Modellierung
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Eine als Modellierung bezeichnete Wissenschaft befasst sich mit der Definition so genannter Kalküle. Dabei handelt es sich um eine Art Design Patterns für die reale Welt – eine richtig eingesetzte Modellierung spart Zeit.

Das von Uwe Kastens und Hans Kleine Büning verfasste Buch zum Thema sieht sich selbst als eine Einführung auf universitärem Niveau. Wer das Lehrwerk von A bis Z durchackert und die im Internet verfügbare Klausur „besteht“, ist in diesem Bereich auf dem Niveau eines Bachelorstudenten der technischen Informatik.

Nach einer theoretischen Einführung in die Rolle von Modellen und Kalkülen beginnen die Autoren mit der Besprechung der Modellierung anhand von Mengen und Wertebereichen. Das Lehrbuch zeigt an dieser Stelle, was in ihm steckt, und mit Mengenlehre unvertraute Autodidakten bekommen eine extrem umfassende Einführung in das Thema. Dieser positive Eindruck setzt sich in den folgenden Abschnitten fort: Die Besprechung von Aussagen- und Prädikatenlogik ist auf demselben mathematisch hohen Niveau.

Freunde der Graphentheorie werden in einem eigenen Kapitel fündig. Auch hier ist der besprochene Umfang beeindruckend, denn er geht weit über das hinaus, was der durchschnittliche Autodidakt im Rahmen seiner Beschäftigung mit Datenstrukturen lernt. Ob man dieses Wissen in der Praxis in Mehreinnahmen umsetzen kann, ist allerdings eine andere Frage.

Die hinteren Teile des Werks befassen sich mit der Modellierung von Strukturen und Abläufen. Neben einer Besprechung des Entity-Relationship-Modells finden interessierte Leser hier auch Informationen über Petrinetze und die diversen Zustandsautomaten. XML und UML dienen als eine Art Lingua Franca der Modellierung und werden natürlich ebenfalls abgehandelt.

Im achten Kapitel folgt die Modellierung von zwei komplexen Systemen anhand der in den vorigen Abschnitten besprochenen Kalküle. Im Zusammenspiel mit den am Ende jedes Kapitels befindlichen Verständnisfragen bietet dieser Teil eine geradezu ideale Möglichkeit zur Prüfung des erworbenen Wissens.

Willkommen in Paderborn

Aus didaktischer Sicht ist das Buch zufriedenstellend; die Autoren holen das Maximum aus dem zur Verfügung stehenden Platz heraus. Aufgrund des enormen Umfangs des besprochenen Materials erfordert die Beschäftigung mit dem Werk Zeit. Wer das Buch der beiden Professoren abends vor dem Schlafengehen als „Easy-Reading-Titel“ liest, wird nur wenig profitieren.

Besonderes Lob verdient, dass die beiden Autoren ihre Vorlesungsunterlagen ins Internet stellen. Besitzer des Buchs können sich so „an die Universität Paderborn beamen“ – ein Vergnügen, das viele andere professorale Autoren ihren Lesern verweigern.

Fazit

Der Carl Hanser Verlag liefert hiermit ein großartiges Lehrbuch für den universitären Bereich, das mit einer Vielzahl von Onlineinhalten angereichert wird. Autodidakten können das Lehrbuch als Ersatz für eine Vorlesung zum Thema nutzen. Das ist aber leider auch die Schwäche des Werks: aufgrund der enormen Menge von Inhalten taugt es mit Sicherheit nicht zum Nebenbeilesen.

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