Ein Mobile-Startup-Lifecycle auf der webinale

Von der Bierglass-Idee zur Smartphone-App
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Ideen für Startups entstehen nicht selten aus einer Bierlaune heraus. Man sitzt bei einer (oder mehreren) gepflegten Gerstenkaltschalen zusammen und sinniert über interessante und vermeintlich rentable Geschäftsideen.

Florian Müller, Mitgründer der Software Brauerei und passionierter Software Architekt, schilderte im Rahmen seiner webinale-Session „WTF – Bier per Smartphone?“ seine Erfahrungen mit solchen Bierglass-Ideen.
Im Zentrum stand das von ihm mitgegründete Start speedyPAY. Bei speedyPAY handelt es sich um eine App, die es dem Nutzer ermöglicht, im Fußballstadion Essen und Getränke zu bestellen. Die Bestellung kann man sich anschließend entweder an den Platz bringen lassen oder man holt sie selbst am Catering-Stand ab.

Die Bierglass-Idee

Die Ideenphase zur „Bier per Smartphone“-App begann in Florian Müllers Fall tatsächlich bei einem Kneipenbesuch. Obwohl auch Florian solche Bierglass-Ideen grundsätzlich für keine gute Idee hält, konnten die speedyPAY-Gründer auf eine wichtige Ausnahme zählen. Mit am Tisch saß ein Vertreter einer großen Brauerei, den das Startup von Anfang an als Partner mit ins Boot holen konnte. Was uns zu den ersten Learnings bringt, die Florian Müller den Teilnehmern für die Ideenphase mit auf den Weg gab:

  • man sollte sich Branchenpartner suchen, statt nur „Geldgeber“
  • man sollte keine Angst vor fremden Branchen/Themen haben
  • Brainstormen sollte man mit Machern und nicht mit „Ideengebern“

Gute Idee hin oder her – doch woran merkt man eigentlich, dass die Idee nach hinten los gelegt? Die Antwort des mit der Erfahrung einiger Startup-Gründungen ausgestatteten Florian Müller: „Entweder Idee zündet richtig oder überhaupt nicht! Und wenn das Team schon kurz nach dem Kickoff nur noch Dienst nach Vorschrift schiebt, ist etwas faul.“

Eine Idee wird konkret

Hat man jedoch die Ideenphase erfolgreich gemeistert, geht es an die Konkretisierung der Idee. Ein zugegebenermaßen wenig attraktive Aufgabe, geht es doch vor allem um die Abklärung der finanziellen und wirtschaftlichen Faktoren. „Eine Excel-Kalkulation ist Pflicht,“ mahnt Florian Müller, der vor seiner Abneigung gegenüber Business-Plänen keinen Hehl macht. Doch es muss unbedingt herausgefunden werden, ob man überhaupt irgendwo Geld aus dem Projekt „herauspressen“ kann, und wie man mit dem Startup Geld eigentlich verdienen will. Also: erst die Idee abklären, dann das Produkt bauen.

Und woran merkt man, dass aus der Idee vermutlich nie ein Unternehmen wird, das schwarze Zahlen schreibt? Die einfachste Antwort: Excel spuckt eben keine schwarzen Zahlen aus. „Und wenn alle im Team zwar programmieren können, aber keiner dabei ist, der die Vision nach außen tragen kann, hat man ein Problem,“ erklärt Florian Müller. Doch ebenso wichtig wie Outbound-Marketing ist laut Müller auch die interne Festigung der Startup-Vision. Dabei macht er selbst immer wieder die Erfahrung, dass der Spagat zwischen Disziplin und Spaß ein große Herausforderung im Team darstellt.

Build-Phase

Nach der Ideen-Konkretisierung folgt die Build-Phase. „Unbedingt den Neuanfang nutzen,“ rät Florian Müller. „Man sollte durchaus so mutig sein, existierende Technologien mal neu zusammenzuwürfeln und nicht nur stur auf Althergebrachtes setzen.“ Natürlich benötigt das Team in so einem Fall entsprechende Technologie-Expertise, jemanden, der technologisch auf Trab ist. „Perfektionismus ist keine Bedingungen, aber Pfusch am Bau bringt einen auch nicht weiter,“ bringt es Florian Müller auf den Punkt.

Allesamt hehre Ziele, doch woran merkt man, dass man technisch auf dem Holzweg ist? „Ganz einfach: Wenn es ständig zu technischen Problemen kommt und bei jedem Klick gebetet werden muss, dass die App oder der Server keine Nullpoiner durch die Gegend wirft! Oder wenn Git-Ninjas dein Team infiltrieren und du mehr mit dem Entwirren von Branches beschäftigt bist, als mit der Programmierung selbst.“

Das Auge isst mit!

Parallel zur Build-Phase wurde bei speedyPAY die Design-Iteration gestartet. Schließlich isst das Auge mit! Florian Müllers Tipp: In der Regel bringt es nichts, zeitfressende Photoshop- oder Illustrator-Werke zu erstellen. „Lieber jemanden fragen, der sich damit auskennt und durchaus auch eine der vielen Design-Plattformen nutzen, um eventuell die eine Agentur zu finden, mit der die Chemie stimmt und in der Zusammenarbeit ansprechende Ergebnisse liefert.“

Go live!

Dann ist es endlich so weit: Man geht live. Bei speedyPAY ergaben sich direkt bestimmte Problemzonen, die eng an die spezialisierten Aufgaben der App gekoppelt waren. So mussten vernünftige Lösung für den Point-of-Sale gefunden werden, die die Arbeit des Catering-Personals mit Kassen-Tablets berücksichtigen. „Generell waren in unserem Fall die Prozesse alles andere als trivial, nur sollte man eben zusehen, diese Prozesse für das Personal so einfach wie möglich zu halten. Das Personal muss geschult werden!“
Darüber hinaus kann sich Florian Müller inzwischen auch ruhigen Gewissens einen Verpackungsexperten nennen, denn die Auswahl der Getränkebecher war „eine Wissenschaft für sich“.

Keep running!

In der vorerst letzten Phase des speedPay-Lifecycles galt es zahlreiche Stakeholder sinnvoll an einen Tisch zu bringen. Frei nach dem Motto „viel Köche verderben den Brei“ hatte auch speedyPAY die Wünsche und Forderungen von Stadion, Verein, Catering und der bereits angesprochenen Großbrauerei unter einen Hut zu bringen. Nachdem man Mitte 2014 aufgrund einer etwas verfahrenen Situation vom Produktmodus in den Projektmodus geswitcht hatte, sieht speedyPAY inzwischen wieder Licht am Ende des Tunnels.
am 24./25. Juli wird die App dann tatsächlich das erste Mal in einem Fußballstadion im Einsatz sein – im Stadion des FC Wil, Fußballverein in der zweiten Schweizer Liga. Na dann Prost und guten Appetit!

 

Aufmacherbild: happy soccer or football fan on sofa at stadium Foto via Shutterstock / Urheberrecht: Sergey Peterman

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