Continuum: Was bringt das Feature für Windows Phones?

Windows-10-Continuum: Phone oder PC?
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Wenn Windows 10 am 29. Juli offiziell erscheinen wird, wird es einige spannende Neuerungen mit sich bringen. Am offensichtlichsten ist vermutlich die Rückkehr des Startknopfes, aber auch andere Neuerungen wie der neue Browser Microsoft Edge, die persönliche Assistentin Cortana oder die einfache Möglichkeit, bestehende Android oder iOS Apps zu Windows zu portieren, wurden in den letzten Wochen heiß diskutiert. Eine Funktion, die Windows von anderen Plattformen jedoch wirklich abheben wird, versank ein wenig im Rummel um Windows 10.

Die Sprache ist von Continuum. Bereits in frühen Vorabversionen von Windows 10 konnte man sich einen Vorgeschmack auf dieses Feature holen. Auf Geräten wie dem Surface Pro, das über eine abnehmbare Tastatur verfügt, aktiviert Continuum den Tablet-Modus. Das Gerät verhält sich also ein wenig anders, je nachdem, ob eine Tastatur angeschlossen ist, oder nicht. Ist der Tablet-Modus aktiviert, wird das Startmenü automatisch in voller Bildschirmgröße angezeigt und Eingabeelemente werden touch-optimiert – also ein wenig vergrößert – dargestellt.

Das wahre Potenzial von Contiuum wurde jedoch erst auf der Build-Konferenz im April dieses Jahres mit Continuum für das Windows Phone vorgestellt.

Was macht Contiuum für das Windows Phone so besonders?

Die Grundidee hinter Contiuum für das Windows Phone ist so einfach und naheliegend, dass sie schnell erklärt ist. Vermutlich jeder von uns trägt fast den ganzen Tag ein Smartphone mit sich herum, egal ob man gerade privat oder beruflich unterwegs ist. Continuum ermöglicht es nun, ein Smartphone mit Windows 10 an einen externen Monitor, Maus und Tastatur anzuschließend und das Telefon anschließend fast genauso nutzen zu können, wie einen vollwertigen PC.

Die Idee ist nicht neu. Auch andere Hersteller mobiler Betriebssysteme ermöglichen es, bereits externe Bildschirme und Eingabegeräte anzuschließen. Was Continuum nun unterscheidet ist, dass Apps nicht wie bei anderen Herstellen einfach nur „aufgebläht“ auf einem großen Bildschirm dargestellt werden und die Maus- und Tastatursteuerung mehr schlecht als recht funktioniert. Stattdessen wird ein Feature der Universal Apps, das Adaptive Layout, genutzt, um die App optimiert für den entsprechenden Bildschirm und das Eingabegerät darzustellen.

Wie das Ganze in Aktion aussehen kann, zeigen Abbildung 1 und 2. Die rechte Seite zeigt jeweils das Smartphone, die linke Seite den angeschlossenen externen Bildschirm.

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Abbildung 1: Excel auf dem Windows Phone , © Microsoft

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Abbildung 2: Excel in optimierter Darstellung , © Microsoft

 

 

 

 

Abbildung 1 zeigt Excel auf dem Smartphone in gewohnt kompakter Darstellung. Die Ribbon-Leiste wird in dieser Variante genauso verzichtet wie auf eine Tab-Navigation für die einzelnen Arbeitsblätter. Wird nun über das Startmenü des externen Bildschirms, das auf dem linken Bereich von Abbildung 1 gezeigt wird, Excel geöffnet, zeigt sich die Situation aus Abbildung 2. Excel ist nun auf dem externen Bildschirm optimiert im Vollbild dargestellt. So wie man es von der Desktop-Version von Excel kennt, wird nun auch das Ribbon oder die Tab-Navigation zur Auswahl des Arbeitsblattes angezeigt. Ermöglicht wird dies durch das sogenannte Adaptive Layout, durch die ein Entwickler dieselbe App optimiert für verschiedene Bildschirme bereitstellen kann.

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Abbildung 3: Continuum für das Windows Phone wird den zeitgleichen Betrieb unterschiedlicher Apps auf dem Telefon und dem externen Bildschirm unterstützen, © Microsoft

Der Bildschirm des Smartphones zeigt nun den Home-Screen bzw. das „Startmenü“. Dies lässt auf eine weitere Funktion von Continuum schließen: Den zeitgleichen Betrieb von zwei unterschiedlichen Apps auf externem Bildschirm und integriertem Display. Das dies tatsächlich möglich ist, zeigt Abbildung 3. Hier wird Excel auf dem mit dem Handy verbundenen externen Bildschirm genutzt, während gleichzeitig eine Chat-App auf dem Bildschirm des Windows Phone läuft.

Verbindungsmöglichkeiten

Nachdem die grundlegende Idee von Continuum nun klar ist, stellt sich natürlich die Frage: Wie werden Bildschirm, Tastatur und Maus miteinander verbunden? Dazu wird es drei Möglichkeiten geben.

Die erste Möglichkeit wird aus einer Dockingstation bestehen, an die das Windows Phone per Kabel angeschlossen wird (Abbildung 4).

