Interview mit Robert Lemke zum Split der TYPO3 Association vom Neos-Team

„Neos und TYPO3 haben sich zu unterschiedlichen Produkten entwickelt.“
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Gestern Abend gegen halb sechs gab es eine unerwartete Ankündigung: Die TYPO3 Association und das Team von TYPO3 Neos werden künftig getrennte Wege gehen. Weitere Details allerdings waren noch nicht bekannt – denn darüber, so das offizielle Announcement, mache man sich aktuell noch Gedanken. Einig ist man sich einzig und allein darin, dass beide Projekte von dem Split werden profitieren können.

Wir haben die Situation genutzt und uns zu einem kurzen Gespräch mit Robert Lemke verabredet. Gestern hatte er sich allerdings bereits positiv geäußert: „Der Schritt ist bestimmt nicht einfach, aber ich finde ihn richtig, denn er wird für die Kommunikation beider Produkte Klarheit und den Teams neue Energie bringen.

TYPO3 Association und Neos gehen getrennte Weg

Am 18. Mai 2015 gab es eine unerwartete Ankündigung: Die TYPO3 Association und das Team von TYPO3 Neos werden künftig getrennte Wege gehen. Zum Zeitpunkt der Ankündigung war allerdings noch nicht viel zu den Hintergründen bekannt.

„Der Split wird von beiden Seiten getrieben.“

PHP Magazin: Warum der Split?

Robert Lemke: Mit dem Split tragen wir dem Rechnung, was sich in der Entwicklung der letzten ein bis zwei Jahre herauskristallisiert hat: Neos und TYPO3 haben sich zu unterschiedlichen Produkten entwickelt und so verschiedene Teams und sogar unterschiedliche Communities gebildet. Es gibt zwar immer noch enge Beziehungen zwischen beiden Communities und beiden Entwicklerteams, aber trotzdem haben wir die meiste Zeit getrennt voneinander gearbeitet.

PHP Magazin: So ein Split kommt nicht von ungefähr. Von wem wird der Split eher getrieben, von der Association oder von euch?

Robert: Er wird von beiden Seiten getrieben. Einerseits hat die TYPO3 Association Schwierigkeiten, beide Produkte gleichwertig zu unterstützen und zu vermarkten, andererseits ist in den letzten ein bis zwei Jahren der Fokus wieder stärker zu TYPO3 CMS gegangen. Das TYPO3-CMS-Projekt ist sehr aktiv geworden, was wir auch wirklich gut finden, aber es sind aber eben zwei verschiedene Produkte, die teilweise verschiedene Infrastrukturen brauchen und verschieden vermarktet werden. Da war es schwierig, das alles unter einen Hut zu bringen.

PHP Magazin: Das heißt, ihr bedient auch prinzipiell nicht dieselbe Klientel?

Robert: Ich denke, es gibt große Überschneidungen bei der Klientel. Es ist nicht so, dass TYPO3 CMS einen komplett anderen Benutzerkreis hat als Neos, da gibt es durchaus Überschneidungen, aber Neos verfolgt ein anderes Konzept und ist so vielleicht für andere Projekte geeignet. Neos hat einen starken Fokus auf Authoring Experience und Multi-Channel-Publishing und das Framework darunter ist eben auch ein spezieller Fokus für bestimmte Projekte.

PHP Magazin: Du hast gemeint es haben sich zwei verschiedene Communities gebildet. Werdet ihr weiterhin voneinander profitieren?

Robert: Es gibt immer noch gemeinsame Projekte, zum Beispiel die Template-Engine Fluid, die sowohl TYPO3 als auch Neos verwenden oder ein Deployment-Tool, das Surf heißt, an dem wir gemeinsam weiter entwickeln und viele Freundschaften und Beziehungen, die über die Jahre gewachsen sind und Events, wo wir weiterhin auftauchen werden. Ich hoffe, dass es da weiter einen guten Austausch geben wird, aber ansonsten wird Neos ein komplett eigenständiges Projekt sein, mit eigener Infrastruktur, eigenem Marketing, eigenen Kommunikationskanälen und eigener finanzieller Basis.

Von Finanzierung und der Community

PHP Magazin: Das wirft einige interessante Fragen auf. Wie wollt ihr die finanzielle Basis auf die Beine stellen?

