Interview mit MobileTech-Conference-Keynoter Kurt Salman

Trash-driven App-Development: Wenn die Sinnhaftigkeit eines Features nicht hinterfragt werden darf
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Vielleicht kennen Sie diese Situation als Entwickler: Sie werden aufgefordert, ein Feature zu entwicklen, dessen Sinnhaftigkeit Sie aber stark anzweifeln. Im Interview mit Kurt Salman, Speaker bei der MobileTech Conference 2017, klären wir, was Trash-driven App-Development ist und welche Erfahrungen er damit gemacht hat.

Kurt, Du schreibst dir auf die Visitenkarte, sogenanntes Trash-driven App-Development betrieben zu haben. Klär uns bitte auf, was steckt dahinter?

Kurt Salman: Das ist der Punkt, wenn die Sinnhaftigkeit des Produkts oder Features nicht mehr hinterfragt werden darf. Meist dann wenn alles unter Dach und Fach ist, Projektleiter, Manager o.ä. die explizit nicht aus dem Fachgebiet Mobile kommen, Entscheidungen treffen und dafür stehen. Dann ist die Sicht auf Trash oder Nicht-Trash nicht mehr da. Man legt einfach los. Umso stärkerer Gegenwind kommt, desto stärker wird Trash angetrieben.

Bleiben wir trashy: Kannst du ein Trash-getriebenes Beispiel aus der Praxis nennen, das dir hier im Kopf geblieben ist?

Kurt Salman: Ein Beispiel: Ein tolles Feature einer (sehr neuen) Waschmaschine ist, mir eine Push-Nachricht zu schicken, wenn die Wäsche fertig sind. Eigentlich ein tolles Feature, aber die Waschmaschine ist nun mal bei uns im Hauskeller und dort ist weder WLAN, Router noch Netzkabel. Also ist dieser Fall stark Feature-driven, mit Statistiken, die qualitativ nicht genug waren. Für die Gesellschaft von heute ist es jedoch Trash.

Denn gräbt man tiefer, stellt man fest, dass hierzu eine sehr schwache Statistik von Waschmaschinen hergenommen wurde: Bei ca. 50 Prozent aller Haushalte in Deutschland befindet sich die Waschmaschine in der Küche. Bei diesen 50 Prozent, sind ca. 60 Prozent Haushalte, die größtenteils Mietwohnungen, WGs oder ähnliche Konstellationen aufweisen. Ich musste viel entwickeln, bei dem es für alle keinen Sinn ergab, aber irgendwie war mein Job “nur” zu entwickeln oder zu beraten. Die Quintessenz führt immer zu gleichen wenigen Resultaten, die ich am Ende meines Vortrags auf der MobileTech Conference 2017 aufzählen werde.

Ein zentrales Thema deiner Session ist die Automatisierung. Du hebst selbst hervor, dass wir beispielsweise im Smart Home Aktionen automatisieren, die uns selbst auch kaum eine Sekunde abverlangt hätten, wie das Licht anzuschalten oder die Heizung aufzudrehen. Wie ist da deine persönliche Meinung? Alles unnötiger Quatsch?

Kurt Salman: Nein, alles in guter Richtung. Aber vieles nicht zu Ende gedacht.

Was hältst du von smarten Assistenten wie Alexa oder Google Home?

Kurt Salman: Alexa wird definitiv das Thema Voicing ausreifen.

Du sprichst in deiner Session außerdem über Feature-driven und Sense-driven Apps. Was ist hier der Unterschied?

Kurt Salman: Hier geht es weniger um die tatsächliche Entwicklung, viel mehr um den Schritt davor: Wann fällt die Entscheidung zu einem Feature für ein Produkt? Bereits hier entscheidet sich ob es Trash wird, ob es Sinn macht, ob es innovativ ist oder ob die Konkurrenz einen Schritt voraus ist. Bei den meisten Fällen ist allen im Voraus die sinnvolle Unmachbarkeit klar.

Wie sieht deiner Meinung nach die Zukunft der App-Entwicklung aus?

Kurt Salman: Da die mobilen Geräte ausgeschöpft sind, wird sich der Markt sehr stark Richtung Embedded Systems bewegen. Interessant wird die Frage, ob sich Virtual und Augmented Reality aus dem Hype-Sein ins “usual” bewegen werden. Der Markt wird es in den nächsten 2 bis 3 Jahren beweisen.

image2-217x300Zur Person:
Kurt Salman ist App-Entwickler seit 2009. Er begleitet namhafte Unternehmen in der Entwicklung und Beratung rund um Entwicklungsmethoden und Agility im Bereich Mobile wie auch ehrenamtlich mitwirkend im Innovation Management der Zukunft. Seine anspruchsvollen Erfahrungen gibt er in Hochschulen als Referent wieder.
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