Mit Mobility-Plattformen ins mobile Zeitalter

Mobile-ready: Enterprise Mobility als Herausforderung
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Die digitale Transformation stellt Unternehmen vor vielfältige Herausforderungen. Eine davon ist das Thema Enterprise Mobility. Die digitale Transformation wird die Entwicklung von Enterprise-Software nachhaltig verändern.

In der Geschäftswelt der Zukunft nutzen Mitarbeiter stationäre Desktop-PCs und Notebooks nur noch im Notfall. Stattdessen verwenden sie mobile Devices – Smartphones, Tablets und Wearables wie etwa Smartwatches und Smartglasses. Über diese greifen sie auf diverse mobile Applikationen zu, mit denen sie verschiedenste Aufgaben erledigen: Ein angestellter Servicetechniker gibt von unterwegs aus seine Anfahrts- und Arbeitszeiten in eine Smartphone-App ein; ein Vertriebsmitarbeiter zeigt einem Kunden über die Augmented-Reality-Brille, wie eine neue Klimaanlage in dessen Wohnung aussehen würde; ein Servicemitarbeiter im Bekleidungshandel macht einen Kunden per Tablet auf einen alternativen Artikel aufmerksam, der in einer anderen Filiale oder im Onlineshop verfügbar ist. Diese Entwicklung verursacht einen tiefgreifenden Wandel in der IT-Landschaft von Unternehmen. Sie müssen in der Lage sein, je nach Bedarf in kurzer Zeit mobile Apps zu entwickeln – für unterschiedlichste Endgeräte und Betriebssysteme. Mobility-Plattformen machen dies möglich.

Wachsende Vielfalt der Endgeräte

Mobile Endgeräte zu benutzen, gehört für die Mehrzahl der deutschen Verbraucher zum Alltag. Laut einer aktuellen Studie des Branchenverbands Bitkom gibt es hierzulande 44 Millionen Smartphone-Nutzer, was einem Anteil von 63 Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht. In deutschen Unternehmen hingegen ist das Thema Mobility längst noch nicht so fest verankert wie im Consumer-Bereich. Mit dem Smartphone Firmen-E-Mails checken? Mit dem Laptop in der S-Bahn eine Präsentation vorbereiten? Mit dem Tablet an einer Telefonkonferenz teilnehmen? Für die meisten Arbeitnehmer stellen solche Aktivitäten eher die Ausnahme als die Regel dar – noch.

In den nächsten Jahren wird sich dies grundlegend ändern. Menschen, die in ihrer Freizeit nicht mehr auf Smartphone und Co. verzichten, möchten zunehmend auch bei der Arbeit von den Vorteilen mobiler Endgeräte profitieren. Die aktuelle Studie „Growing The Digital Business“ des Beratungs- und Technologiedienstleisters Accenture hat ergeben, dass branchenübergreifend mindestens 80 Prozent der Entscheider der Meinung sind, dass mobile Apps notwendig sind, um digitale Technologie gewinnbringend zu nutzen. Ein Großteil der Unternehmen in Deutschland setzt jedoch derzeit noch kaum mobile Apps ein.

Für Unternehmen ist dies nicht zuletzt deshalb eine enorme Herausforderung, weil der Markt für Mobilgeräte einer fortschreitenden Fragmentierung unterworfen ist. Das beginnt bei den Gerätegattungen: Neben Laptop, Tablet und Smartphone gibt es inzwischen auch hybride Gattungen wie die so genannten Phablets (Mischung aus Smartphone und Tablet) oder Convertibles (Mischung aus Tablet und Laptop); außerdem sind Wearables stark im Kommen. Je nach Hersteller und Modell unterscheiden sich die Geräte in ihren Formfaktoren, etwa der Bildschirmgröße.

