Firefox OS, Mobile Browser und Content-Blocker Focus für iOS 9

Mozilla und Mobile – zwei Gegensätze ziehen sich an
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Mozillas Einfluss im Mobile-Sektor erfährt durch das Ende von Firefox OS einen weiteren Rückschlag. Ein Nebenprojekt könnte der Foundation jedoch wieder alle Ehre machen. Mit den Gründungsmaximen der Open-Source-Bewegung will Mozilla den Kampf zwischen Anwendern und Content-Provider beilegen. Der Content-Blocker Focus soll dabei fair vermitteln. Vermittlung und Transparenz statt Totalblockade und Pay-Wall.

Mozilla-Manager Ari Jaaksi gab nun bekannt, dass Firefox OS nicht mehr für Smartphones weiterentwickelt und an Mobilfunk-Anbieter vertrieben werde. Kaum war das quelloffene Smartphone-Betriebssystem auf dem Markt, wird es nach zweieinhalb Jahren auch schon wieder sang und klanglos eingestampft. Das für den Low-End-Markt entwickelte Betriebsystem konnte sich nicht gegen die Schwemme von preisgünstigen Android-Smartphones in den Schwellenländern behaupten.

Obwohl es Firefox OS hierzulande gar nicht erst auf Smartphones in den Einzelhandel schaffte, könnte das Betriebsystem an anderer Stelle noch in Erscheinung treten. Die im letzten Jahr angekündigte Partnerschaft mit Panasonic lässt hoffen, dass die kommende Generation von Smart-TVs eine vollständige Kompatibilität mit Webstandards wie HTML5 ermöglicht. Firefox OS könnte zudem noch mit günstigen Tablets eine kleine Renaissance erleben.

Mozilla verliert in der breiten Masse an Einfluss

Mozilla hat seit längerem mit seinem stagnierenden Einfluss zu kämpfen. Zwar zeugen die aktuellen Geschäftszahlen weiterhin von konstanten Einnahmen, doch die könnten aufgrund der Aufkündigung der Partnerschaft mit Google schon im nächsten Jahr zurückgehen. Außerdem verliert der Firefox-Browser für Desktop seit Jahren Marktanteile an Chrome. Im mobilen Geschäft konnte Mozilla mit Ausnahme von Schwellenländern in Südamerika, Afrika und Asien nicht etablieren. Die auf Open-Source-Software fokussierte Foundation, die ihr Augenmerk auf Datenschutz, Dezentralität und Selbstorganisation legt, wird im Vergleich zu den dominanten Tech-Unternehmen zusehends zur Special-Interest-Zuflucht für Bastler, Hacker und Datenschützer. Dennoch könnte Mozilla durch eine neue Ausrichtung im mobilen Geschäft in Zukunft wieder im Spiel der Großen mitmischen – und zwar als Vermittler zwischen Anwendern und Content-Providern.

Mozilla als unparteiischer Vermittler

Mit Focus hat Mozilla nun einen transparenten Content-Blocker für Safari unter iOS 9 vorgestellt. Der kostenlose Blocker soll Anwendern nicht nur eine bessere Browser-Performance ermöglichen, sondern auch das Ecosystem für Werbetreibende fördern.

Focus soll die gleichen Trackers blockieren, die auch beim privaten Browsen mit Tracking Protection blockiert werden. Als Basis für das Blocking dient die Open-Source-Blocklist des Anbieters Disconnect. Auch AdBlock Plus hatte ein unabhängiges Gremium angekündigt, das über akzeptable Werbung entscheiden soll. Doch steckt hinter AdBlock Plus letztlich ein Unternehmen. Ziel der Mozilla Foundation ist es hingegen, unangemessene Tracking-Verfahren oder Ad-Malware aufzudecken und gemeinsam das Web-Erlebnis für alle Beteiligten transparent und fair zu gestalten.