Robert: Es wird sich gar nicht so viel ändern. In den letzten ein bis zwei Jahren hat sich Neos sowieso größtenteils selbstständig finanziert, etwa durch verschiedene Sponsoren oder das Entwicklerteam selbst, sodass die TYPO3 Association was das Funding für die Entwicklung anging, gar keine so große Rolle gespielt hat.

PHP Magazin: Wenn die Association jetzt sowieso nicht so die große Rolle gespielt hat, hat die Gründung von Flownative im Vorfeld etwas damit zu tun oder war das eher Zufall?

Robert: Das war Zufall. Die Gründung von Flownative ist aus der Idee heraus entstanden, eine Firma zu schaffen, die Agenturen und Firmen unterstützen kann, mit Neos erfolgreiche Projekte zu machen. Wir sehen Flownative nicht als die Firma hinter Neos an, sie ist einfach Teil der Community. Die zentrale Stelle in Neos ist das Neos-Team und später vielleicht eine Organisation, aber das ist nicht die Firma Flownative.

PHP Magazin: Das heißt Flow nehmt ihr mit?

Robert: Flow nehmen wir als wichtigen Bestandteil von Neos mit. In Kürze wird es die Version 3.0 von Flow geben, da geht die Entwicklung auch stark weiter.

PHP Magazin: Das heißt, ihr werdet sowohl an Neos weiterarbeiten, als auch an Flow und es wird komplett in eurer Hand bleiben. Wer ist „eure Hand“?

Robert: Unsere Hand ist das Neos-Team, das im Moment aus 14 Mitgliedern besteht. Es gibt natürlich noch weitere Contributors, die an dem Projekt mitwirken, aber dem Neos-Team gehört jetzt quasi das Neos-Projekt.

PHP Magazin: Da gehe ich mal davon aus, dass da in Zukunft auch personelle Änderungen anstehen. Oder ist es bisher alles so Open Source, alle arbeiten Hand in Hand?

Robert: Es ist tatsächlich so, das Neos-Team arbeitet super und auch vertrauensvoll zusammen, da wird sich auch nichts dran ändern. Es werden sich sicherlich noch ein paar Änderungen ergeben beziehungsweise werden einige Änderungen beschleunigt werden. Zum Beispiel werden Neos und Flow zu GitHub wechseln. Das hatten wir schon länger vor, aber dadurch, dass wir jetzt unsere eigene Infrastruktur betreiben, werden wir das jetzt auch noch mal stärker vorantreiben.

PHP Magazin: Man merkt, dass du im Moment noch viel mit anderen Dingen beschäftigt bist. Wie sieht es zukünftig aus, wie kann man sich informieren, wie es weitergeht?

Robert: Es gibt natürlich nach wie vor die Neos-Website, auf der wir immer alles Aktuelle veröffentlichen werden. Wir werden da in Zukunft auch auf eine neue Domain ausweichen, was wir jetzt gerade noch klären. Und es gibt auf der Website einen Newsletter, für den man sich anmelden kann; da gibt’s dann wirklich alle laufenden Informationen zum Umzug, auch was die Infrastruktur angeht, was sich dadurch ändert, was dadurch gleich bleibt …

PHP Magazin: Wie ist so das allgemeine Gefühl – wie steht ihr zu dem Split?

Robert: Trennungen sind nie einfach. Also, es ist nicht so, dass alle jubeln und sich freuen bei so einer Trennung, aber ist trotzdem zu sehen, dass alle Beteiligten, sowohl das TYPO3-Team als auch das Neos-Team als auch die Association, wirklich das Gefühl haben, dass es der richtige Schritt ist und bei beiden Projekten Energie freisetzen wird.

Robert Lemke

Robert Lemke ist Projektgründer und Architekt des TYPO3-Flow-Frameworks und von TYPO3 Neos. Er hat eine besondere Leidenschaft für sauberen Code und unterstützt als freier Softwarearchitekt und Coach Firmen dabei, erfolgreiche Flow-Projekte umzusetzen. In seinem Blog auf robertlemke.com schreibt Robert über die Hintergründe des TYPO3-Projekts, hin und wieder etwas über Espressomaschinen und eigentlich nie etwas über pangalaktische Donnergurgler.

Aufmacherbild: vintage microphone von Shutterstock / Urheberrecht: Aaron Amat

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