Neues vom Androiden-Planeten

Planet Android Spezial: Google I/O 2018
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Die Google I/O 2018 bietet auch dieses Jahr spannende Neuerungen für unser aller liebstes Betriebssystem – und nicht nur dafür. Wir haben beim Planet Android ein wenig über den Tellerrand geschaut und uns schlau gemacht, was Google in nächster Zeit nicht nur im mobilen Bereich plant. Einige der Highlights gibt es hier zu sehen.

Nam et ipsa scientia potestas est – so lautet ein berühmtes Zitat von Sir Francis Bacon. Im Deutschen wird dieser Satz meist schlicht mit „Wissen ist Macht“ übersetzt. Doch heute reicht Wissen allein nicht mehr. Es braucht Intelligenz – also die Fähigkeit, aus Wissen Rückschlüsse zu ziehen und Wissen anzuwenden. Und darum hätte das Motto der diesjährigen Google I/O auch lauten können: „Künstliche Intelligenz ist Macht“.

Bacon war einer der Vorreiter der Aufklärung und wer sich die Keynotes von Googles jährlicher Konferenz anschaut, merkt schnell: Der Wandel, der uns bevorsteht, ist womöglich ein noch weitreichenderer, als der, den die Aufklärung mit sich brachte. Unaufhaltsam dringen Algorithmen und KI in unseren Alltag und werden ihn grundlegend verändern.

Das an sich ist nichts Neues und schon seit Jahren klingt diese Predigt durch jedes Start-up, jedes Barcamp und jede Tech-Konferenz. Aber bisher war noch wenig davon zu spüren. Das dürfte sich in den nächsten Jahren, Monaten oder vielleicht schon Wochen grundlegend ändern. Im Planet Android Spezial zur Google I/O 2018 bieten wir einen kleinen Ausblick auf das Kommende.

Die Higlights der Keynotes

Die Spekulationen zu dem, was es in den Keynotes würde zu sehen geben würde, schossen schon vor Wochen ins Kraut. Von Wearables über Neuigkeiten zu Fuchsia war alles dabei. So richtig ins Schwarze getroffen hat allerdings keiner, denn letztlich kam es dann doch anders.

Eins machte Google gleich zu beginn klar: Die Datensammelei des Unternehmens ist nicht nur dazu da, um gezielt Werbung auszuspielen. Natürlich ist das die Geldquelle von Google und das hat niemand so gesagt, aber Daten lassen sich eben nicht nur an Cambridge Analytica verkaufen. So sieht es Google als seine Mission, der Welt etwas zurückzugeben. Gesundheit ist dabei eines der wichtigsten Felder, wie Google CEO Sundar Pichai klarstellt. Die Vorhersage von medizinischen Notfällen und das Morsen für Menschen mit Sprachbehinderung auf Googles Smartphonekeyboard Gboard sind nur zwei Beispiele.

Natürlich gab es auch einiges an Spielereien zu sehen. Schwarz-Weiß-Bilder, die automatisch nachkoloriert oder abfotografierte Formulare, die automatisch in PDFs konvertiert werden, sechs neue Stimmen für den Google Assistant oder ein virtueller Guide, der in Google Maps dank Augmented Reality den Weg zeigt. Mehr als eine Spielerei ist Google Lens, ein verbessertes Google Goggles. Damit lassen sich vom Gebäude über Hunderassen bis zu Möbeln die verschiedensten Dinge erkennen und analysieren.

Automatisch kolorierte Bilder gehören inzwischen zu den leichteren Übungen der KI. / Quelle: Google

Nicht nur neue Stimmen bekommt der Assistant, sondern auch einen großen Platz in der Eröffnungskeynote. Einer der beeindruckendsten Momente war, als dieser automatisch eine Reservierung bei einem Friseur vornahm – und dabei mit einer echten Mitarbeiterin sprach, die offenbar nicht bemerkte, dass sie es mit einem virtuellen Gesprächspartner zu tun hatte. Ebenfalls nicht mehr bemerken sollen das User künftig bei der Nutzung des Google Assistant. Konversationen sollen natürlicher werden, Fragen können komplexer sein und sogar Nuancen in der Konversation begreift der Assistant. Darin gipfelt laut Pichai vorläufig sämtliche Arbeit, die Google ins Deep Learning gesteckt hat.