Anwender können Tracking, Social-Media-Anbindungen oder schadhafte Werbung unterbinden und genau nachvollziehen, von welche Seiten sie „verfolgt“ werden. Mobiles Browsing wird dadurch nicht nur schneller, sondern auch ein Stück weit sicherer, was die eigene Privatsphäre anbelangt. Content-Provider beziehungsweise Werbetreibende sollen dafür sensibilisiert werden, welche Tracking-Methoden zu weit gehen. Sie sollen dafür Einblick erhalten, welche Methoden von der Community nicht geduldet werden und wie sich der eigene Content optimieren lässt.

Letztlich soll Focus einen Kompromiss ermöglichen, durch den Werbung weiterhin sichtbar bleibt, performancefressende Anwendungen und unlauteres Tracking jedoch unterbunden werden. Hierzu wurden drei Prinzipien für Content-Blocker definiert, die öffentlich weiter verhandelt werden sollen. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit Disconnect, einem Dienstleister für Online-Datenschutz. Allerdings wolle man lediglich hinsichtlich der öffentlich bereits erfolgreich geführten Tracking-Protection-Liste zusammenarbeiten.

Die Prinzipien des Content-Blockers Focus

Durch das Prinzip Content-Neutralität soll gewährleistet werden, dass die Bedürfnisse des Anwenders nach Performance, Sicherheit und Privatsphäre gewahrt bleiben, ohne dass dadurch der gesamte Content ausgeblendet wird. Der zweite Punkt – Transparenz und Kontrolle – soll es Usern wie auch Content-Providern ermöglichen, Einblick in ihr eigenes Web-Verhalten zu erlangen und ihre Anliegen öffentlich zu verhandeln. Unter dem Prinzip Offenheit wird festgehalten, dass die aufgestellten Standards für alle gleich gelten und somit ein fairer Wettbewerb ermöglicht wird.

Die Chance, dem Namen wieder gerecht zu werden

Mozilla steigt mit Focus in ein stark umkämpftes Segment ein. Blocker, die Content-Provider langfristig in die Enge treiben und Besucher mit Extension ausschließen oder Pay-Walls hochziehen, stellen auch für Anwender eine Gefahr da. Nämlich dann, wenn Content zum exklusiven Gut wird. Mozilla kann als Open-Source-Foundation die Rolle als transparenter und unparteiischer Vermittler bestens besetzen und seine Stärken hervorheben. Doch sind auch diesem Projekt Grenzen gesetzt. Apple gestattet es Drittentwickler-Apps nicht – und somit auch nicht dem Firefox-Browser – Content-Blocker anzuwenden. Deshalb ist Focus bis auf Weiteres „nur“ als Erweiterung für den Apple-Browser Safari erhältlich.

Anderen Content-Blockern wird immer wieder vorgeworfen, dass sie aus dem Thema Profit schlagen. So können sich Unternehmen freikaufen, um auf Whitelists zu kommen. Das ist letztlich Betrug am Vertrauen der Anwender und verzerrter Wettbewerb. Wenn Mozilla es schon nicht gelingt, im mobilen Geschäft mit eigenen Anwendungen und Devices Fuß zu fassen, könnte es mit der Rolle als Mediator seinem Gründungsprinzip wieder mehr gerecht werden. Wegen Kritik an Werbekacheln hatte die Foundation im letzten Jahr an Integrität eingebüßt.

Sollte es Mozilla gelingen, mithilfe des Open-Source-Prinzips den Konflikt um Content-Blocker in den Griff zu bekommen, wird sich dies positiv auf die Foundation auswirken und auch die öffentliche Wahrnehmung von Firefox und Co. verbessern. Die massenwirksame Besinnung auf mehr Privatsphäre lässt ohnehin noch auf sich warten. Bei einem kollektivem Umdenken wäre Mozilla gegenüber Google der klare Gewinner.

 

Aufmacherbild: Photo of Firefox mozilla homepage on a iphone screen via Shutterstock, Urheberrecht: GongTo

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