteinander zu verbinden (Social Connection) und Inhalte in Aktivitäts-Streams bereitzustellen (Collaboration). Sie sind aber nicht gut darin, Daten unterschiedlicher Benutzerapplikationen miteinander zu verbinden. Im Intranet der Zukunft werden Mitarbeiter Informationen und Services von verschiedenen Cloud-Apps aus im Intranet ablegen und von dort auch wieder beziehen (API Economics). Das Intranet der Zukunft dient nur noch als Service-Layer, der den Mitarbeitern hilft, ihre Arbeit dem Ort und dem Gerät angepasst zu erledigen.

Dadurch wird das mobile Intranet der Zukunft gar nicht mehr als Intranet wahrgenommen. Den Benutzer-Apps werden lediglich verschiedene Services zur Verfügung gestellt. Zum Beispiel könnte einem Benutzer die aktuelle Menükarte angezeigt werden, falls er sich um die Mittagszeit in der Nähe der Kantine befindet. In der Lobby-Gegend wiederum könnten Busfahrpläne, Carsharing- oder Taxiruf-Dienste angeboten werden. Befindet sich der Benutzer zu Hause, können sämtliche Verbindungen zu Geschäftsdaten unterbrochen werden und erst beim nächsten Betreten des Firmenkomplexes wieder abrufbar sein.

Diese Daten werden durch den Service Layer in der jeweiligen App des Benutzers bearbeitet und dargestellt – unabhängig davon, ob er ein Smartphone oder einen Desktoprechner verwendet. Die Zukunft braucht keine monolithischen Server, die alle Funktionen abdecken, sondern transparente Service-APIs, die alle Benutzungsszenarien zulassen.

Mobile Applikationen sind zu einer treibenden Kraft in der Transformation des Webs geworden. Sie sind nicht nur ein ganz neuer Industriezweig der Software und ihrer Distribution, sondern mobile Geräte und Applikationen haben auch die Art und Weise verändert, wie und wann wir Informationen konsumieren und wieder teilen. Apps sind seit der Einführung des App Stores 2007 von Apple nicht mehr aus dem heutigen Mobile-Gebrauch wegzudenken. Unzählige App-Verkäufe haben einen neuen und sehr lukrativen Industriezweig für App- und Plattformentwickler erschaffen.

Ein weiterer Vorteil von mobilen Apps ist ihre hohe Benutzerakzeptanz und Verbreitung, denn sie werden auch sehr häufig im Privatleben benutzt. Mobile Apps vereinfachen die Art und Weise, wie man auf Backend-Systeme zugreifen und Informationen kontextabhängig und -optimiert anbieten kann. Dies ist auch bei Desktop-Webapplikationen möglich, jedoch zwingt die reduzierte Bildschirmgröße den App-Designer dazu, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und alles Überflüssige wegzulassen. Der Benutzer erhält so hoch spezialisierte Anwendungen, die die Probleme des Alltags sehr gut lösen. Im Enterprise-Mobility-Umfeld geht es nun darum, businessspezifische Probleme zu lösen und nicht bloß klassische Informationsstrukturen auf mobile Geräte zu erweitern.

Die hohe Akzeptanz und Verbreitung von mobilen Geräten bei den Benutzern bringt für das Unternehmen aber nicht nur Vorteile mit sich. Sie hat die Entwicklung einer mobilen „Schatten-IT“ gefördert. Beispielsweise werden WhatsApp-Gruppen dazu genutzt, um geschäftsrelevante Themen zu diskutieren. Leider hat das Unternehmen jedoch keinen Zugriff auf diese wertvollen Konversationen, da diese außerhalb des Unternehmens stattfinden.

