Mobile Trends auf der Webinale & IPC 2012

Mobile Trends jenseits des Hype: NFC, Augmented Reality und die twitternde Waage
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Den unverstellten Blick auf Trends und Technologien im mobilen Sektor versprach die Mittagskeynote am IPC-Webinale-Dienstag. „Schein und Wirklichkeit der Mobilen Trends“ nahmen sich die Speaker Maks Giordano (Nunatak), Stefanie Hoffmann, Dr. Florian Resatsch (Servtag), Tobias Tippmann (metaio), Stefan Kellner (7Moments) und Harald Neidhardt (MLOVE) vor – und brachten unterhaltsam den State-of-the-Art des mobilen Sektors – von der twitternden Waage bis zur Augmented-Reality-Brille – auf den Punkt.

Den Anfang machte Dr. Florian Resatsch mit dem Thema NFC (Near Field Communication). Seit Jahren wird NFC als die Technologie der Stunde gehandelt, doch hat NFC den Durchbruch auf breiter Basis noch immer nicht geschafft. Im Raum kannte die Hälfte der Besucher den Begriff NFC – nur 10 hatten indes ein NFC-fähiges Smartphone in der Tasche. Resatschs Diagnose zufolge fehlt es einerseits noch an einem großen Player, der NFC systematisch in Hardware und Marktstrategie einbinden würde – und dann bitte nicht auf das eigene Ökosystem begrenzt (Apple lässt grüßen). Andererseits gebe es auch alternative mobile Bezahlmethoden, wie beispielsweise von Starbucks mittels einfachen QR-Codes realisiert – die ohne ein „Warten auf Godot“ jetzt schon funktionieren. Deshalb lautete Resatschs Fazit: NFC – is a maybe!

Speaker-Panel: v.l.n.r. Tobias Tippmann, Dr. Florian Resatsch, Stefan Kellner, Stefanie Hoffmann, Harald Neidhardt und Maks Giordano

Stefan Kellner wurde im Anschluss als Experte für Location based Services auf die Bühne gerufen. Musste man vor Jahren noch Fragen wie „Warum sollte jemand wissen wollen, wo ich bin?“ beantworten, so sind ortsbezogene Apps heute quasi allgegenwärtig. Die Frage ist heute wie damals schon mit der Antwort „Willst du selbst nicht manchmal wissen, wo andere sind?“ ausreichend überzeugend gegeben worden. Natürlich will man!

Dabei scheint sich bei den Check-in-Services à la Foursquare so etwas wie ein Stillstand eingefunden zu haben. Nach dem ersten Hype, Spaß daran zu haben, sich überall an allen möglichen Orten zu zeigen, könnte sich ein ständiges Einchecken auf Dauer als langweilig erwiesen haben. Und wer will schon zeigen, wo er in seinem repetitiven Alltag wirklich immer ist? Spannender ist es da eventuell doch zu zeigen, wie und wo man eigentlich sein will! Nichtsdestotrotz haben Location-based Services die Hype-Phase erfolgreich überstanden und sind unaufhaltsam auf dem Weg in den Mainstream.

Stefanie Hoffmann behandelte den Bereich „Social“ – mit Facebook, Twitter und Co ebenfalls ein Mainstreamthema. Gerade auch im mobilen Sektor zeige sich die Wichtigkeit des sozialen Austauschs über die einschlägigen Apps, sind doch weltweit über ½ Milliarde User auch auf mobilen Endgeräten auf Facebook aktiv. Neue Trends ergeben sich laut Hoffmann im Bereich des Social Dating (mit Dating Apps wie banjo), der begleitenden Kommunikation traditioneller Medien (Stichwort: Second Screen) und bei Apps, die in der Lage sind, die neue Datenflut nach relevanten Informationen zu filtern – denn wen interessiert schon ein Tweet darüber, dass Person X gerade beim Zeitunglesen ist?

Tobias Tippmann von meteio lag das Thema Augmented Reality am Herzen. Der AR steht laut Tippmann der Hype noch bevor. Bisher haben nur 30% in Deutschland von Augmented Reality gehört. Und die mitunter doch eher spärlichen Umsetzungen tragen nicht unbedingt dazu bei, Begeisterungsstürme zu entfachen. Doch dort, wo AR kreativ eingesetzt wird, zeitigen sich echte Aha-Effekte. Tippmanns Paradebeispiel war die Lego-AR-Anwendung von Meteio, die beim Zeigen eines Lego-Baukastens das zusammengebaute Objekt in verschiedenen Perspektiven auf einen Screen bringt. Gerade Kinder ständen stundenlang vor dem Terminal und betrachteten die 3D animierten Bauten und Fahrzeuge – und auch Erwachsene könnten sich dieser Erweiterung der Realität nicht entziehen.

Oder das AR-Experiment vom Londoner Bahnhof, in dem Besucher plötzlich virtuelle Engel vom Himmel fliegen sehen, mit denen sie interagieren können – bei erfolgreichen AR-Kampagnen sind virale Effekte etwa auf YouTube garantiert:

Die Zukunft von Augmented Reality wird erst noch geschrieben. Doch zeigen Schätzungen, dass bis 2016 drei Milliarden Umsatz mit AR gemacht werden wird. Hilfreich ist dabei, dass nach einer Metaio-Prognose bereits 2014 alle Smartphones AR-fähig sein werden.

Das letzte Thema der Keynote war Mobile Advertising. Harald Neidhardt bemerkte, dass im üblichen Marketing-Mix heute noch verhältnismäßig wenig Geld explizit für Mobile Werbung ausgegeben wird. Hartnäckig scheinen sich noch Betrachtungsweisen zu halten, Mobile wäre nur das kleine Internet – eine weitere virtuelle Visitenkarte -, ohne die eigenen Spielregeln und Potentiale von mobilen Apps auszuschöpfen. Erst mit dem nun mehrfach verkündeten Mobile-First-Ansatzes von Google sei das Blatt dabei, sich zu wenden.

Fakt ist, dass sich auch im Mobile Advertising eine schier unüberblickbare Bandbreite von Anbietern, Plattformen, Apps etabliert hat, die Neidhardt zu der Aussage bringt: Easy is over!

Fazit: Der Höhepunkt des mobilen Advertisments steht noch bevor – und jetzt ist die richtige Zeit, eine Idee im Mobile-Bereich umzusetzen.

Und was hat es nun mit der twitternden Waage auf sich? Moderator Maks Giordano besitzt tatsächlich ein solches Exemplar, das, einmal über WiFi verbunden, automatisch das Gewicht des Gewogenen über Twitter ausgibt. Leider sei nun aber das Passwort verloren gegangen, so Giordano, und die Konfigurierung nicht mehr rückgängig zu machen. Giordanos Gewicht ist nun jetzt allen Followern besser bekannt als ihm selbst. Was aber tun, wenn man am Stand liegt, und die zu Hause gebliebene Waage über Twitter verkündet, dass sie gerade 70 Kilo gewogen hat?

Nach der ersten Panik konnte Giordano den Verdacht „Einbrecher“ ausräumen – zum Glück war´s nur die Putzkraft!

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