Windows Phone 7 Neue Freiheiten für Entwickler
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Der neueste Mitspieler auf dem regen Marktplatz der Smartphones ist das Windows Phone 7 von Microsoft. Wir haben Ingo Rammer nach seiner Einschätzung der neuen Technologie, ihren Besonderheiten und ihrer

Ingo Rammer

Der neueste Mitspieler auf dem regen Marktplatz der Smartphones ist das Windows Phone 7 von Microsoft. Wir haben Ingo Rammer nach seiner Einschätzung der neuen Technologie, ihren Besonderheiten und ihrer Entwicklerfreundlichkeit befragt. Rammer ist einer der Gründer von thinktecture und unterstützt Softwarearchitekten und -entwickler bei der Verwendung von .NET- und Web-Services-Technologien. Sein aktueller Schwerpunkt ist die Entwicklung für das Windows Phone 7. Auf der kommenden BASTA! Spring 2011 bietet er einen Workshop zur WP7-Entwicklung an.

Windows Phone 7 hat es in kürzester Zeit geschafft, mehr Apps im Marketplace zu vereinen als Windows Mobile 6.5. Hat WP7 das Zeug dazu, zur Nummer drei im Markt der mobilen OS aufzusteigen?

Ingo Rammer: Ich denke, dass man das ganz klar bejahen kann und gehe sogar davon aus, dass bereits das mittelfristige Ziel von Microsoft eher im Bereich der Nummer zwei sein dürfte. Die entscheidende Frage wird sein: Wer von den fünf dominanten Mobile-OS-Anbietern kann die bessere Vereinbarung mit den Mobile-Providern treffen? Am Ende des Tages kauft ein Großteil der Kunden schließlich diejenigen Geräte, die im Shop verfügbar und preislich im erwünschten Rahmen liegen.

Microsoft geht mit dem UI gänzlich neue Wege – ein Vorteil im Kampf um die User?

Ingo: Auf Userseite hat WP7 vermutlich das momentan klarste UI aller Smartphones. iOS hatte eine ähnliche Situation vor einigen Jahren (bevor viele Kompromisse z.B. beim Start-Screen gemacht werden mussten) während Android – auch aufgrund der Vielfältigkeit der Geräte – hier immer einen gewissen Nachteil hatte. Ich denke, dass Microsoft hier an einigen kleinen Stellen noch nachbessern wird, um den Bildschirm noch besser auszunutzen – momentan werden z.B. 20 % durch sehr große Überschriften verbraucht, die meiner Ansicht nach nicht immer zur Klarheit des UIs beitragen. Das Gute aber ist: Auch heute sind App-Entwickler schon sehr frei in der Gestaltung von Benutzerschnittstellen und können optimierte Darstellungen wählen, die sich dennoch nahtlos ins WP7-Design einfügen.

Bietet die zugrunde liegende Systemarchitektur Vorteile gegenüber dem iOS oder Android?

Ingo: Die Architektur ist vor allem eines: sehr vorhersehbar. Ich persönlich verwende z.B. laufend Geräte mit den unterschiedlichen dominanten mobilen Betriebssystemen, und eines der für mich größten Probleme mit den anderen Smartphone OSs (außer BlackBerry) ist die teilweise sehr zufällig wirkende Akkulebensdauer. Multitasking und die Verarbeitung im Hintergrund sind die Kernthemen an denen sich – auch in Zukunft – die Geister scheiden werden: Möchte ich mich vor allem auf mein Telefon verlassen können oder ist Multitasking für mich nicht wert, dass ich z.B. nach zwei Stunden Zugfahrt am Bahnhof stehe und merke, dass mein Akku leer ist, weil irgendeine App im Hintergrund in eine Endlosschleife gekommen ist. Ich denke, dass Microsofts Sichtweise sehr klar ist, wenn sie sagen, dass sie nach vielen Jahren jetzt verstanden haben, dass ein Smartphone eben vor allem Telefon sein muss und nicht Computer.

Was stellt in deinen Augen das größte Problem in WP7 dar – was würdest du ändern, wenn du könntest?

Ingo: Es ist momentan relativ einfach, Applikationen zu entwickeln. Diese jedoch richtig performant zu machen, ist um einiges schwieriger. Man muss sich z.B. sehr genau überlegen, wie lange der Start einer Anwendung dauern darf, ohne den Benutzer zu verärgern. Die erste Version der Facebook-Anwendung benötigte beispielsweise jenseits von 20 Sekunden zum Start … das ist natürlich für viele Benutzer inakzeptabel. Die zweite Version liegt momentan bei etwa sechs Sekunden. Dieses Thema fällt bei WP7 momentan stärker auf, als bei den anderen Systemen, da diese entweder schon fortgeschrittenere und schnellere App-Recovery-Methoden haben oder dieses Problem einfach durch Multitasking auf Kosten der Batteriezeit lösen. In diesem Bereich bin ich persönlich schon gespannt, wie die Microsoft-Lösung zum Beschleunigen des Applikationsstarts aussehen wird.

Aktuell gibt es schon rund 20 000 registrierte Developer für WP7 – macht es Microsoft Mobile-Entwicklern mit WP7 leicht?

Ingo: Wir betreuen Softwarehäuser, die auf den verschiedensten mobilen Plattformen entwickeln. Dabei ist es immer wieder spannend zu sehen, wie z.B. manche iOS-Entwickler von der Entwicklungsgeschwindigkeit und den Möglichkeiten von Silverlight begeistert sind. Für mich persönlich ist auch die Tatsache interessant, dass man Apps bauen kann, die mit der gleichen Sourcecode-Basis zusätzlich zum WP7 auch im Browser, installierbar auf dem PC (und damit auf den kommenden Windows 7 Tablets), Mac und mit Novells Moonlight/Mono auch auf Linux lauffähig sind. Bei entsprechender Architektur und entsprechendem Softwaredesign können 90 % dieser Anwendungen nicht nur ähnlich, sondern wirklich auf gemeinsamem Quellcode aufgebaut sein. Und jeder Silverlight-Entwickler versteht diese Grundzüge binnen kürzester Zeit.

Was sind die wichtigsten Elemente die man als Entwickler kennen muss, und welche davon stellst du in deinem Workshop vor?

Ingo: Einerseits ist natürlich Silverlight als Basis essenziell. Und dann kommen die klassischen Fragen: Wie komme ich an die anzuzeigenden Daten? Wie speichere ich sie auf dem Gerät? Wie gehe ich mit der Hardware und den Sensoren um? Welchen sicherheitsrelevanten Einschränkungen muss ich mich unterwerfen? Wie stelle ich die gewünschte Performance sicher? Welche Sachen, die ich in meinen normalen Silverlight-Anwendungen mache, soll ich am WP7 vermeiden? Wie verwende ich WP7-Features wie Notifications? Wie debugge ich Anwendungen in der Praxis? Und natürlich: Wie kommt die App zum User? Für viele Entwickler dürfte auch relevant sein zu wissen, was man mit WP7 nicht mehr machen kann bzw. darf, das man mit WM 6.x noch problemlos umsetzen konnte. Bis auf die Silverlight-Grundlagen werde ich diese Fragen im Workshop entsprechend behandeln, da sie wirklich essenziell für die Entwicklung von WP7-Apps sind.

Vielen Dank für diese Einblicke
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