Ein weiterer Nachteil ist die heutzutage schwache mobile Integration von bestehenden IT-Systemen mit mobilen Geräten. Heute müsste man pro Backend-System eine dedizierte App entwickeln, die Teile der Funktionalitäten und Daten auf mobilen Geräten anbieten kann. Ein weiteres schwieriges Thema ist die Datensicherheit. Über Mobile-Datensicherheit wurde in letzter Zeit viel diskutiert. Auch im Enterprise-Mobility-Security-Umfeld gilt es, die richtige Balance zwischen Datensicherheit und angenehmer User Experience zu finden. Moderne Unternehmen haben schon viele Varianten ausprobiert, von vollständig geschlossenen bis hin zu offenen Infrastrukturen, wo Benutzer mit ihren privaten Geräten auf Geschäftsdaten zugreifen können. Wie die Studie „Enterprise Mobility Trends 2014“ von Citrix beschreibt, folgen die meisten Unternehmen Best Practices im Bereich der Datenverschlüsselung. Dazu gehören die PIN-basierte Authentifizierung und Regulationen von Datenverschiebungen zwischen den Backend-Systemen des Unternehmens und der konsumierenden Enterprise-Mobile-App.

Die meisten Mobile Services laufen auf einer Cloud-Architektur. Viele Unternehmen sträuben sich aber dagegen, ihre Daten in die Cloud zu bewegen, geschweige denn Backend-Systeme mit externen Partnern zu integrieren. Ein weiteres Problem ist die Trennung der privaten von der geschäftsbedingten Nutzung von Unternehmensdaten. Mobile Geräte sind schließlich sehr persönliche Geräte. Sie begleiten uns Schritt für Schritt in unserem Alltag. Heutzutage sehen wir darüber hinaus das immer noch wachsende Problem der Hyperkonnektivität von Mitarbeitern, sodass es für diese immer schwieriger wird, in ihrer Freizeit abzuschalten. Wenn Geschäftsdaten jederzeit und einfach auf einem mobilen Gerät zugänglich sind, stellt das andererseits einen signifikanten Schwachpunkt in der Unternehmensdatensicherheit dar.

Die Industrie ist derzeit damit beschäftigt, Lösungen für genau diese Probleme zu finden. Es sollen Standards geschaffen werden, die den Einsatz von mobilen Geräten im Unternehmen sicher machen. Datentransaktionen in und aus der Cloud sollen sicherer und die Integration von externen Partnersystemen einfacher und flexibler gemacht werden, außerdem soll das Problem der Trennung von privaten und Geschäftsdaten auf mobilen Geräten gelöst werden. So könnte man zum Beispiel ein einheitliches Ressourcenmanagement für das Projektmanagement anbieten, das über die Unternehmensgrenzen hinausgeht. Benutzer könnten wiederum einfacher zwischen Arbeits- und Freizeit unterscheiden. Kostenintensive Geschäftsprozesse könnten vereinfacht und beschleunigt werden, was einen positiven Einfluss auf die Mitarbeiter, die interne IT und im Endeffekt auf das gesamte Unternehmen hätte.

Die Zukunft ist mobil

Die von Citrix aufgestellten „Enterprise Mobility Trends“ zeigen, dass durch die hohe Akzeptanz und Verbreitung von mobilen Geräten deren Einsatz im Enterprise-Umfeld weiter steigen wird. Dabei müssen moderne Unternehmen drei unterschiedliche Trends adressieren:

  1. Policies für persönliche Geräte (BYOD – Bring your own device): Immer mehr Mitarbeiter besitzen Smartphones und möchten diese eigenen Geräte im Unternehmen einsetzen können – möglicherweise um mehr mit ihnen zu tun, als nur E-Mails abzurufen oder Lync-Anrufe zu tätigen.
  2. Mobile-Enterprise-Apps: Die Erweiterung von Desktopapplikationen und Informationsportalen hin zu mobilen Geräten sowie der ständige und sichere Zugriff auf Geschäftsinformationen auch außerhalb der Firmenstandorte gewinnen an Bedeutung.
  3. Mobile Security: Allein die beiden oben genannten Trends bringen viele Fragen der Datensicherheit mit sich. Die Ansprüche der Unternehmen und Mitarbeiter an Mobile-Intranet-Plattformen sind groß und genauso groß sind sie auch an die Datensicherheit.