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Abbildung 4: Verbindung mit der Dockingstation per Kabel, © Microsoft

Alternativ wird es auch eine Möglichkeit geben, ein Smartphone kabellos mit einer Dockingstation zu verbinden (Abbildung 5).

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Abbildung 5: Kabellose Verbindung mit der Dockingstation , © Microsoft

Wird keine Tastatur benötigt, so kann auch eine direkte kabellose Verbindung mit einem externen Bildschirm über zum Beispiel Miracast aufgebaut werden (Abbildung 6).

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Abbildung 6: Verbindung zwischen Smartphone und Bildschirm über Miracast, © Microsoft

In diesem Fall kann auf dem Smartphone eine spezielle Controller App gestartet werden. Sie fungiert als eine Art Touch Pad für die Mauseingabe und zeigt für Texteingabefelder die virtuelle Bildschirmtastatur an.

Wer braucht so etwas überhaupt?

Wie der vorherige Abschnitt gezeigt hat, wird die Verbindung zu einem externen Bildschirm inklusive Tastatur nicht durch mehrere Alternativen ermöglicht, sondern auch relativ einfach sein. Doch alleine, dass es einfach zu nutzen ist, löst noch kein Problem. Wozu benötigt man Contiuum also?

Hier sind verschiedene Szenarien im geschäftlichen und privaten Umfeld möglich. Im Geschäftlichen Umfeld wäre es zum Beispiel denkbar, dass Unternehmen für Mitarbeiter im Außendienst, die nur sporadisch ins Büro kommen, Arbeitsplätze mit Dockingstation, Tastatur, Maus und externem Bildschirm bereithalten. So könnte der Außendienstmitarbeiter schnell und komfortabel seine E-Mails, die er ohnehin bereits auf seinem Telefon hat, an einem vollwertigen PC bearbeiten, ohne sich kompliziert an einem allgemeinen PC einloggen zu müssen.

Auch in Besprechungsräumen ist der Einsatz von Continuum sehr gut denkbar. Zukünftig könnte die Powerpoint-Präsentation einfach vom Smartphone gestartet werden. Lästiges Übertragen der Präsentation vom Arbeitsplatzrechner auf einen USB-Stick und anschließendes Übertragen auf den PC im Besprechungsraum würde somit der Vergangenheit angehören.

Für Geschäftsreisende würde sich gerade die Möglichkeit der direkten Verbindung zu einem externen Bildschirm, zum Beispiel einem Fernseher, anbieten. Fast in jedem halbwegs modernen Hotelzimmer gibt es mittlerweile Flat-Screen-TVs mit HDMI-Eingang. Über einen kleinen HDMI-Empfänger könnte ein Geschäftsreisender somit sein Smartphone an den Hotelfernseher anschließen, um zum Beispiel Word-Dokumente oder Excel-Kalkulationen zur Vor- oder Nachbereitung eines Termins noch einmal komfortabel am Bildschirm durchzusehen.

Doch nicht nur im Geschäftlichen, sondern auch im privaten Umfeld sind viele Szenarien denkbar. Viele Privatpersonen, die heute einen vollwertigen PC besitzen, nutzen diesen nur zum Surfen im Internet und für E-Mails. Zukünftig könnten sich solche Nutzer die Anschaffung eines separaten PCs sparen und nur noch das Smartphone nutzen.

Für Schüler höherer Klassenstufe wäre es denkbar, Hausaufgaben direkt auf dem Smartphone mit angeschlossener Tastatur, Maus und Display in Word, Excel oder PowerPoint anzufertigen und diese am nächsten Tag in der Schule an einem Beamer oder ähnlichem zu zeigen.

Gerade die Möglichkeit, zwei unterschiedliche Inhalte auf Smartphone und externem Bildschirm anzuzeigen, ist auch für Familien im Urlaub interessant. Bei schlechtem Wetter könnte man also problemlos ein Video für die Kinder auf dem Hotelfernseher abspielen, während man selbst in Ruhe E-Mails liest, seinen Kalender prüft oder einfach nur Freizeitaktivitäten in der Nähe für schlechtes Wetter recherchiert.

Fazit

Die genannten Anwendungsfälle zeigen natürlich nur einen kleinen Ausschnitt der Möglichkeiten, die Continuum bringen wird. Spätestens wenn Entwickler außerhalb von Microsoft Ihre Apps auf Windows 10 portieren und dabei das Adaptive-Layout berücksichtigen, wird es sicherlich eine ganze Fülle weiterer Szenarien für Continuum geben.

Uns bleibt nun also nur abzuwarten bis Windows 10 Mobile heraus kommt, ehe wir unser Telefon als fast vollwertigen PC-Ersatz nutzen können. Um Continuum in vollem Umfang nutzen zu können, wird jedoch neue Hardware fällig. Aktuell unterstützt leider noch keines der verfügbaren Smartphones das gleichzeitige Ansteuern von zwei Bildschirmen mit unterschiedlichen Inhalten. Diese werden mit dem Release von Windows 10 Mobile jedoch sicherlich nicht lange auf sich warten lassen.

 
Mehr zum Thema finden Interessierte außerdem auf unserer Windows-10-Themenseite.

Aufmacherbild: © Microsoft

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