Solche natürlichen Gesprächsverläufe sollen schon in den nächsten Wochen mit dem Google Assistant möglich sein. / Quelle: Google

Neben weiteren praktischen Verbesserungen für Android wie eine Einschlafhilfe, die den Bildschirm zu einer bestimmten Uhrzeit in den Schwarz-weiß-Modus umschaltet, oder Adaptive Actions, welche die nächste Aktion aus der vorherigen ableiten, war auch Googles Schwesterunternehmen Waymo vertreten und zeigte, dass noch in diesem Jahr die ersten Autos ohne Fahrer Menschen selbstständig transportieren sollen. Natürlich ist auch hier eine Menge KI am Werk.

Viele der in der Keynote gezeigten Technologien basierten direkt oder indirekt auf Googles Machine-Learning-Bibliothek TensorFlow. So ist es auch kein Wunder, dass es hier ebenfalls eine wichtige Neuerung gibt: Die TensorFlow Processor Units (TPUs) werden bald in Version 3.0 verfügbar sein.

Neuigkeiten für Android-Entwickler

Natürlich gab es bei der I/O 2018 auch Neuigkeiten für Entwickler. An erster Stelle standen in der entsprechenden Keynote das Android App Bundle und Dynamic Delivery. Mit dem neuen Upload-Format Android App Bundle sollen Apps beim Upload automatisch analysiert werden, der Download auf ein Gerät erfolgt dank Dynamic Delivery nur noch in der Größe, die für die jeweilige Nutzung und die Konfigurationen auf dem Gerät notwendig sind.

Es wird also nicht mehr der vollständige Code auf das jeweilige Gerät geladen. Praktisch ist, dass laut Google nicht eine Zeile Code geändert werden muss, sondern ein Rebuild ausreicht. Der App Bundle Explorer zeigt den eingesparten Speicherplatz, im Schnitt sollen das 30% sein. Funktionieren soll das Ganze auf 99% aller Android-Geräte.

Wie auch das App Bundle ist Google Play Instant ab sofort verfügbar. Dieses Angebot richtet sich vor allem an Spieleentwickler. So müssen Interessierte nicht mehr erst eine Demo auf ihr Gerät laden, sondern können ein Spiel ohne Umwege direkt im App Store ausprobieren.

Richtig aufregend wird es für Entwickler mit Android Jetpack. Wie der Name schon sagt, soll das Paket aus Bibliotheken, Tools und Architektur-Guidelines helfen, noch mehr aus Android rauszuholen. Dabei setzt Google vor Allem auf Kotlin und geht damit einen Schritt weiter weg von Java, der ursprünglich wichtigsten Sprache für Android. Was genau Android Jetpack alles beinhaltet, lässt sich auf der Website des Pakets nachlesen.

Wer noch einen Schritt weiter gehen und nicht nur neue Bibliotheken und Tools, sondern gleich ein neues Betriebssystem ausprobieren möchte, kann ab sofort die Betaversion von Android P herunterladen. Tests werden nicht nur auf dem Google Pixel, sondern auch auf Geräten von Nokia, Vivo, OnePlus, MI, Sony, Essential und Oppo möglich sein.

„Come with me if you want to get the services!“

Was auch immer die Zukunft bringt, offenbar werden Machine Learning, KI und Algorithmen mit drinstecken. Das Potential, so viel hat Google dieses Jahr auf der I/O einmal mehr gezeigt, ist gigantisch. Nicht vergessen sollte man, woher das Wissen kommt und wie der Service von Google finanziert wird. Es geht immer darum, die Nutzer so gut wie möglich zu kennen. Es ist ein Tausch: Daten gegen immer weiter personalisierten Service.

Was in den Keynotes gefehlt hat, ist die Hardware. Natürlich, Google ist noch immer ein Softwarekonzern, aber der eine oder andere Roboter wäre doch mal spannend zu sehen gewesen. Auf der anderen Seite… KI und Robotik, da war was. Vielleicht ist es gut, wenn es vorerst bei quietschgrünen Comicrobotern bleibt und das nächste Android-Maskottchen nicht aussieht, wie er hier unten. Aber warten wir mal ab, was sich bis Android T noch alles ergibt.

Bis Android T sind es noch ein paar Versionen und wir hoffen, dass der Androide so grün und freundlich bleibt, wie eh und je.

Der Planet Android ist bunt, dreht sich schnell, entwickelt sich ständig weiter. Wir bleiben neugierig und beobachten ihn weiter – bis bald!

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