Mobile Backend as a Service-Dienst wird nächstes Jahr abgeschaltet

Das Aus für Parse: Microsoft begrüßt von Facebook enttäuschte Entwickler
Kommentare

Nur drei Jahre nachdem Facebook den Mobile-Backend-as-a-Service-Dienst erworben hat, wurde das überraschende Ende von Parse bekannt gegeben. Facebooks Versuch, sich am Cloud-Markt zu etablieren, ist damit wohl gescheitert. Das Unternehmen wird seinen Fokus verschieben; aber ein anderer schickt sich bereits an, die im Stich gelassenen Entwickler mit offenen Armen zu begrüßen.

Knapp ein Jahr noch, dann wird Parse endgültig abgeschaltet: Exakt am 28.01.2017 soll Schluss sein. Das hatte Kevin Lacker, Mitbegründer von Parse, in einem Blogpost mit dem melancholischen Titel „Moving On“ in der letzten Woche verkündet. 2013, zwei Jahre nach seiner Gründung, wurde das Start-Up für satte 85 Millionen Dollar von Facebook aufgekauft.

Was ist Parse?

Parse bietet kostenpflichtige Cloud-Services für Mobile-App-Entwickler an. Der Dienst soll sie beim Management des Backends entlasten, etwa durch Datenbank-Services oder indem Push-Notifications von der Cloud aus gesendet werden. Die Einstellung des Dienstes kam recht überraschend, da noch vor einem Monat ein neues Tool-Set zur Entwicklung für Apples watchOS und tvOS released wurde. Warum also das plötzliche Ende?

Warum wird es abgeschaltet?

Zum Zeitpunkt des Erwerbs von Parse durch Facebook begann der mobile Markt gerade erst profitabel zu werden. Immer mehr User wechselten vom Desktop auf Mobile Devices. Da erschien es opportun, sich eine Basis für den Einstieg in ebendieses Segment zu verschaffen. Drei Jahre später haben sich die Dinge geändert. Einerseits generiert Facebook mit Werbung mittlerweile auch im mobilen Bereich sagenhafte Gewinne. Andererseits haben sich mit Amazon Web Services, Microsoft Azure und Google Cloud drei marktbeherrschende Player herausgebildet, denen Facebook nur unter Einsatz immenser Summen Konkurrenz machen könnte. Daran hat das Unternehmen anscheinend nicht länger Interesse. Stattdessen sieht es so aus, als wolle sich Facebook auf seine Kernkompetenzen besinnen.

„Moving forward we want to dedicate more resources to high-impact products and services in areas like analytics, monetization, discovery, and authentication,”

heißt es in einem Statement von Michael Kirkland, einem Facebook-Sprecher. Entwickler – und dementsprechend User – sollen mit kostenlosen Services stärker an die Social-Media-Plattform gebunden werden, darauf deuten zumindest die vier im obigen Statement genannten Teilbereiche hin. So wird bspw. der Zweig für Authentifizierungstechnologien wahrscheinlich mit dem Ziel ausgebaut, noch mehr Drittanbieter dazu zu bewegen, ihre Produkte per Facebook-Login aktivieren zu lassen. Von dieser langfristigen Verknüpfung dürfte sich Facebook stabilere Umsatz- bzw. Profitraten erwarten als mit dem unterfinanzierten und im Wesentlichen bereits abgehängten Parse-Projekt.

Stellen Sie Ihre Fragen zu diesen oder anderen Themen unseren entwickler.de-Lesern oder beantworten Sie Fragen der anderen Leser.

Wie geht es weiter?

Bei Entwicklern ist das Ende von Parse nicht gut angekommen. Wie Business Insider berichtete, haben mehrere von ihnen ihrer Enttäuschung auf sozialen Medien Luft gemacht. Dabei äußern sie vor allem Bedenken über Facebooks Verlässlichkeit in der Zukunft. Dabei ist das ja nichts Neues, wie vor allem PHP-Entwickler in der Vergangenheit bereits schmerzhaft erfahren mussten.

Bereits 2014 nutzten jedoch eine halbe Millionen Apps die Services von Parse, man kann also nicht davon reden, dass Parse erfolglos war. Es war nur eben nicht erfolgreich genug und fällt jetzt größeren Businessplänen von Facebook zum Opfer. Entwickler, die Parse genutzt haben, sind daher gezwungen, ihre Apps auf andere Angebote migrieren. Das Unternehmen hat dazu ein Tool zur Migration von Parse zu MongoDB und entsprechende Guides zur Verfügung gestellt. Außerdem wird Parse Server als Open-Source-Alternative veröffentlicht, mit der man das Parse API auf einem Node.js-Server laufen lassen kann. Doch ein anderes Unternehmen buhlt bereits mit einer vorsichtigen Charme-Offensive um die enttäuschten Parse-Entwickler …

Azure to the Rescue

Microsoft wittert Morgenluft und begibt sich vorsichtig in die Offensive: Azure welcomes Parse developers, titelt Glenn Gailey im Microsoft Azure Blog. „When searching for a new host, we hope that you try Azure.“ Um Entwicklern den Einstieg in die Microsoft-Cloud-Welt etwas leichter zu machen, bietet Gailey in seinem post Schritt-für-Schritt-Informationen, die über die bereits angesprochenen Migration Guides hinaus gehen.

Besonders spannend ist hierbei vor allem die Möglichkeit, die die Azure Notification Hubs bieten. Damit ist es möglich, Push Notification an die verschiedenen Devices zu schicken; so, wie es bisher auch mit Parse möglich war – ein Feature, das im Parse Server jedoch nicht mehr gegeben sein wird.

Die Einstellung von Parse reißt eine nicht zu verachtende Lücke in das Ökosystem, und die (ehemalige) Konkurrenz schläft nicht. Es bleibt also Bewegung im Markt – egal, ob mit oder ohne Facebook.

 

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -