Neues vom Androiden-Planeten

Planet Android: Google Chat, Savedroid und die Frage: Meinen die das ernst?
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Google bringt einen neuen Messenger, der WhatsApp und Telegram das Wasser abgraben soll, aber das könnte schwierig werden. Außerdem die Feststellung: Mit ICOs scherzt man nicht. Außer es ist wirklich nur ein Scherz. Und: Constraint Layout bringt Neuigkeiten fürs Design.

Oh oh… ICO!

ICOs sind ja so eine Sache. Im Prinzip ist ein ICO nichts anderes als das Versprechen, dass dieses Blockchain-Projekt wirklich das große Ding wird. So groß wie Bitcoin, mindestens! Jeder wird diese Tokens haben wollen, ihr Wert ins unermessliche steigen! Gebt uns jetzt nur ein ETH, ihr bekommt 100 XYZ dafür – und in nur einem halben Jahr seid ihr Millionäre!

So oder so ähnlich lesen sich die allermeisten ICOs und natürlich auch das von Savedroid. Da ist ja blöde, wer nicht mit einsteigt. Denn die App hat sogar einen echten Nutzen: Sie dient als virtuelle Spardose. Wofür das Unternehmen aber jetzt bekannt geworden ist, ist nicht ganz so ruhmreich. Die Seite war für einige Zeit nicht erreichbar, nur noch ein Meme aus der Zeichentrickserie South Park war zu sehen: „Aannd… it’s gone!“. Das Bild hat es sogar auf die Website der ARD Börsenberichterstattung geschafft. Innerhalb von Minuten machte sich Panik breit, vor allem, da Gründer Yassin Hankir auf einmal Urlaubsbilder postete. War er mit dem Geld durchgebrannt? Nein, war er nicht, wie sich am nächsten Tag herausstellte. Vielmehr sollte die „witzige“ Aktion auf die Gefahren von ICOs aufmerksam machen.

Gar nicht mal so witzig fanden die meisten Kommentatoren die PR-Aktion von Savedroid.

Wer sich da schon die letzte Krawatte gebunden hatte, weil ein paar Tausend Euro bei Savedroid lagen, hat das vielleicht nicht mehr mitbekommen. Und genau das sorgt für Kritik: „Ohne Vertrauen ist alles nichts. Daher ist es uns völlig unverständlich und wir sind entsetzt, wie man Kunden, Partner, Regulatoren und die Öffentlichkeit durch PR-Aktionen in die Irre führen kann, die mit diesem Vertrauen spielen. So geht es nicht! Von so einem Vorgehen distanzieren wir uns.“ So heißt es in einem offenen Brief mehrerer deutscher Fintechs. Dann doch lieber ein von Anfang an ehrliches ICO wie das von Useless Ethereum Token. Und selbst da stecken schon fast 200.000 US-Dollar an „Investment“ drin. Dabeisein ist bekanntlich alles.

Postkarten schreiben mit Google

WhatsApp hat sie, der Facebook-Messenger hat sie ebenfalls, Telegram, Signal und Threema sowieso – die Verschlüsselung. Okay, bei WhatsApp und Facebook werden die Metadaten mitgelesen und wie das bei Telegram und Threema aussieht, weiß man nicht so genau, aber immerhin werden bei diesen Programmen Textnachrichten nicht mehr wie Postkarten durch die Gegend geschickt, sodass jeder mitlesen kann. Und bitte jetzt keine von diesen „Ich habe ja nichts zu verbergen“-Sprüchen. Denken Sie mal drüber nach, was Sie über Messenger für Gespräche führen. Vom Gehalt über Abendplanung bis zu… sagen wir mal, dem, was nach der Abendplanung kommt. Genau, das würde ja auch niemand auf eine Postkarte schreiben. Mit vollem Namen. Und Adresse. Und weiterführenden Interessen. Und Bildern. Denn das alles lässt sich ohne Weiteres zu einem ganz wunderbar aufschlussreichen Profil verbinden.

Wissen Sie, wer noch besser als Facebook darin ist, Profile zu erstellen? Google. Mit Chrome, Android, Gmail und Google Accounts sollte man meinen, der Konzern wüsste schon genug, um aus seinem Geschäftsmodell das Beste rauszuholen, nämlich personalisierte Werbung zu schalten. Aber scheinbar reicht das den Damen und Herren aus Mountain View nicht, wie der Start von „Chat“ zeigt. Nicht nur, dass ein Funken mehr Kreativität bei der Namensgebung gut gewesen wäre, auch über eine End-zu-End-Verschlüsselung hätte man mal nachdenken können. Die bringt Chat nämlich nicht mit. Umso kurioser, dass ab Android P Apps Daten grundsätzlich per TLS verschlüsseln müssen.

