Interview mit Tim Messerschmidt

PayPal Battle Hack: "Kreativität und Bleeding-Edge-Technologien"
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Ende Juni kam die Berliner App-Entwickler-Szene beim Paypal Battle Hack zusammen, um mit Hilfe von Kreativität, Programmiertalent und Paypal-APIs spannende Lösungen für alltägliche Problemstellungen zu entwickeln.
Die Sieger des Hackathons messen sich im November im kalifornischen San Jose mit anderen Städtesiegern aus der ganzen Welt (u.a. aus Istanbul, Tel Aviv, Miami, Moskau, Mexiko City, London und Chicago). Den globalen Battle Hack Champions winkt ein Preisgeld von 100.000 Euro.

Wir haben mit Tim Messerschmidt, Lead Evangelist EMEA bei PayPal, über den Wettbewerb, die Einreichungen, PayPals Absichten und zukünftige Projekte gesprochen.

Weltmeisterschaft der Entwickler

PHPmagazin: Herr Messerschmidt, Sie sind Lead Evangelist bei PayPal und begleiten den PayPal Battle Hack. Was ist die Intention hinter diesem Event?

Tim Messerschmidt: Die Idee hinter der Veranstaltung ist, dass Entwickler mit ihren Programmierkenntnissen und ihrer Kreativität dazu beitragen können, Problemstellungen aus dem Alltag zu lösen. Wir haben bereits über viele Jahre hinweg in London den PayPal Charity Hack veranstaltet. Es handelte sich hierbei um einen Hackathon in der Londoner Niederlassung von PayPal, bei dem Entwickler mit verschiedenen Wohltätigkeitsorganisationen zusammentrafen. Der nun zum zweiten Mal weltweit veranstaltete Battle Hack ist die Fortführung des Charity Hacks, ausgeweitet auf weitere Länder und Städte. Im Jahr 2013 haben wir zehn Städte besucht, in diesem Jahr sind es schon 14. Man kann sich das Ganze ein bisschen wie eine Weltmeisterschaft der Entwickler vorstellen – wir suchen die besten lokalen Entwickler. Ihre Aufgabe: innerhalb von 24 Stunden eine App zu entwickeln, die ein lokal relevantes Problem löst. Die Sieger aus jeder Stadt werden von PayPal zu den Battle Hack World Finals nach San Jose eingeladen. Diese finden vom 14. bis zum 16. November 2014 statt. Die Gewinner der Finals bekommen den Hauptpreis in Höhe von 100.000 US-Dollar, eine Kampfaxt-Trophäe sowie den begehrten Titel der „besten Hacker aller Zeiten“.

Mobile, Raspberry Pi & Co.

PHPmagazin: Es gibt nur zwei Bedingungen für die Teilnahme am Battle Hack: Es muss eine für den lokalen Markt relevante Problemstellung gelöst und es muss das PayPal API oder das Braintree / Venmo SDK integriert werden. Die Technologie oder die Art der Applikation spielen also keine Rolle?

Tim Messerschmidt: Wir sind offen für jegliche Technologie – egal, ob es sich um Applikationen für Android oder iOS handelt, um Hardwareprojekte auf Basis von Plattformen wie dem Raspberry Pi oder um klassische Webanwendungen. Unsere SDKs sind sehr flexibel und können jeden der genannten Bereiche abdecken. Wir legen großen Wert auf die bei den Lösungen verwendete Technologie. Da der Battle Hack ein Hackathon ist, sollen Projekte möglichst kreativ gelöst und natürlich auch Bleeding-Edge-Technologien verwendet werden.

PHPmagazin: Aus welchem Bereich kommen die meisten Einreichungen? Sind Mobile-Projekte in der Überzahl? Oder gibt es doch mehr Web-Projekte?

Tim Messerschmidt: Das Verhältnis ist in etwa 50/50. Wir sehen sowohl Apps für Android, iOS und Windows Phone als auch Web-Applikationen. Das variiert etwas von Stadt zu Stadt – zum Beispiel haben wir bei unserem letzten Hackathon in Warschau eine relativ hohe Anzahl von Hardware-Hacks gesehen.

PHPmagazin: Haben Sie eine Erklärung dafür, warum das so ist?

Tim Messerschmidt: Viele unserer Teilnehmer sind Studenten. Das jeweilige Unterrichtsprogramm an den Universitäten macht sich deutlich in unserem Battle Hack bemerkbar. Ein anderer Faktor sind die lokalen User-Groups, mit denen wir arbeiten. Viele unserer Teilnehmer sind Mitglieder der Google Developer Group, HTML5 User Group oder anderen stark vertretenen Meetups.

PHPmagazin: Welcher Part ist für Sie bzw. PayPal wichtiger?

Tim Messerschmidt: Wir ziehen weder Mobile noch Web dem jeweils anderen vor – insbesondere, da beide heutzutage eng zusammenhängen und stark interagieren, sodass wir hier schlecht differenzieren können. Viele unserer SDKs bieten beispielsweise die Möglichkeit, einen mobilen Client mit einem Backend in einer Sprache der Wahl des Entwicklers zu entwickeln. Wir sind da flexibel und bieten SDKs für PHP, Ruby, NodeJS, C#, Java und Python an.

App-Highlights

PHPmagazin: Mit Berserkers for Charity hat in Berlin dieses Jahr ein sehr spannendes und junges Projekt gewonnen. Was waren die anderen Highlights?