Heutzutage werden E-Mail- und andere Kommunikationsdienste wie Lync oder Social-Enterprise-Software wie Yammer sehr gut von mobilen Geräten unterstützt. Fragt man jedoch bei Unternehmen nach, was alles mobil werden sollte, dann lautet die Antwort entweder „Wir wissen es nicht“ oder „Alles sollte mobil unterstützt werden“. Daraus können wir schließen, dass heutzutage noch nicht wirklich eine durchdachte Mobility-Strategie besteht und somit viele Unternehmen noch nicht wissen, wie sie die Stärke der mobilen Plattformen dazu nutzen können, um ihre Businessziele zu erreichen.

Lösung: Der Intranet Service Layer

Als logische Konsequenz führt ein Mobile Intranet ironischerweise dazu, dass das Intranet in seiner heutigen Form nicht mehr benötigt wird. Der Benutzer wird das neue Intranet gar nicht mehr als Intranet wahrnehmen, sondern einfach nur noch seine mobilen Apps für bestimmte Geschäftsanwendungszwecke nutzen. Es wird einen Intranet Service Layer (ISL) geben, der die Daten oder Services für die Mobile-Enterprise-Apps bereitstellt und verknüpft.

Wie sehen solche Anwendungsszenarien aus? Beispielsweise könnte eine virtuelle Lobby dem Mitarbeiter die Ankunft von externen Gästen mitzuteilen. Das Intranet würde für die Gäste die Reservierung und Bezahlung von Taxis übernehmen. Im Hintergrund würde die Buchhaltung gleich mit den richtigen Eckdaten beliefert, damit die Bezahlung abgeschlossen werden kann. So könnten die Spesen erfasst werden, ohne dass der Mitarbeiter oder seine Gäste ihre Quittungen einreichen müssen.

Doch nicht nur alltägliche Aufgaben könnten vereinfacht und beschleunigt werden. Der Intranet Service Layer verbindet auch geschäftsrelevante Daten und Prozesse, sogar über die Grenzen des Unternehmens hinaus. Über den ISL ist es einfacher, Datenbanken von externen Partnern und Kunden anzubinden. Damit wird eine hohe Transparenz von geschäftsrelevanten Daten ermöglicht. Beispielsweise könnten interne Ressourcensysteme mit denen von Partnern verbunden werden. So könnte ein Projektmanager ad hoc neue externe Ressourcen in das interne Projektteam holen.

Heutzutage werden Enterprise-Applikationen in Form von monolithischen Serverapplikationen mit einer Vielfalt von Funktionen eingesetzt. Obwohl Mitarbeiter oft von dieser Vielfalt überfordert sind, verkaufen Plattformanbieter ihre Software regelmäßig mit dem Argument, dass man „alles“ mit ihrem Produkt abdecken kann. Eine solche Lösung kann aber natürlich nie allen Anforderungen gerecht werden. Außerdem ist letztlich eine tiefe Benutzerakzeptanz zum Erfolg unumgänglich. Zusätzlich unterstützen monolithische Serverstrukturen Enterprise-Apps nur bedingt. Zwar können Informationen meist auf mobilen Geräten angezeigt werden, eine serverübergreifende Integration von Daten ist aber nur mit großem Mehraufwand möglich. Der Intranet Service Layer bricht diese monolithische Serverarchitektur auf und bildet eine einheitliche Schnittstelle für interne und externe Daten. Diese können anonymisiert für verschiedene Anwendungszwecke angeboten werden.

Verkaufe deine Firmendaten: API Economy

Der Intranet Service Layer lässt sich aber nicht nur durch firmeneigene Applikationen ansprechen. Auch Applikationen von Dritten können diese Daten nutzen. Firmen können ihre Daten und Funktionen anonymisiert und gegen ein Entgelt Dritten zur Verfügung stellen, sofern diese für sie interessant sind. Autoversicherungen könnten ihre Verkehrsunfalldaten beispielsweise Navigationssystemen zur Verfügung stellen. So könnten diese Systeme neben der schnellsten und kürzesten auch die sicherste Route berechnen.