Auch bei den Betriebssystemen hat eine Fragmentierung stattgefunden. In der Ära der Desktop-PCs benötigten Unternehmen entweder Windows- oder OS X-Server – und sonst nichts. Bei Mobilgeräten dominieren mit Android (Google), iOS (Apple) und Windows (Microsoft) derzeit drei Betriebssysteme den Markt. Hinzu kommen eine Handvoll kleinere, weniger bedeutende. Multipliziert man die Merkmale Gerätegattung, Formfaktoren und Betriebssystem, wird das Ausmaß der Fragmentierung erst in vollem Umfang deutlich.

Eine mobile Infrastruktur schaffen

Was bedeutet das nun für Unternehmen, die ihren Mitarbeitern mobiles Arbeiten ermöglichen möchten – und zwar in aller Konsequenz, sodass Mitarbeiter mit ihrem Mobilgerät auf sämtliche relevanten Systeme jederzeit zugreifen und somit alle Aufgaben erledigen können, die bislang auf den stationären Desktoparbeitsplatz beschränkt sind? Natürlich ist es möglich, dass Unternehmen die Hardware selbst bereitstellen, um so eine einheitliche mobile Infrastruktur zu schaffen.

Alle Mitarbeiter mit einem oder gar mehreren Mobilgeräten auszustatten, ist jedoch nicht nur kostspielig, sondern aus Mitarbeitersicht auch umständlich. Schließlich verfügen die meisten bereits privat über ein Smartphone inklusive Vertrag. Und wer möchte schon zwei Smartphones bei sich tragen, ein privates und ein geschäftliches? Die Alternative lautet „Bring-Your-Own-Device“ (BYOD) – Mitarbeiter nutzen ihre eigenen Mobilgeräte sowohl privat als auch im Beruf. Neben der Frage, mit welchen Maßnahmen sich im Rahmen einer BYOD-Strategie die Sicherheit der sensiblen Unternehmensdaten gewährleisten lässt, bringt diese Variante insbesondere folgende Herausforderung mit sich: Die oben beschriebene Vielfalt der Endgeräte, die bislang nur im Konsumentenbereich existierte, hält nun auch in Unternehmen Einzug.

Mitarbeiter werden zu Konsumenten

Dazu kommt ein weiteres Phänomen, das man häufig als „Consumerization“ bezeichnet. In Bezug auf die Businessnutzung von Mobilgeräten stellen Mitarbeiter zunehmend dieselben hohen Anforderungen an Soft- und Hardware wie Verbraucher – oder anders gesagt, Mitarbeiter werden zu Konsumenten. Im Mittelpunkt steht dabei die User Experience. Ein Servicetechniker beispielsweise, der als Angestellter eines Telekommunikationsunternehmens bei Kunden Telefon- und Internetzugänge einrichtet, erwartet von seiner mobilen Enterprise-App zur Zeiterfassung, dass diese genauso intuitiv und komfortabel zu bedienen ist wie die Consumer-App, die er privat zum Vergleich von Benzinpreisen nutzt. Dieser Trend des „Experience First“ wird das allgemeine Verständnis von Enterprise-Anwendungen von Grund auf verändern.

Die Mitarbeiter der Zukunft möchten sich mit ihren Mobilgeräten nicht durch sperrige Unternehmensportale quälen, deren Funktionen auf bestimmte Geschäftsprozesse als solche ausgerichtet sind, aber nicht auf die Bedürfnisse der User. Ein Enterprise-System mag beispielsweise den gesamten Serviceprozess von der Bestellung bis zur Lieferung abdecken, aber für Mitarbeiter dennoch unkomfortabel zu bedienen sein. Diese erwarten von einer mobilen Enterprise-Anwendung, dass diese genau jene Funktionen bietet, die sie für eine bestimmte Aufgabe benötigen. Dazu muss sie nicht zuletzt über entsprechende Schnittstellen zu anderen Systemen verfügen, egal ob ERP-, CRM-, PIM- oder ein sonstiges System. Die Entwicklung in Richtung mobiles Arbeiten und der steigende Anspruch an die User Experience implizieren also, dass Unternehmen einen stark wachsenden Bedarf an intuitiv zu bedienenden mobilen Enterprise-Apps haben werden, die nicht so sehr umfangreiche Geschäftsprozesse abbilden als vielmehr einzelne Aufgaben von bestimmten Mitarbeitern.

