Novell Open Enterprise Server

NetWare meets Linux
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Mit dem Open Enterprise Server (OES) hat Novell seine Ankündigung der Portierung aller wichtigen NetWare-Dienste auf Linux wahr gemacht. Dadurch erhofft sich Novell sowohl eine Stärkung der NetWare als auch wachsende Marktanteile im Linux-Servermarkt.

Novell hat in den letzten Jahren viel Geld und Arbeit investiert, um den Schritt von einem Hersteller zwar leistungsfähiger und bewährter, aber früher auch höchst proprietärer Netzwerk-Servertechnologien hin zu einem Infrastrukturlieferant für heterogene Netzwerke zu schaffen. Diesen Weg hat Novell schon vor einigen Jahren mit der Umstellung vom IPX/SPX-Protokoll auf TCP/IP als Standardprotokoll begonnen und mit der Portierung vieler wichtiger Dienste wie dem eDirectory (früher als NetWare Directory Service – NDS – und dann als Novell Directory Service bezeichnet) fortgesetzt. Mit dem Release der NNLS (Novell Nterprise Linux Services) gab es ein eher als Preview zu bezeichnendes Bundle bereits auf Linux lauffähiger Dienste von Novell.Flankiert wurden diese eigenen Entwicklungen von Akquisitionen, wobei der Kauf von SuSE am meisten Aufmerksamkeit erregt hat. Aber auch die Übernahme von Ximian und der Softwareverteilungslösung Red Carpet und von Silverstream und dessen Application Server passen zu der Strategie von Novell.

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Abb. 7: Die wichtigste Administrationsschnittstelle für OES-Funktionen ist der Novell iManager – auch für Linux.

Novell versucht, den OES durch attraktive Konditionen für die Lizenzierung attraktiv zu machen. Das gilt vor allem für bestehende NetWare-Benutzer. Der OES gilt als reguläre Aktualisierung und ist daher bei bestehenden Verträgen mit der Option für Upgrades kostenlos. Für Umsteiger von anderen Betriebssystemen wie Windows oder Red Hat Linux gibt es stark reduzierte Lizenzpreise. Für Nutzer des SLES dürfte das Preismodell allerdings eher gewöhnungsbedürftig sein, da mit einer Lizenzierung pro Benutzer gearbeitet wird, was zunächst zu wesentlich höheren Preisen führt als sie auch bei Enterprise-Versionen von Linux üblich sind. Auf der anderen Seite erhält man damit bewährte und leistungsfähige Serverdienste. Dennoch darf man darauf gespannt sein, wie im Linux-Umfeld auf das Preismodell reagiert wird.Mit dem OES hat Novell in jedem Fall nicht nur sein Versprechen der Linux-Portierung aller wichtigen NetWare-Dienste eingelöst. An einigen Punkten wird auch schon deutlich, dass auch im NetWare-Betriebssystem immer mehr Ähnlichkeiten zu Linux zu finden sein werden. Bash und RPMs stehen exemplarisch dafür. Für NetWare-Anwender ist der OES ein sehr attraktives Produkt, da einerseits weiterhin mit der bewährten NetWare gearbeitet werden kann, andererseits aber auch eine langfristige strategische Option durch die Unterstützung von Linux vorhanden ist. In gemischten Umgebungen können Anwendungsdienste auf Linux-Systemen laufen, während die Datei- und Druckdienste weiterhin auf der NetWare betrieben werden.Inwieweit es Novell gelingen wird, mit dem OES auch im Linux-Servermarkt zu punkten, bleibt dagegen abzuwarten. Hier könnte sich das Preismodell ebenso als Hürde erweisen wie die Komplexität der Serverdienste, die mit dem OES angeboten werden. Wer von der NetWare kommt, wird sich damit leicht tun. Wer aber bisher nur Linux-Erfahrungen hat, muss sich mit manchem neuen Konzept auseinandersetzen.Offen ist auch, ob Novell mit dem OES Kunden gewinnen kann, die bisher auf Windows gesetzt haben. Der OES hat das Potenzial dazu, weil er einerseits die Stärken der NetWare und von Linux kombiniert, andererseits aber auch eine offene Plattform beispielsweise durch die Unterstützung von SMB/CIFS ist. In jedem Fall ist der OES ein gelungenes Produkt, das die Erwartungen des Autors sogar übertroffen hat.

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