Was spricht dagegen, seine APIs aus dem Intranet Service Layer zum Produkt zu machen? Altruistische Motive wie „Sharing is Caring“ sind zu schwach, um das Management zu überzeugen. Positionen zur Differenzierung und der Positionierung in einer digitalen Welt dürften eher die Motivatoren sein. Auch der Ruf des Managements nach „Composable Enterprises“ zur Reduzierung der „Time to Market“ von Produkten fällt in diese Kategorie.

Daten und Services zu Produkten zu bündeln und zu verkaufen, wird zum Standard werden. Während heute lediglich die ganz großen Anbieter wie Amazon, PayPal und FedEx ihre Services und Daten via API zur Verfügung stellen, wird dieser Trend schon bald alle Firmengrößen und Branchen durchdringen. Das breite Angebot an neutralen Daten und Services über alle Branchen hinweg wird ganz neue Applikationen sowohl für den Consumer als auch für den Enterprise-Markt zulassen. Diese API Economy wird vor allem die mobile und kontextsensitive Nutzung von Daten enorm befeuern.

Fazit: Enterprise as a Service

Die Konsequenzen, die eine solche Entwicklung mit sich bringt, sind vielfältig. Unabhängig davon, ob sich unsere Vision bewahrheitet: Die Zeiten der monolithischen Architekturen werden schon bald vorbei sein. Ein Intranet Service Layer, wie wir ihn skizzieren, führt dazu, dass Business und Technologie endlich ein Operationsmodell zur Verfügung haben, das schnelle und flexible Lösungen zulässt. Und wenn wir ehrlich sind, wäre es das erste Mal.

Es zeigt sich aber auch, dass architektonische Monster wie SharePoint 2013 zwar irgendwie alles können, es aber niemals schaffen werden, allen Anforderungen gerecht zu werden. Um den Schritt in eine mobile und serviceorientierte Ära zu machen, wird es nicht genügen, ein paar clevere Prozesse über die bestehende Infrastruktur zu legen. Das explosive Wachstum von mobilen Applikation sowie die Verbreitung von Smartphones und öffentlich verfügbaren APIs zeigen, in welche Richtung sich die Debatte zur mobilen Intranet-IT-Strategie entwickeln wird. Die logische Konsequenz kann nur ein Intranet Service Layer sein und kein monolithisches, komplexes „Multi-Tier“-Produkt.

Eine solche Architektur muss diverse Attribute und Fähigkeiten aufweisen. Ein „Unified Master Data Model“ ist zwingend notwendig, genauso wie die Implementation eines durch das Business definierten und unterhaltenen „Master Data Models“. Nur ein solches Modell, das über alle existierenden Datenbanken hinweg einen eindeutigen Blick auf das Business zulässt, erlaubt die Standardisierung zur Weiterverarbeitung.

Um Intranet Service Layer intern wie extern bereitzustellen, braucht es darüber hinaus etwas, das wir „Component Service-based Applications“ nennen – die Möglichkeit, Businessapplikationen als „Kompositionen“ aus feinen granularen Services zu erstellen. Sie erlaubt, schnelle Konfigurationen und Verbesserungen durch die ganze Servicelandschaft hindurch zu implementieren.

Zugegeben, all das wird eine architektonische Meisterleistung. Dafür locken aber die absehbar hohe Benutzerakzeptanz und die potenziell große Verbreitung der Lösung. Starten sie die Diskussion und denken in breiteren Dimensionen. Die Zukunft ist mobil und besteht aus Services, bereitgestellt durch APIs und Daten aus vielen Quellen.

 

Aufmacherbild: businessman in suit on office typing on laptop and watching tablet via Shutterstock.com / Urheberrecht: Bacho

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