Zukunftsmodell Enterprise-Mobility-Plattformen

Doch wie können Unternehmen diesem Trend in Sachen Softwareentwicklung nachkommen – angesichts der zunehmenden Fragmentierung der IT-Landschaft? Stellt sich zunächst die Frage nach der Art der mobilen Applikationen: native Apps oder Web-Apps? Native Apps werden speziell für das jeweilige Endgerät entwickelt und auf diesem installiert; mindestens einmal im Jahr benötigen sie ein umfangreiches Update. Unternehmen müssen die App also regelmäßig weiterentwickeln lassen, und zwar in vielfacher Ausführung für die unterschiedlichen Endgeräte und Betriebssysteme. Web-Apps hingegen, die endgeräteunabhängig ohne Installation über den Webbrowser laufen, eignen sich kaum für mobiles Arbeiten, da Nutzer auf eine gute Internetverbindung angewiesen wären.

Doch es gibt eine Lösung, wie Unternehmen eine große Anzahl mobiler Apps – seien es native, webbasierte oder hybride Anwendungen – innerhalb kurzer Zeit und zu überschaubaren Kosten entwickeln und pflegen können: durch Enterprise-Mobility-Plattformen, die eine Cloud-basierte Verbindung zwischen Backend und Frontend besitzen. Als Middleware bietet diese die Möglichkeit, sämtliche mobilen Apps eines Unternehmens auf einer gemeinsamen Codebasis zu entwickeln. Per Cross-Kompilierung lassen sich die Apps an verschiedenste Formate und Betriebssysteme anpassen und über den gesamten Lebenszyklus hinweg warten. Alle nativen Anwendungen, die über die Cloud-basierte Mobility-Plattform laufen, können Anwender problemlos auch offline nutzen. Sobald der Mitarbeiter wieder eine Internetverbindung hat, erfolgt die Synchronisation mit der Plattform und über diese mit dem IT-Backend.

Verkürzte Entwicklungszyklen

Eine Mobility-Plattform ermöglicht höchste Agilität bei der Entwicklung neuer Enterprise-Apps. Für ein Speditionsunternehmen etwa, das seine Fahrer mit einer Telematik-App zur Übermittlung von Fahrdaten an die Disponenten ausstatten möchte, hätte ein solches Vorhaben noch vor wenigen Jahren ein Entwicklungsprojekt von mehreren Monaten bedeutet. Mit einer Mobility-Plattform hingegen lässt sich heute innerhalb von 20 Tagen ein Prototyp entwickeln, der dann bereits für einen begrenzten Nutzerkreis zum Beta-Test freigeschaltet werden kann. Nach dem ersten Nutzerfeedback werden Fehler behoben und gegebenenfalls Design und Features optimiert. Selbst nach Go-live der fertigen App sind IT-Abteilung und IT-Dienstleister in der Lage, jederzeit Bugfixes und Anpassungen aufgrund eines veränderten Bedarfs vorzunehmen.

Indem Mobility-Plattformen dazu beitragen, die Entwicklungszyklen von Enterprise-Apps enorm zu verkürzen, werden sie zukünftig als wichtiger Katalysator der digitalen Transformation in Erscheinung treten. Dabei geht es um nicht weniger als einen Paradigmenwechsel in der Rolle der IT in Unternehmen: Diese wird sich vom bloßen operativen Werkzeug immer mehr zum Treiber für neue, effizientere Geschäftsprozesse entwickeln. Mobility-Plattformen können ihre volle Wirkung aber nur entfalten, wenn die Organisation des Unternehmens auch auf eine entsprechende Arbeitsweise eingestellt ist. Um effizient Ergebnisse erzielen zu können, müssen Fachabteilung, IT und App-Entwickler bereit und in der Lage sein, schnell ein gemeinsames Verständnis herzustellen.

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