Plädoyer für 60fps

Warum wir im Web flüssigere Animation brauchen
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Paul Bakaus, Developer Advocate im Google Chrome Team und verantwortlich für das jQuery UI und die Aves Engine, hat auf seinem Blog einen überaus lesenswerten Beitrag zum Thema Bewegungsdarstellung bzw. Bewegungswiedergabe in Animationen verfasst. Nicht nur ist der Artikel eine tolle Zusammenfassung der Prinzipien und Techniken, die hinter der Aufnahme und Wiedergabe von Bewegungen stecken. Er ist gleichermaßen ein leidenschaftliches und grandios recherchiertes Plädoyer für flüssigere Animationen im Web.

Bakaus spannt zu Beginn den Bogen von den Anfängen des Filmemachens bis hin zur Erklärung, warum wir bzw. unser Gehirn in der Lage ist Bewegungen zu erkennen, auch wenn es doch eigentlich nur eine schnelle Abfolge von statischen Bildern vorgesetzt bekommt. 

Diese Überlegungen führen zur Frage, welche Bildfrequenz oder Bildrate eigentlich die optimale ist? Die Antwort: Keine Bildfrequenz wird jemals optimal sein. Allerdings können wir uns dem Optimum ziemlich gut annähern.

Die Bildrate von 24 Bildern pro Sekunde ist das Minimum. Diese Frequenz ist kosteneffizient und wird bis heute für Kinofilme eingesetzt. Allerdings geht es viel besser: Der sogenannte „sweet spot“, also die Bildfrequenz, die als sehr gut funktionierende Option angesehen wird, sind 60 Bilder pro Sekunde (60 frames per second oder 60fps).

Doch da der Mensch ein Gewohnheitstier ist, stellen 60fps bzw. eine höhere Bildfrequenz als 24fps noch lange nicht automatisch jeden zufrieden. Das zeigte sich, als Regisseur Peter Jacksons „Der Hobbit“ in zahlreichen Kinos mit 48fps zu sehen war. Da wir 24fps mit dem sogenannten „Film-Look“ gleichsetzen, sah der Film für viele Besucher billig aus, ähnlich einer Seifenoper im TV. Die Tatsache, dass dank der doppelt so hohen Bildrate die Bewegungen der Hobbits, Zwerge und Elfen deutlich flüssiger und weniger verschwommen aussahen, interessierte leider nur die wenigsten. Was für einen „richtigen Film-Look“ fehlt, war das Motion Blur, also das Phänomen, dass schnelle Bewegungen verschwommen aussehen.

Im Großen und Ganzen ist Motion Blur also Segen, aber auch Fluch:

it sacrifices sharpness for smoothness, and the blurring added by your eyes is never desirable

Schärfe wird für flüssige Darstellung geopfert. Dazu gesellt sich noch ein weiterer Blur, den das eigene Auge hinzufügt.

Zur Motion-Blur-Problematik gesellt sich ein weiteres Problem: Jitter. Der Begriff bezeichnet das Phänomen, wenn die Wiedergabebildrate einer Animation von der Bildrate abweicht, die für die Aufnahme eingesetzt wurde. Dieses Problem tritt vor allem auf, wenn Filminhalte fürs Fernsehen oder DVD gewandelt werden. Die dabei angewandten Methoden wie der „PAL-Speedup“ oder der „3:2 Pulldown“ sind fehlerbehaftet bzw. bringen neue Probleme mit sich. Diese Probleme können derzeit leider nur von sehr kostspieligen Technologien wie Nvidias G-Sync oder AMDs Freesync adäquat gelöst werden.

Was uns dazu bringt, was dieser Beitrag mit dem Web bzw. Web-Animationen zu tun hat. Um eine angemessene Balance zwischen minimalem Motion Blur, minimalem Bildflickern, konstanten Bildraten, guter Bewegungsdarstellung und guter Kompatibilität mit allen Arten von Displays zu erreichen, plädiert Paul Bakaus für eine simple Herangehensweise: Man sollte bei animiertem Content unbedingt auf 60fps setzen!

Deswegen empfehlen wir Webentwicklern unbedingt bis zum Ende des Beitrags durchzuhalten, denn dort finden sich zahlreiche hilfreiche Links mit Ressourcen, Links und Best Practices für flüssige Animationen.

 

Aufmacherbild: Laptop with reel Foto via Shutterstock / Urheberrecht: Horoscope

 

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