Business-App-Entwicklung unter Windows Phone 8.1

Windows Phone im Fahrtwind
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Die neuen Funktionen im Software Development Kit (SDK) für Windows Phone 8.1 erleichtern die App-Entwicklung nachhaltig, besonders aus plattformübergreifender Sichtweise. Nach dem Release im April haben Entwickler die Funktionalitäten und Einsatzszenarien inzwischen für sich konsolidiert. Wir geben einen Überblick, welche Features sich im Businesskontext bewährt haben.

Windows gehört zu den meist genutzten Betriebssystemen im Businessumfeld. Die mobile Variante war in der Vergangenheit allerdings nicht durch eine große Funktionsvielfalt gekennzeichnet. Vor allem auf ein besseres Zusammenspiel der verschiedenen Windows-Plattformen im mobilen Businessumfeld hat die Microsoft-Gemeinde schon einige Zeit gewartet. Diese Hoffnung hat sich mit dem Release von Windows Phone 8.1 im April erfüllt: Mit dem Update sind viele neue Funktionalitäten und Möglichkeiten für Anwender und Entwickler hinzugekommen.

Windows Phone: Besser im Businesskontext

Bestimmte Businessfunktionen, insbesondere das Gerätemanagement, waren zwar bereits in Windows Phone 8 vorhanden, im Vergleich zu den Mitbewerbern im Markt jedoch eher rudimentär ausgeprägt. Dabei ließen sich lediglich Passwortrichtlinien festlegen und das Endgerät ließ sich entweder verschlüsseln oder komplett „wipen“ – für einen nachhaltigen Businesseinsatz also doch ein etwas dürftiger Funktionsumfang, der nur spezielle Einsatzszenarien gestattete. Das hat sich nun geändert.

Aus den sechs bereits existierenden verwaltbaren Funktionen im Mobile Device Management (MDM), die sich primär auf die Passwortfeatures fokussierten, ist ein vergleichsweise großes Repertoire an administrierbarer Funktionalität geworden. Das Spektrum im so genannten „Enterprise Feature Pack“ reicht von klassischen MDM-Funktionen wie Configuration, Certificate und Application Management über Monitoring bis hin zu Secure Access und erweiterten Möglichkeiten im Exchange-Server-Support. Die Interoperabilität mit Produkten verschiedener MDM-Anbieter ist ebenfalls gegeben, denn Systeme wie Windows Intune, AirWatch oder MobileIron unterstützen die Funktionen nativ.

Businesskritisch ist auch die Einwahl über VPN-Verbindungen. Hier hat Microsoft die Funktionalität aus Windows 8.1 größtenteils übernommen, sodass „Triggered VPN“-Verbindungen realisierbar sind. Auf diese Weise kann beispielsweise ein VPN-Tunnel aufgebaut werden, sobald der Nutzer eine Adresse aus dem unternehmenseigenen Intranet aufruft. Während das „Wipen“, also das ferngesteuerte Löschen eines Geräts, schon in der Vorgängerversion enthalten war, ist nun auch das selektive Wipen möglich. In diesem Falle entfernen Administratoren nur die geschäftlichen Daten von einem Gerät, die privaten Daten des Gerätenutzers bleiben dagegen unberührt. Speziell diese Funktion ermöglicht Bring-Your-Own-Device-(BYOD)-Szenarien. Eine große Rolle spielt auch das App-Management, bei dem Apps durch eine Black-/White-Liste explizit freizugeben oder zu sperren sind. Das bezieht sich in erster Linie auf mobile Applikationen aus dem öffentlichen Windows Phone Store. Natürlich lassen sich daneben auch die Apps aus dem unternehmenseigenen Enterprise Store einsetzen – aus Sicherheitsaspekten unter Umständen die verlässlichere Variante. In puncto MDM profitieren Entwickler auch vom neuen WP-8.1-Emulator. Dieser hat sinnvolle Erweiterungen erhalten, die seine Handhabung beim Testen von MDM-Funktionen erheblich vereinfachen: Die Texteingabe erfolgt nun direkt, ohne dass man zwischen virtueller und physischer Tastatur hin- und herschalten muss. Erweiterte Hilfstools des Emulators sorgen für verbesserte Testbedingungen späterer App-Funktionen. So sind verschiedene Parameter wie Positionsdaten oder Mobilfunkschnittstellen einzeln festzulegen. Die Simulation der Funktionen einer jeden App läuft insgesamt einfacher und zielgerichteter ab. Zusätzlich ist es möglich, Zwischenstände des Gerätezustands zu erstellen und bei Bedarf zu ihnen zurückzukehren.

Plattformen sind zusammengewachsen

Eine wesentliche Grundlage bestimmt die verbesserten Einsatzpotenziale von Windows Phone 8.1 im Businessbereich: Die Betriebssysteme für Desktop-PCs, Tablets und Smartphones sind enger zusammengewachsen. Durch die dichtere Verzahnung der verschiedenen Plattformen ergeben sich neue Chancen, Geschäftsprozesse mit geringerem Aufwand abzubilden. Bisher basierten Windows-Phone-Apps auf Silverlight. Microsoft hat sichergestellt, dass viele der neuen Funktionen von WP 8.1 auch für Silverlight-Apps zu nutzen sind. Diese Anwendungen sind also mit kleineren Anpassungen weiterhin einsetzbar. Daneben unterstützt WP 8.1 die mobile Variante der Windows-Store-Apps, die so genannten Windows-Phone-Store-Apps. Diese basieren, wie auch unter Windows, auf einer WinRT-Variante und nutzen XAML mit C#, VB.NET, C++ oder JavaScript. Auf diese Weise ist also fast die gleiche Plattform wie unter Windows im Einsatz.

