Interview mit thePHP.cc

"Neben Unit Tests braucht man auch Tests in einem größeren Scope"
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Das Jahr neigt sich dem Ende und wir blicken zusammen mit Experten aus allen Bereichen der IT zurück: Was waren 2013 die heißen Themen, was wurde Hype und was dürfen wir für 2014 erwarten? Diesmal uns Arne Blankerts, Sebastian Bergmann und Stefan Priebsch ihren persönlichen Jahresrückblick und einen Ausblick auf 2014.

PHP Magazin: Was war eurer Meinung nach das heißeste Thema 2013?

Stefan Priebsch: Ich habe 2013 verschiedene Angriffe auf die Netzneutralität und die Freiheit im Internet beobachtet, die mich mit Sorge erfüllen. Ich fürchte, hier wird es in den nächsten Jahren noch einige Veränderungen geben, die nicht unbedingt gut für uns sind.

Sebastian Bergmann: Mich haben da auch die Enthüllungen um die ganzen Abhöraktionen der NSA erschreckt. Das hat leider gezeigt, dass Arne’s berufsbedingte „Security-Paranoia“ eben doch gerechtfertigt ist …

Arne Blankerts: … das alles hat mich, ehrlich gesagt, nicht überrascht. Dass aber selbst Firmen wie Google ihren internen Datenverkehr bisher nicht verschlüsselt hatten, hat selbst mich verwundert. Auf der anderen Seite ging man natürlich davon aus, dass private Leitungen auch Privatsphäre bieten. Für mich ist das alles ein weiterer Beleg dafür, dass man jegliche Daten ausschließlich verschlüsselt speichern will.

PM: … und welches Thema wurde dem Hype nicht gerecht?

Arne: „Hype“ impliziert doch schon überzogene Erwartungen, also die Tatsache, dass etwas diesen gar nicht gerecht werden kann. Daher ja der Name …

Sebastian: Es gibt einige wichtige Themen, bei denen der „Hype“ dankenswerterweise vorbei ist, beispielsweise NoSQL und DevOps. Wo Diskussionen über NoSQL in der Vergangenheit schnell religiös wurden, ist jetzt wieder Vernunft eingekehrt. Und beim Thema DevOps, bei dem es eigentlich um Prozesse geht, wurde in den letzten Jahren nach meiner Meinung viel zu sehr auf den Einsatz einzelner Tools fokussiert.

PM: Was glaubst ihr, welche Technik oder Technologie wurde 2013 besonders unterschätzt?

Stefan: Für mich sind das Edge-to-Edge-Tests. Viele Teams haben richtig erkannt, dass man neben Unit Tests auch Tests in einem größeren Scope braucht. Solche Tests werden aber zu oft  als End-to-End-Tests angelegt, was einen unnötig hohen technologischen Aufwand bedeutet.

Arne: Man braucht nämlich keinen Browser und auch keinen Webserver, um eine PHP-Applikation als Ganzes zu testen. Die Architektur der Anwendung muss allerdings solche Tests unterstützen.

Stefan: Das bringt dann auch das Thema „experimentgetriebene Entwicklung“ auf dem Plan, das ist technisch eng verwandt.

PM: Abschliessend natürlich die Frage: was wird 2014 besonders heiß? Was müssen wir besonders im Auge behalten?

Stefan: 2014 ist wieder einmal ein Jahr mit einem disruptiven Ereignis, nämlich der SEPA-Einführung. Mit „disruptiv“  meine ich ein Ereignis, das grundlegende Annahmen, die Firmen bei der Entwicklung von Software treffen, verändert …

Arne: … solche Ereignisse gibt es alle paar Jahre: die Einführung neuer Postleitzahlen in Deutschland beispielsweise, die Euro-Einführung oder das Jahr 2000, das die Annahme, dass zur Speicherung von Jahreszahlen zwei Stellen ausreichen, ziemlich effizient widerlegt hat. Und es zeigt sich immer wieder, dass es ein ziemliches Problem ist, solche großen Änderungen in Legacy-Software einzubauen …

Sebastian: … beispielsweise wenn man sich anschaut, was für Probleme manche Firmen zur Zeit damit haben, ihre Software für SEPA fit zu machen. Dann erkennt man, dass es ein echter Wettbewerbsvorteil ist, wenn man bei der Entwicklung auf Nachhaltigkeit gesetzt hat und die Software gut wartbar und erweiterbar ist.

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