Tim Messerschmidt: Das dreiköpfige Entwicklerteam Berserkers for Charity hat die Jury in diesem Jahr mit einer Idee überzeugt, die Spender aus aller Welt zusammenbringt. Die Applikation erlaubt es, ohne Verluste durch Wechselkursgebühren Geld an wohltätige Organisationen im Ausland und in fremden Währungen zu spenden und dafür eine Spendenbescheinigung fürs Finanzamt zu erhalten. Mit der entwickelten WeBzerking Care-App löst das Team ein echtes Problem einer Zeit fortschreitender Globalisierung. Ein Beispiel: Eine Person aus Deutschland möchte an eine Organisation in Australien spenden. Sie gibt einen Betrag ein und wartet, bis jemand aus Australien den gleichen Betrag an eine Organisation in Deutschland spenden möchte. Beide Seiten bestätigen dann nochmals und spenden den vorab festgelegten Betrag an die jeweils in ihrem Land ansässige wohltätige Organisation. Auf diesem Weg erhält die Charity-Organisation das Geld direkt in der lokalen Währung und die Spender bekommen eine in ihrem Land gültige Spendenquittung. So können alle Beteiligten Gebühren sparen – was dann wiederum den Chartity-Organisationen zugutekommt. Um das Finden passender Spendenpartner in anderen Ländern zu erleichtern, gibt die App feste Spendenbeträge vor. Mein persönliches Highlight war das Team Ofertify. Dieses Team hat unsere Jury vor allem mit der Vielfalt der verwendeten Technologien überzeugt und mit seiner Idee den 2. Platz belegt. Entwickelt wurden innerhalb von nur 24 Stunden eine Web-App, je eine App für Android, iOS und Windows Phone sowie eine Companion-App für Pebble. Die Ofertify App bringt Menschen durch kleine Hilfsangebote und Serviceleistungen zusammen – egal, ob es um Gassi gehen mit dem Hund oder um Hilfe beim Behördengang geht. Bei letzterem kann die Hilfe zum Beispiel im Ziehen einer Nummer und dem Freihalten eines Platzes in der Schlange bestehen. Das Team Ofentify hat nach Berlin auch am Warschauer Battle Hack teilgenommen und dort den 3. Platz gemacht. Eine sehr interessante Idee kam auch von den Drittplatzierten, dem Team AirPay. Hier wurde eine App für mobile Zahlungen zwischen Privatpersonen entwickelt, die dank Bluetooth Low Energy auch ohne Internetverbindung funktioniert. Insgesamt ist die Qualität der Ergebnisse wirklich überzeugend. Die Entwickler haben nun die Chance, ihre Ideen zu kommerzialisieren.

PHPmagazin: PayPal macht auch in anderen Bereichen immer wieder von sich reden – wie beispielsweise beim Accessibility-Plug-in für Bootstrap. Welche Projekte verfolgt das Unternehmen noch?

Tim Messerschmidt: Mein persönlicher Favorit ist unser NodeJS Convention-Layer KrakenJS. Es handelt sich hierbei um eine Lösung, die auf Express aufsetzt und hilft, eine klare Struktur für NodeJS Apps einzuführen. Weiterhin bietet Kraken sensible Security-Settings wie beispielsweise eine CSRF-Protection, sowie verschiedene Features, die bei der Internationalisierung helfen.

PHPmagazin: PayPal verbreitet sich als Bezahlmethode vor allem im Web immer weiter – wie geht man mit den rechtlichen Besonderheiten in den einzelnen Ländern um?

Tim Messerschmidt: Wir haben lokale Teams bei PayPal, die sich mit den lokalen rechtlichen Gegebenheiten in den einzelnen Märkten auseinandersetzen.

PayPal API

PHPmagazin: Wie steht es um die Weiterentwicklung bei PayPal – ist das API soweit Feature Complete, oder werden da noch weitere Features hinzukommen?

Tim Messerschmidt: Wir arbeiten konstant an unseren Tools, APIs und SDKs. Der Markt ist sehr dynamisch. Daher reagieren wir auch weiterhin kontinuierlich auf Trends und bieten Entwicklern das, was sie sich wünschen. Ein gutes Beispiel ist hier die Übernahme von Braintree im letzten Jahr. Braintree ist bekannt für seine großartige API und sehr gute SDKs, die eine unmittelbare Abrechnung von Kreditkarten erlauben. Das Unternehmen hat sich über viele Jahre hinweg darauf spezialisiert, mit den Top-Start-ups und -Entwicklern wie Uber, Fab und Airbnb zusammenzuarbeiten. Vor wenigen Wochen hat Braintree nun die Evolution ihrer SDKs mit dem v.zero-Release angekündigt – es handelt sich um ein ausgesprochen einfach nutzbares SDK, das in wenigen Minuten eine Implementierung sowohl von PayPal- als auch von Kreditkartenzahlungen ermöglicht. Mein persönlicher Rekord liegt bei fünf Minuten für eine Sinatra-basierte Web-Applikation.

Zur PersonTim MesserschmidtTim Messerschmidt ist Lead Evangelist EMEA bei PayPal. Zuvor hat er als Technischer Projektleiter & Software Engineer bei Neofonie Mobile in Berlin, sowie als Developer Advocate für die Telecom Division von Samsung Deutschland gearbeitet. Er ist leidenschaftlicher Entwickler, hauptsächlich im Bereich Mobile. 

 

 

 

 

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