Universal-Apps erleichtern das Entwicklerleben

Wer Apps auf beiden Plattformen ausrollen will, schreibt ab sofort so genannte Universal-Apps, die auf beiden Windows-Systemen laufen. Das Werkzeug hierfür ist das bereits bekannte „Visual Studio 2013 Update 2“, das mit „Universal Project“ plattformübergreifende Templates enthält. Mit Universal Project lässt sich darüber hinaus pro Plattform eine Binary durch Conditional Compiling generieren – eine wichtige Voraussetzung, ohne die Universal-Apps nicht möglich wären. Während unter Windows die Windows Runtime (WinRT) als Basis vorhanden ist, nutzt WP die Windows Phone Runtime (WinPRT). Dieser Unterschied bedingt bereits zwei Binaries. In Visual Studio sind für Universal-Apps gemeinsame Codebasen in einem gesonderten Shared-Projektordner abzulegen und zu verwalten. Jedes Projekt hat dort plattformspezifische, jeweils für Windows Phone 8.1 und Windows 8.1 zugewiesene Ordner. Alles, was Entwickler in der zusätzlichen Shared-Bibliothek ablegen, wird beiden Apps zur Verfügung gestellt. Das hat den Vorteil, dass hier verwendeter Code nur einmal existiert. Wie wirkt sich das aber auf Businessdaten aus? Zwar sind diese auch im Shared-Projekt abzulegen, doch es gibt einen besseren Weg: die Universal Class Library. Bei diesem Projekttyp handelt es sich technisch um eine Portable Class Library, bei der WP 8.1. und Windows 8 vorausgewählt sind. Sie ist als Binary gleichzeitig auf beiden Plattformen nutzbar. Wenn also Businessdaten in den Projekten geteilt werden sollen, ist das der richtige Weg.

Geofencing – Ereignisse an Orte binden

Das Geofencing ermöglicht es zudem, Koordinaten anzugeben und einen Radius um diese zu bilden. Auf diese Weise werden „Fences“ definiert. Der Radius kann maximal ein Viertel der Erde umfassen, sodass auch große kontinentale Fences realisierbar sind. Darauf basierend lassen sich Ereignisse auslösen, entweder durch die App im Vordergrund oder durch einen Background-Task. Die Einsatzszenarien für Geofencing sind vielfältig: Beispielsweise ist es auf diese Weise realisierbar, Gerätefunktionen wie die Kamera zu sperren, sobald der Nutzer eine bestimmt Zone betritt, etwa eine Produktionshalle oder ein Werksgelände. In diesem Kontext spielt auch das „Time-out“ eine Rolle – also der Zeitwert, wann das entsprechende Ereignis ausgelöst werden soll. Dazu muss nicht nur die Dauer des Ereignisses definiert werden, sondern auch der Auslöser – etwa das Betreten oder Verlassen des Fence. Die Überwachung der vom Unternehmen bzw. Entwickler selbst angelegten Fences (bis zu 1 000 Stück) verwaltet das mobile Endgerät akkuschonend selbst.

Praxistest zeigt: schneller und effizienter

Das funktioniert auch im Praxistest: Die Entwickler der H&D International Group haben beispielsweise den eigenen Mobile Incident Manager (MIM) auf WP 8.1 portiert. MIM unterstützt „Supporter“ im Vor-Ort-Einsatz bei der Ticketbearbeitung auf mobilen Endgeräten. Bei der Portierung der reinen Windows-8.1-App zu einer Universal-App konnten 90 Prozent des Codes übernommen werden, sodass nur kleine Justierungen notwendig waren. Windows-Store-Apps müssen für den universellen Windows-Einsatz also nicht mehr komplett neu entwickelt werden, eine einfache Anpassung reicht in den meisten Fällen vollkommen aus. Die App-Entwicklung läuft damit wesentlich schneller und effizienter. Das macht es für Unternehmen nicht nur attraktiver, Apps einzusetzen, sondern begünstigt auch die langfristige Nutzung dieser mobilen Applikationen.

Windows Phone 8.1 lohnt sich

Mit Windows Phone 8.1 hat Microsoft seine Ankündigung des Zusammenwachsens der Plattformen definitiv eingelöst. Aus Entwicklersicht ist mit den neuen Funktionalitäten eine Steigerung der Produktivität verbunden. Zwar benötigt WP 8.1 unter Umständen Einarbeitungszeit, da sich einige Funktionen anders als vorher verhalten, doch die Homogenität des Systems minimiert diesen Zeitaufwand. Für den Unternehmenseinsatz lassen sich eindeutige Benefits ausmachen: Die parallele Entwicklung von Desktop-, Tablet- und Smartphone-Apps für die Windows-Plattform spart nicht nur Entwicklungskosten, sondern verkürzt auch die Entwicklungszeiten drastisch. Die Portierbarkeit von Windows-Anwendungen ist gewährleistet, sodass wichtige Geschäftsprozesse in der Regel einheitlich und mit vertretbarem Aufwand abzubilden sind. Hinzu kommt die Homogenität der Geräte: Eine Windows-Phone-Oberfläche sieht der Desktopvariante sehr ähnlich und bietet dem Nutzer vertraute Bedienmöglichkeiten – vor allem hinsichtlich der Kachelfunktionen und des Startbuttons. Diese Eigenschaften bieten weder Android noch iOS. Windows Phone 8.1 baut damit sein Potenzial aus, eine wichtige Basis für mobile Businessprozesse zu werden.

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