Manche Leute, zum Beispiel Joe Westby von Amnesty International, gehen sogar soweit, davon zu sprechen, dass Google grundlegende Menschenrechte nicht respektiert. Denn ja, das Recht auf Privatsphäre ist ein Menschenrecht, auch wenn wir es damit meist selbst nicht mehr so genau nehmen. Aber – und das sei als einer der Vorzüge des Kapitalismus erwähnt – der Markt wird es regeln. Wahrscheinlich ergeht es Chat ähnlich wie Google Wave, Jaiku oder Lively. Jaiku und Lively, Sie erinnern sich? Nein? Eben.

Constraint Layout 1.1 erschienen

Programmieren gehört ja bekanntlich zu den komplexesten Aufgaben, die Menschen in ihrem Berufsalltag erledigen. Und komplexe Layouts für Android sehen oft recht hübsch aus. Damit es bei der Komplexität aber niemand übertreiben muss, gibt es Constraint Layout, welches jetzt in Version 1.1 erschienen ist. Mit der Bibliothek soll sich ein Großteil der Benutzeroberflächen von Android-Apps mit dem visuellen Editor in Android Studio erstellen lassen. Die Einbindung erfolgt als Abhängigkeit:

dependencies {
    compile 'com.android.support.constraint:constraint-layout:1.1.0'
}

Neben einigen Optimierungen zur Beschleunigung von Layouts bringt Constraint Layout auch überarbeitete Funktionen. Während in Version 1.0 Ansichten noch mit zwei Guidelines für die Einnahme eines bestimmten Prozentsatzes des Bildschirms angepasst werden mussten, geht dies jetzt mit der einfachen Anpassung auf einen bestimmten Prozentsatz der Weite oder Höhe des Bildschirms:

<Button android:layout_width="0dp" android:layout_height="wrap_content" android:layout_constraintWidth_percent="0.7" />

Bei Ansichten, die ihre Größe während der Laufzeit ändern, können mit Constraint Layout 1.1 Barrieren gesetzt werden, um Elemente zu begrenzen. Die Barrieren können an den Positionen start, top, end oder bottom mehrerer Elemente platziert werden. Vor allem bei Content, dessen Inhalt nicht vorhersehbar oder stark variabel ist, sollen Barrieren sinnvoll sein. Die Barriere positioniert sich immer automatisch am Rand einer virtuellen Gruppe, beispielsweise immer am Rand der größten Textansicht:

Die Begrenzung verschiebt sich automatisch. / Quelle: Google

Auch Gruppen lassen sich jetzt in Constraint Layout verwenden. Dabei wird kein neues Hierarchielevel in eine Ansicht eingebaut, sondern lediglich eine Gruppierung per Tag vorgenommen. Wenn eine Gruppe definiert wurde, kann die Sichtbarkeit auf profile_name und profile_image gleichermaßen angewandt werden. Neu hinzugefügt wurden constraintCircle-Begrenzungen. Mit diesen lassen sich Begrenzungen nicht nur in horizontal und vertikal, sondern auch in Kreisen erstellen. Dafür müssen lediglich Winkel und Radius des zu begrenzenden Kreises festgelegt werden. Besonders praktisch soll diese Option beispielsweise für kreisförmige Menüs sein.

Animationen mehrerer Elemente lassen sich mit Constraint Layout 1.1 auch verwirklichen. Dafür soll lediglich ein ConstraintSet reichen. Dieses wird mit TransitionManager.beginDelayedTransition() aus der Support-Library versehen und alle Layout-Veränderungen des Sets werden animiert. Darüber hinaus wurden Bugs bei den Chain-Elementen behoben, außerdem gibt es jetzt mehr Anwendungsmöglichkeiten für Chain-Elemente.

Genauere Informationen zu allen Änderungen und Ergänzungen in Constraint Layout 1.1 finden sich im entsprechenden Blogpost der Google Developer.

Der Planet Android ist bunt, dreht sich schnell, entwickelt sich ständig weiter. Wir bleiben neugierig und beobachten ihn weiter – bis bald!

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